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US-Kreditplattform CEO feuerte 900 Mitarbeiter über Zoom – jetzt wenden sich die Führungskräfte von ihm ab

900 Kollegen der US-Firma Better.com ereilte die Kündigung per Videocall (Symbolbild)
900 Kollegen der US-Firma Better.com ereilte die Kündigung per Videocall (Symbolbild)
© svetikd / Getty Images
Mit einem einzigen Videocall hat Vishal Garg Hunderte Mitarbeiter entlassen. Jetzt sind offenbar auch Teile der Führungsriege nicht mehr bereit, das Gebaren des Chefs zu akzeptieren.

Dieser Videocall hat hohe Wellen geschlagen: Während einer Zoom-Konferenz hatte Vishal Garg, CEO der US-Kreditplattform Better.com, 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitgeteilt, dass sie entlassen sind – und das auch noch kurz vor Weihnachten. "Wenn Sie Teil dieses Calls sind, sind Sie Teil der unglücklichen Gruppe, die entlassen wird. Ihr Beschäftigungsverhältnis hier endet mit sofortiger Wirkung", hatte Garg den Betroffenen erklärt, die immerhin neun Prozent der gesamten Belegschaft ausmachen. (Lesen Sie hier mehr dazu.)

Doch die Entscheidung des Unternehmenschefs sowie vor allem die Art und Weise, mit der sie verkündet wurde, hat ein Nachspiel. Viele Medien berichteten über den verhängnisvollen Zoom-Call, die Empörung war groß. Auch im eigenen Unternehmen stößt Garg auf Widerstand. Jetzt wenden sich die Führungskräfte von dem CEO ab. Wie "Business Insider" berichtet, haben bereits drei hochrangige Mitarbeiter:innen gekündigt.

Better.com: Drei Führungskräfte haben schon gekündigt

Dazu zählen unter anderem die Chefinnen der PR- und der Marketingabteilung. Und das soll noch nicht alles sein: Eine Quelle sagte dem Portal "The Daily Beast", es handele sich nur um die erste Welle von Kündigungen, weitere könnten bald folgen. Garg scheint somit im eigenen Unternehmen immer mehr an Rückhalt zu verlieren, auch in den Führungskreisen.

Der Frust scheint groß zu sein. "Alle, die jetzt gehen, haben alles für ein Unternehmen gegeben, an das sie geglaubt haben, aber sie wurden letztlich unterminiert von einem Chef, der keinen Rat von irgendjemandem annimmt und glaubt, dass er immer Recht hat", sagte eine Quelle aus dem Umfeld Gargs "Business Insider".

CEO entschuldigt sich für Entlassungen per Videocall

Der CEO hatte in dem Videocall veränderte Marktgegebenheiten sowie die angeblich mangelhafte Leistung und Produktivität der betroffenen Mitarbeiter:innen als Gründe für die Entlassungen angegeben. Gekündigt wurde dem gesamten Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionsteam, das unter anderem dafür verantwortlich ist, Beschwerden zu Rassismus oder Sexismus am Arbeitsplatz nachzugehen. In einem Blogpost hatte Garg seine Entscheidung noch einmal verteidigt: Er warf den entlassenen Mitarbeiter:innen vor, nur "zwei Stunden pro Tag" gearbeitet und damit das Unternehmen sowie die Kund:innen "bestohlen" zu haben.

Wer ahnt, dass sein Job in Gefahr ist, kann gegensteuern

Mittlerweile hat auch der CEO eingesehen, dass sein Vorgehen zumindest unter kommunikativen Gesichtspunkten nicht gerade strategisch klug war. Der Chef der 2016 gegründeten Kreditplattform entschuldigte sich in einer E-Mail bei seinen Mitarbeiter:innen. Er habe nicht "den angemessenen Respekt und die Wertschätzung" gezeigt, die die geschassten Mitarbeiter:innen verdient hätten. Die Art der Kommunikation habe "eine schwierige Situation noch schlimmer gemacht", hieß es in der Nachricht.

Schon zuvor hatten US-Medien darüber berichtet, dass Garg Mitarbeiter:innen in einer E-Mail übel beschimpft hatte. In einem Porträt des Portals "The Daily Beast" hieß es außerdem, Garg habe einem Geschäftspartner damit gedroht, ihn lebendig zu verbrennen.

Quellen: "The Daily Beast" / "Business Insider"

epp

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