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Umfrage Würden Sie den Beruf wechseln? In diesen Jobs sagen die meisten Menschen Ja

Büro
Die Corona-Zeit hat bei vielen die Einstellung zum Job verändert
© Getty Images
Die Bereitschaft, einen anderen Beruf zu ergreifen, steigt in der Corona-Krise laut einer Umfrage deutlich an - allerdings nicht in allen Berufen. Zudem ändern sich bei vielen die Prioritäten und die Einstellung gegenüber ihrem Job.

Mehr als fünf Millionen Menschen sind in Kurzarbeit, einige haben ihren Job verloren, andere wiederum freuen sich über mehr Homeoffice und flexiblere Arbeitszeiten. Klar ist: Die Umwälzungen der Corona-Krise haben die Einstellung der Deutschen zur Arbeit und ihrem ganz konkreten Job verändert. Das zeigt die aktuelle "Berufe-Studie" der HDI-Versicherung, für die im Juni und Juli 3633 Berufstätige repräsentativ befragt wurden.

Insgesamt beurteilen die Deutschen die Corona-Zeit in Bezug auf den Job darin überraschend positiv. Immerhin 33 Prozent der Befragten geben an, durch Corona eine positivere Einstellung zu ihrem Beruf gewonnen zu haben. Nur bei 12 Prozent ist es umgekehrt. Von den Befragten, die in Kurzarbeit geschickt wurden, bewerten 43 Prozent dies "als eine insgesamt für mich wertvolle Zeit" – und nur 24 Prozent als belastend.

Bereitschaft zum Jobwechsel steigt

Gleichzeitig wächst angesichts der massiven Veränderungen durch den Corona-Schock offenbar die Flexibilität vieler Arbeitnehmer, sich beruflich umzuorientieren. Insgesamt sechs von zehn Befragten können sich laut der Umfrage vorstellen, einen anderen Beruf zu ergreifen. Bei der gleichen Befragung im Vorjahr hatten 56 Prozent Wechselabsichten angegeben. Das ist im Mittel zwar nur ein Anstieg der Wechselbereitschaft um vier Prozentpunkte. Doch der Blick auf die Antworten je Berufsgruppe zeigt, wie dramatisch sich teilweise die Einstellung gegenüber der Vor-Corona-Zeit verändert hat.

Während 2019 nur 56 Prozent der Befragten aus Industrieproduktion und Fertigungsbetrieben sich einen Berufswechsel vorstellen konnte, sind es nun 68 Prozent. Bei Finanzberufen und Steuerberatern stieg die Wechselbereitschaft von 58 auf 65 Prozent, für Werbe-, Marketing- und Medienberufe von 60 auf 71 Prozent und im Bereich Erziehung und Hauswirtschaft von 39 auf 57 Prozent.

Tabelle: "Könnten Sie sich vorstellen, einen anderen Beruf zu ergreifen?" (Ja-Antworten)

Berufsgruppe

2019

2020

Werbung, Marketing, Medien

60%

71%

Industrieproduktion, Fertigung

56%

68%

Kaufmännische Berufe

62%

67%

Finanzen, Steuern

58%

65%

Sicherheit und Reinigung

55%

62%

Tourismus, Hotels, Gaststätten

61%

61%

Verkehr und Logistik

52%

58%

Erziehung und Hauswirtschaft

39%

57%

Recht und Verwaltung

55%

56%

Bau, Architektur, Gebäudetechnik

47%

55%

IT, Kommunikationstechnik

63%

55%

Medizin. Gesundheitsberufe

54%

49%

Lehrer, Ausbilder

50%

44%

Insgesamt

56%

60%

Quelle: HDI Berufe-Studie; eigene Darstellung

Drei Berufe gegen den Trend

Die Wechselbereitschaft insgesamt wäre noch deutlich stärker gestiegen, wenn nicht in drei Berufsgruppen der Trend genau andersherum verlaufen würde. Von den Beschäftigten aus Informations- und Kommunikationstechnologie, die in der Vorgängerbefragung noch mit 63 Prozent die höchste Wechselbereitschaft gezeigt hatten, können sich nun nur noch 55 Prozent vorstellen, einen anderen Beruf zu ergreifen. Sie sehen vermutlich durch den Digitalisierungsschub in der Corona-Krise wie wertvoll ihre berufliche Ausrichtung derzeit ist. Auch bei medizinischen Gesundheitsberufen sowie Lehrern und Ausbildern sinkt die Wechselbereitschaft gegenüber dem Vorjahr.

Streben nach Sicherheit

In Bezug auf die zu erwartenden Folgen der Digitalisierung ergeben die Antworten der Befragten ein widersprüchliches Bild. Zwar treibt immer mehr Menschen die Sorge um, dass die Digitalisierung mehr Jobs vernichtet als neue entstehen lässt – das befürchten 63 Prozent der Befragten (Vorjahr 60 Prozent). Gleichzeitig erwarten aber nur 19 Prozent (nach 27 Prozent im Vorjahr), dass ihr eigener Job betroffen ist. Eine diffuse Zukunftsangst trifft hier auf persönlichen Optimismus.

Passend dazu verändern sich die Prioritäten: So steigt die "Krisen-Sicherheit" zu einer der wichtigsten Anforderungen an den Beruf auf. Drei von vier Befragten ist dieser Aspekt wichtig. Die Krisen-Sicherheit erreicht damit einen höheren Stellenwert als ein "geregelter Tagesablauf", "soziale Kontakte", "Selbstverwirklichung", "soziale Anerkennung" und "Wichtiges für die Gesellschaft tun". Nur die Kriterien "Geld verdienen" und "erlernte Fähigkeiten anwenden" sind den Befragten noch wichtiger.


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