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VW, Daimler und BMW : Deutsche Hersteller verraten Positionsdaten ihrer Elektro-Autos an chinesische Regierung

Chinas Regierung kann in Echtzeit Elektro-Autos überwachen. Auto-Hersteller liefern den Behörden permanent die Positionsdaten. Auch Volkswagen, Daimler und BMW kooperieren.

Volkswagen China

1,1 Millionen Elektro-Fahrzeuge überwachen Chinas Behörden – darunter auch Modelle von Volkswagen

Getty Images

In China kennt die Regierung den genauen Standort von jedem Elektro-Auto. Das legt ein Bericht der Nachrichten-Agentur AP nahe. Demnach sollen über 200 Autohersteller die Informationen an die Behörden in Echtzeit übermitteln. Unter ihnen sind die Schwergewichte der deutschen Auto-Industrie Volkswagen, Daimler und BMW. Aber auch die US-Hersteller Tesla, General Motors und Ford kooperieren mit den Behörden. Die meisten Autofahrer seien über diese Art der Überwachung nicht  informiert worden, berichtet die AP.

Die Agentur zitiert aus einem nationalen Vorschriften-Katalog für Elektroautos, der schon aus dem Jahr 2016 stammt. Demnach müssen die Autohersteller um die 61 Datenpunkte an die Sicherheitsbehörden weiterleiten. Darunter sind Standort-Informationen oder auch Angaben über den Zustand der Batterie. Diese Daten laufen in Echtzeit beim Shanghai Electric Vehicle Public Data Collecting and Research Center zusammen.

Allein im Raum Shangai können die Behörden so 220.000 Autos im Sekundentakt überwachen. Im ganzen Land sollen bisher 1,1 Millionen Besitzer dieser digitalen Kontrollen unterworfen sein.

China verpflichtet die Hersteller auf die Kooperation

Eigentlich gehen die genannten Fahrzeugdaten nur die Hersteller und den Kunden etwas an. Allerdings haben sich die Behörden eben darauf den Zugriff gesichert. Für die Autokonzerne ist es eine eindeutige gesetzliche Vorgabe, die sie erfüllen müssen. Das räumt der Vorsitzende der Volkswagen Group China auch ein: "Es gibt in China Überwachungssysteme in Echtzeit, die wir mit unseren Fahrzeugdaten füttern müssen", sagt Jochem Heizmann. Er könne nicht ausschließen, dass der Staat diese Daten auch zur Bürger-Überwachung einsetze. VW würde aber Angaben zum Fahrzeughalter in seinen eigenen Systemen sichern. Überhaupt gebe das Auto nicht mehr Daten preis als ein übliches Smartphone.

Auch Daimler gibt gegenüber der AP an, Daten an die chinesischen Behörden zu übermitteln. Allerdings betont der Stuttgarter Autobauer, er würde seine Kunden darüber informieren. BMW war zu keiner Stellungnahme bereit.

Behörden sprechen von Verkehrssicherheit

Wofür die Daten nun tatsächlich eingesetzt werden, bleibt unklar. Die chinesischen Behörden betonen, sie benötigten diese für Analysen, um die Verkehrssicherheit und Stadtplanung zu verbessern. Auch wollten sie Subventionsbetrug unterbinden. In der Vergangenheit hätten Hersteller staatliche Fördergelder in Anspruch genommen, die Elektro-Autos aber nie geliefert.

Der stellvertretende Direktor des Shanghai Electric Vehicle Public Data Collecting and Research Center glaubt nicht, dass seine Plattform notwendig wäre, um Verdächtige zu überwachen. Die Polizeidienste hätten da ganz andere Möglichkeiten, sagt er.

Video: Deutsche Auto-Chefs zeigen sich zufrieden
sos