HOME

Strafzölle für Mexiko: Fünf Gründe, warum die USA sich mit Trumps Mauer selbst ins Knie schießen

Donald Trump überlegt, die Mexikaner über horrende Strafzölle für seine Mauer bezahlen zu lassen. Das würde auch den USA massiv schaden. Einige Amerikaner rufen bereits dazu auf, Avocados zu bunkern. Andere fürchten, dass der Tequila teurer wird.

Grenze zu Mexiko: Hey President Trump, darum sind Mauern ein richtig alter Hut!

Donald Trump hat ein Mexiko-Problem. Seinen Wählern hat er nicht nur versprochen, eine Mauer zum Nachbarstaat zu bauen, sondern auch, dass die Mexikaner das Projekt auch noch selbst bezahlen sollen. Doch die denken gar nicht daran. Daher hat Trump nun eine Idee entwickelt, wie er die ungeliebten Nachbarn zumindest indirekt zur Kasse bitten kann: Strafzölle von 20 Prozent auf alle Waren, die von Mexiko in die USA eingeführt werden. Trump-Sprecher Sean Spicer stellte den Plan am Donnerstag vor. Auch wenn er später hinterherschob, die Strafzölle seien nur eine Idee unter vielen, um die Mauer zu finanzieren.

"20 Prozent auf alles", so warb hierzulande einst die Baumarktkette Praktiker für ihre Schnäppchen - bevor sie Pleite ging. Und auch Trump könnte mit seinen "20 Prozent Strafzölle auf alles" grandios baden gehen. Denn die angedachten Strafzölle verstoßen nicht nur gegen geltendes Handelsrecht (was Trump ändern könnte), sondern könnten auch den USA massiv schaden. 

1. Günstige Produkte werden teurer

Aus Mexiko kommen nicht nur illegale Einwanderer in die USA, sondern auch jede Menge günstige Waren, auf die viele Amerikaner wohl nur ungern verzichten. Auf Twitter überschlugen sich unmittelbar nach Spicers Ankündigung die Witze über bevorstehende Avocado-Knappheiten und Tortilla-Engpässe. Humor mit realem Hintergrund, denn Mexiko ist der drittgrößte Lieferant von Waren in die USA.

Neben Autos und Maschinen kommen auch jede Menge Waren des täglichen Bedarfs aus Mexiko. Frisches Obst und Gemüse, Wein, Bier, Snacks und mehr - laut US-Handelsbeauftragtem importieren die USA landwirtschaftliche Produkte im Wert von 21 Milliarden Dollar im Jahr aus Mexiko. All diese Waren würde der Strafzoll ebenfalls verteuern und sie könnten wohl kaum zu einem ähnlich günstigen Preis in den USA hergestellt werden. "Einfach gesagt: Vorschläge, die die Kosten für Corona, Tequila oder Margaritas in die Höhe treiben, sind eine ganz schlechte Idee", fasste der republikanische Senator Lindsay Graham seine Kritik mit einem Augenzwinkern zusammen.

2. Arbeitsplätze gehen verloren

Ein Handelskrieg dürfte den USA aber auch noch auf andere Weise schaden. Denn was Donald Trump nicht sagt, wenn er über Produkte meckert, die in Mexiko hergestellt und in den USA verkauft werden: Der Handel ist keine Einbahnstraße. Mexiko ist umgekehrt auch für die USA ein wichtiger Exportmarkt. Laut US-Handelsbeauftragtem sogar der zweitgrößte Abnehmer von Waren überhaupt.

Die USA liefern Maschinen, Fahrzeuge, Treibstoff, Plastikprodukte sowie landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Mais, Sojabohnen, Milchprodukte und Schweinefleisch nach Mexiko. Zudem werden 40 Prozent der Einzelteile in mexikanischen Produkten, die am Ende wieder in den USA landen, zuvor in den USA hergestellt. Sechs Millionen Beschäftigte in den USA hängen vom Handel mit Mexiko ab. Sollte Trump Strafzölle gegen Mexiko verhängen, muss er mit Vergeltungsmaßnahmen der Gegenseite rechnen.

 Der republikanische Kongressabgeordnete Mark Meadows warnte vor möglichen wirtschaftlichen Vergeltungsmaßnahmen der von solchen Maßnahmen betroffenen Länder, die "normalerweise kein gutes Wirtschaftswachstum fördern". Der Präsident des mexikanischen Handelskammertags, Manuel Herrera, nannte die Pläne für Unternehmen beider Länder "wahrlich beängstigend". 

3. Mehr illegale Migranten

Ironischerweise könnte der Mauerstreit sogar zu mehr illegaler Einwanderung aus Mexiko in die USA führen. Denn bislang arbeiten die beiden Länder bei der Bekämpfung eng zusammen. Mexiko stoppt illegale Migranten teilweise schon auf eigenem Boden. 2016 schob Mexiko 165.000 Mittelamerikaner in ihre jeweiligen Heimatländer ab. Je weniger Mexiko auf seiner Seite der Grenze tut, desto mehr Ärger haben die USA auf ihrer. Ganz egal, wie hoch die Mauer ist.

4. Mehr Kriminalität

Gleiches gilt auch für die Kriminalitätsbekämpfung. Je schlechter die Beziehungen zwischen den Ländern, desto weniger wird man wohl auch bei grenzüberschreitender Kriminalität wie Drogenschmuggel zusammenarbeiten. Zwischen 2000 und 2015 lieferte Mexiko mehr als 900 von der Polizei gesuchte Personen an die USA aus - zuletzt den berüchtigten Drogenboss "El Chapo" Guzmàn.

5. USA verlieren an Einfluss

Wenn sich die USA von Mexiko abwenden, werden die sich andere Partner suchen und möglicherweise das Anti-USA-Lager verstärken. Boliviens Präsident Evo Morales lud Mexiko bereits offen dazu ein. "Ich appelliere an unsere mexikanischen Brüder: Schaut nach Süden. Lasst uns auf Basis unserer lateinamerikanischen Identität Einheit demonstrieren." Das brasilianische Außenministerium teilte mit, man habe "mit Besorgnis die Idee des Baus einer Mauer zur Kenntnis genommen, die verbrüderte Nationen unseres Kontinents teilt". Auch China, das Trump zum Erzfeind ausgerufen hat, könnte profitieren. Die Chinesen pflegen bereits gute Beziehungen zu Mexiko und könnten ihren wirtschaftlichen Einfluss ebenso wie im Rest Lateinamerikas ausbauen.

mit Agenturmaterial
Themen in diesem Artikel