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Deutliche Bremse befüchtet Ökonomen: Zweite Infektionswelle droht Aufschwung abzuwürgen

Neue Corona-Beschränkungen geplant
Geschlossen und mit einem Band abgesperrt ist ein Verkaufskiosk an der Promenade des Ostseebades. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
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Viele Firmen kämpfen noch mit den Folgen des ersten Lockdowns im Frühjahr. Die Reserven sind oft verbraucht. Die Aussichten verdüstern sich nun weiter - auch weil den Verbrauchern die Zuversicht abhanden kommt, beklagt das DIW.

Die sich abzeichnenden erneuten Einschränkungen wegen steigender Corona-Infektionszahlen drohen nach Einschätzung von Volkswirten den wirtschaftlichen Aufschwung abzuwürgen.

«Der Aufschwung wird sehr wahrscheinlich deutlich ausgebremst werden», sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claus Michelsen, am Mittwoch in Berlin. «Es drohen wieder schärfere Einschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.» Das Pandemiegeschehen nehme Verbrauchern und Unternehmen die Zuversicht. Viele Unternehmen hätten noch mit den Folgen des Lockdowns vom Frühjahr kämpfen und kaum noch finanzielle Reserven.

Sollten die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen beschlossen werden, dürfte das Wirtschaftswachstum nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer im vierten Quartal zum Erliegen kommen. Bestenfalls sei mit einer schwarzen Null gegenüber dem Vorquartal zu rechnen. «Die Wirtschaft lässt sich nicht wie eine Lampe ein- und abschalten, ohne dass es zu Schäden kommt.»

Zwar seien Industrie und Handel von den geplanten Maßnahmen nicht direkt betroffen, dürften aber trotzdem leiden, weil die allgemeine Unsicherheit steige und die Anti-Corona-Maßnahmen im Ausland ebenfalls verschärft würden, sagte Krämer.

Nach Einschätzung des DIW ist die deutsche Wirtschaft im abgelaufenen dritten Quartal noch kräftig um etwa sechs Prozent gewachsen. Das Statistische Bundesamt gibt erste Daten dazu am Freitag bekannt. Die weiteren Aussichten verdüstern sich dem DIW zufolge aber erheblich. Nach aktuellen Stand werde die Wirtschaftsleistung in Europas größter Volkswirtschaft zum Jahresende noch leicht steigen, der kräftige Aufholprozess aus dem Sommer dürfte sich aber nicht fortsetzen.

dpa

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