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Giftiger Pilz: Bananen in Gefahr – Panama-Krankheit bedroht die gelben Früchte

Von Bananen leben weltweit 400 Millionen Menschen. Bereits zum zweiten Mal bedroht eine Seuche die Plantagen. Der schädliche Pilz hat leichtes Spiel, denn eine Sorte macht 99 Prozent aller Exportbananen aus.

Eine Bananenstaude mit reifen Früchten

Die essbare Banane unterschiedet sich von anderen Pflanzen, sie ist steril

Getty Images

In den 1950er Jahren brach die Panama-Krankheit schon einmal aus. Sie wird von Fusarium-Pilzen hervorgerufen und vernichtete in kürzester Zeit ganze Bananen-Plantagen. Damals gerieten Mini-Staaten, die de facto von Bananen-Firmen beherrscht wurden, unter dem Druck der Pflanzenkrankheit in große wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Der eigentliche Grund für den rasenden Vernichtungsfeldzug war die Monokultur im Bananenanbau. Alle Bananen waren – und sind auch heute – mehr oder minder genetisch identisch. Bei der Infektion nur einer Pflanze war es kaum zu verhindern, dass auch die anderen Bäume der Plantage befallen werden. Der Pilz fand dann einen riesigen gedeckten Tisch vor, voll von empfindlichen Wirtspflanzen. Damals hackte man einfach alle Bäume ab und rodete den Urwald für neue Plantagen – die dann wenig später befallen wurden.

Ende der Resistenz

Gestoppt wurde das Drama erst, als eine andere Bananensorte eingesetzt wurde, die resistent gegen die Panama-Krankheit war. Ab den 1950er Jahren wurden die Plantagen von der Cavendish-Sorte bepflanzt.

50 Jahre half dieses Rezept gegen die Panamaseuche. Inzwischen bestehen 99 Prozent der Exportbananen und fast die Hälfte der weltweiten Gesamtproduktion aus der Sorte Cavendish.

Doch nun kehrt die Seuche zurück und befällt auch die Cavendish-Bananen. Die Infektionskrankheit hat sich inzwischen über Asien, Australien, den Nahen Osten und Afrika ausgebreitet.

Obwohl wir im Supermarkt noch keinen Bananen-Mangel bemerken, sind die Schäden enorm. Sie belaufen sich bislang auf etwa 400 Millionen Dollar. Aber dies ist nur der Anfang, denn die Seuche hat das Potenzial, die ganze Bananen-Industrie lahmzulegen. In vielen Entwicklungsländern ist die Banane weit mehr als ein gelegentlicher Snack oder eine Zutat für den Smoothie. Fast eine halbe Milliarde Menschen sind auf die Kalorienzufuhr durch die gelben Früchte angewiesen.

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Fieberhaft wird weltweit an einer resistenten Staude gearbeitet, aber selbst dann, wenn es gelingt, so ein Exemplar rechtzeitig zu produzierten, sei die Bananenseuche ein Zeichen dafür, auf welchem Irrweg sich die Lebensmittelindustrie sich befindet, fürchtet Stuart Thompson, Pflanzenbiologe an der University of Westminster.

Banane – eine alte Kulturpflanze mit einer Besonderheit

Bananen blicken auf eine lange Geschichte zurück. Archäologische Funde zeigen, dass sie vor 6800 Jahren erstmals in Südostasien und Neuguinea angebaut wurden und sich vor 6000 Jahren nach Sri Lanka und vor 5250 Jahren nach Uganda hin ausgebreitet hatten. Nachdem die Europäer Ende des 15. Jahrhunderts begannen, den Atlantik zu überqueren, folgte ihnen die Banane und breitete sich über die Karibik und die Teile Amerikas aus.

Doch die Banane, so wie wir sie kennen, war schon damals eine Anomalie der Natur.

Denn diese Bananenpflanzen sind steril, sie können sich nicht selbst vermehren. Und das hat einen Grund: Wilde Bananen sind voller großer, harter Samen, sie sind als Nahrungsmittel ungeeignet. Unsere Bananen können keinen Samen produzieren. Diese Anomalie macht sie ertragreich, aber auch verwundbar. Denn alle Pflanzen werden aus Stecklingen gewonnen, sie sind eine Kopie der alten Pflanze.

Dieses Vorgehen ist jedoch keine Erfindung der modernen Lebensmittelindustrie, denn schon in vorgeschichtlicher Zeit wurden nur sterile Bananen angebaut. Die Völker damals machten sich natürliche Mutationen dienstbar und vermehrten diese Pflanzen dann gezielt.

So eine genetische Monokultur ist ideal für die Produktion im industriellen Maßstab. Denn die identischen Stauden sind berechenbar. Wenn man sie auf die gleiche Weise behandelt, sind sie alle gleichzeitig reif. Doch sind sie auch für jede Krankheit, gleich anfällig.

Die Welt benötigt mehr Bananen-Sorten 

Welche Lösung wird es für die Bananenkrise geben? Thompson vermutet, dass genetische veränderte Bananen die schnellste Lösung darstellen können. Man wisse bereits, welche Gene verändert werden müssen, um die Bananen immun zu machen. Doch auf Dauer würden genetisch veränderte Kulturen noch anfälliger werden. Die richtige Lösung wäre, weltweit auf sehr viel mehr verschiedene Sorten zu setzen, die sich merklich genetisch voneinander unterscheiden.

Fast alle Anbaubananen der Welt stammen von einer einzigen Staude ab, die der Gärtner Joseph Paxton 1826 für William Cavendish, den sechsten Duke of Devonshire, erwarb.

Quelle: The Conversation

Fragen, die sich jeder stellt: Wo kommen eigentlich Fruchtfliegen her?
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