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Protest von Umweltschützern: Carmichael-Mine: Darum geht es bei dem umstrittenen Siemens-Auftrag in Australien

Siemens hält an dem Plan fest, eine Zugsignalanlage für ein gewaltiges Kohlebergwerk in Australien zu liefern, Klimaschützer laufen Sturm dagegen. Grund: Die Carmichael-Mine gilt als extrem umweltschädlich.

Kohle Zug Australien

Kohlezug in Australien

Getty Images

Die Kritik prasselt von allen Seiten auf Siemens ein, doch die Unternehmensführung bleibt eisern:

Der Konzern hält an dem Auftrag für die Lieferung einer Zugsignalanlage für ein Kohlebergwerk in Australien fest. Man habe alle Optionen geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass man allen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen müsse, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. Umweltschützer aus der ganzen Welt kritisieren das Projekt, darunter auch Greta Thunberg und die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Für diesen Montag sind diverse Demonstrationen gegen Siemens ankündigt.

"Versprechen für bezahlbare Energie"

Bei dem Projekt geht es um die Pläne des indischen Konzerns Adani für die riesige Carmichael-Mine im nordöstlichen Bundesstaat Queensland. Es soll einer der größten Kohlebergwerke der Welt werden. Der Bau sei bereits im vollen Gange, heißt es bei dem Unternehmen. Und weiter: "Wir lassen uns nicht einschüchtern oder davon abhalten, unsere Versprechen einzulösen – für die Menschen in Queensland, die Australier und die Menschen in Entwicklungsländern, die dringend bezahlbare Energie brauchen, um ihnen zu helfen, der Armut zu entkommen."

Video: Siemens hält an umstrittenem Auftrag in Australien fest

In den insgesamt fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten sollen bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr gefördert werden. Siemens wiederum hatte im Juli vergangenen Jahres den Auftrag für die Schienensignalanlage angenommen. Der Auftrag hat laut Vorstand Kaeser ein Volumen von 18 Millionen Euro. Mitte Dezember hatte er angekündigt, die Beteiligung seines Konzerns an dem Projekt auf den Prüfstand zu stellen.

"Entscheidung gegen künftige Generationen"

Umweltschützer bekämpfen das Projekt seit Jahren. Dabei geht es neben dem Klimaschutz auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt. Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer wirft dem Konzernchef vor, sich mit dem Ja zu dem Auftrag gegen das Pariser Klimaschutzabkommen, gegen die zukünftigen Generationen und "nicht zuletzt gegen die Klimaschutz-Reputation von Siemens" entschieden zu haben. Kaeser kündigte an, ein Nachhaltigkeitsgremium zu schaffen, um Umweltfragen in Zukunft besser zu managen.

Klimaschutz ist auch in Australien zuletzt verstärkt zu einem Thema der öffentlichen Debatte geworden – im Zusammenhang mit den seit Monaten wütenden Wald- und Buschbränden. Premierminister Scott Morrison betreibt eine Pro-Kohle-Politik und unterstützt energisch das Carmichael-Projekt. Australien ist der größte Kohle-Exporteur der Welt.

nik mit DPA/AFP