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Vitalis: Schoko-Müsli gesund gerechnet: Gericht erlaubt Kalorientrick von Dr. Oetker

Auf der Vorderseite des Vitalis-Schokomüslis wirbt Dr. Oetker mit einer äußerst optimistischen Kalorienberechnung. Ein Gericht verbot den Trick, doch die nächsthöhere Instanz erlaubt ihn nun wieder.

Vitalis Knuspermüsli Schoko + Keks von Dr. Oetker

Vitalis Knuspermüsli Schoko + Keks von Dr. Oetker

Hersteller

Um die Frage, ob Lebensmittelhersteller ungesunde Nahrungsmittel klarer kennzeichnen müssen, ist eine breite Diskussion entbrannt. So fordern Ernährungsexperten ein Ampel-System wie den Nutri-Score, der dem Kunden mittels einer Farbskala auf einen Blick zu erkennen gibt, ob das Produkt eher gesund oder ungesund ist.

Doch bislang schreibt der Gesetzgeber nur eine komplizierte Nährwerttabelle vor, die zudem nicht auf der Vorderseite der Verpackung abgedruckt werden muss. Wie man die aushebeln kann, demonstriert Dr. Oetker bei seinem Vitalis-Müsli "Schoko+Keks" – und hat nun auch noch vor Gericht Recht bekommen. Das OLG Hamm entschied, dass der Müsli-Hersteller auf der Vorderseite der Verpackung andere - beziehungsweise geschickt verkürzte - Kalorien-Angaben machen darf als im gesetzlich vorgeschriebenen Kleingedruckten (Az. 4 U 130/18).

Wirkt das Müsli von Dr. Oetker kalorienärmer als es ist?

So druckt Dr. Oetker auf der Seite der Verpackung vorschriftsgemäß die Nährwerttabelle ab. Darin sind Energie-, Zucker- und Fettwerte je 100 Gramm einerseits sowie für eine Portion mit 40 Gramm Müsli und 60 Milliliter fettarmer Milch andererseits angegeben. Für den Vergleichswert von 100 Gramm Müsli ergibt sich so ein Energiewert von 448 Kilokalorien, die mit fettarmer Milch gemischte Portion hat nur 208 Kilokalorien.

Zusätzlich zum Kleingedruckten auf der Seite druckt Dr. Oetker auf der Vorderseite seines Vitalis-Müsli nochmal allein den günstigeren Teil der Tabelle ab, nämlich die Angaben für das mit fettarmer Milch gemischte Müsli. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) argumentierte, dass das Müsli so deutlich kalorienärmer wirke als es tatsächlich sei, weil sich Verbraucher am Standardwert für 100 Gramm orientieren und nicht an einer fiktiven Portionsangabe. 

Praxisnah oder irreführend?

Vor dem Landgericht Bielefeld bekamen die Verbraucherschützer mit ihrer Klage zunächst Recht. Doch das Oberlandesgericht Hamm entschied in der nächsten Instanz nun anders und erlaubte das Vorgehen. Die Richter entschieden, "dass die freiwillige, wiederholende Nährwertangabe auf der Vorderseite der Verpackung des Knuspermüslis den Vorgaben der Verordnung gerecht werde", heißt es in einer Mitteilung des Gerichts.

Für das Vorgehen von Dr. Oetker spricht, dass Müsli praktisch ja tatsächlich mit Milch gemischt wird, wenn auch nicht zwingend mit fettarmer. Wie praxisnah allerdings die Portionsgröße von 40 Gramm ist, darüber kann man wiederum streiten. Bei einem Experiment der Verbraucherzentrale Hamburg, bei der Verbraucher eine aus ihrer Sicht übliche Durchschnittsportion abfüllen sollten, kam heraus, dass eine normale Portion Müsli doppelt so groß ist wie von den Herstellern angesetzt.

Eine Revision gegen das Urteil vor dem Bundesgerichtshof ist zugelassen. Ein Sprecher des vzbv erklärte, man wolle nun erst einmal die schriftliche Urteilsbegründung abwarten.

Quelle: OLG Hamm 

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Diese Fruchtgummischlange von Haribo wiegt 40 Gramm. Auf der Packung steht aber nicht der Zuckergehalt für eine ganze Schlange, sondern für die empfohlene Portion von 25 Gramm. Das sieht dann nicht ganz so ungesund aus - auch wenn die meisten natürlich trotzdem die ganze Schlange verspeisen werden.

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