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Mode nur für Dünne?: Drei Größen zu klein – dieses Kleider-Selfie beschert H&M wieder einen Shitstorm

Eine britische Studentin litt in einem Kleid an Atemnot – obwohl sie das Stück deutlich größer ausgewählt hatte. Ihr Protest-Post löste eine Welle der Empörung aus. Die Bekleidungskette fertigte sie mit Textbausteinen ab.

Kleider nur für Kinder? Lowri Byrne reichte es.

Kleider nur für Kinder? Lowri Byrne reichte es.

‎Lowri Byrne, Studentin an der Plymouth University, hat genug von den Kindergrößen in der Damenmode. Byrne trägt Kleidergröße 12  (Das entspricht der europäischen 40), in der Umkleidekabine passte sie aber kaum in ein Kleid der Größe 16. Nur mit Bauch einziehen und flacher Atmung hielt das Kleid. Ihrem Ärger machte die junge Frau mit einem Post auf der Facebookseite von H&M Luft:

"Bitte sortiert eure Größen neu, so ist das absolut lächerlich!

Ich trage Größe 12 und habe einen kleinen Busen. Heute musste ich in einem H&M-Laden fragen, ob dieses Kleid in der Größe 18 vorrätig ist (war es natürlich nicht...). Das Kleid, das ich auf diesen Fotos anhabe, ist eine Größe 16, und ich konnte kaum darin atmen! Das ist nicht nur nervig, weil ich das Kleid haben wollte, aber viele Frauen leiden wirklich darunter, welche Kleidergröße sie kaufen müssen. Glücklicherweise gehöre ich nicht zu ihnen!  Aber eines dieser Mädchen wäre am Boden zerstört, wenn sie eine 18 tragen müsste.

Als ich nach dem Kleid fragte, sagte der Verkäufer gleich: "Ach ja, da musst du ein paar Größen drauf geben." Eine paar Größen?! Drei bis vier Größen mehr – das sehen Sie wohl, dass sie dieses Problem lösen müssen!"

Der Post von Lowri Byrne.

Der Post von Lowri Byrne.

Riesenärger für H&M

Der Post wurde tausendfach geteilt und diskutiert. Immer wieder regen sich Frauen über die unrealistischen Zuschnitte von Kleidung auf – vor allem im Billigsegment ist diese Praxis Gang und Gäbe. Die anderen Kunden gaben Lowri Byrne Recht. Vor allem Mütter wussten, dass die normalen Frauengrößen nur ihren 14-jährigen Töchtern passen. Der Top-Kommentar wurde von Tanya Sp. geschrieben: "Ich bin eine Größe 10 und muss bei H&M 16 bis 18 kaufen! Bei Tesco ist es das Gegenteil, da passe ich in eine Jeans mit einer 8." Kayleigh G. schrieb, sie sei einfach "zu fett"  für H&M. "Das ist unmöglich und ein echtes Problem für junge Mädchen --- so etwas zerstört ihr ganzes Selbstvertrauen."

Selbstvertrauen wird zerstört

Lowri Byrne sprach mit der BBC. "Mir hätte es nicht viel ausgemacht, eine 18 zu kaufen, wenn die gepasst hätte."  Aber andere Frauen hätten ein Riesenproblem: "Kurvige Frauen können in diesem Geschäft gar nichts kaufen, weil das alles so extrem klein ausfällt. Darum habe ich das gepostet. Das ist einfach unfair!"

"Ich bin eine echte 12 und soll ein Kleid mit Größe 18 kaufen. Aber was soll eine Frau machen, deren Figur schon eine 18 ist?"

Irreführende Erklärung

In einem Statement erklärt H&M die Probleme mit dem globalen Markt. Natürlich wolle man keine Kunden kränken. "Die Größen von H&M sind überall auf der Welt die gleichen. In allen 66 Märkten, in denen wir tätig sind. Es gibt keinen weltweiten einheitlichen Standard, daher gibt es diese Unterschiede." 

Playboy

Die Erklärung ist allerdings wenig überzeugend. Gefordert wird, dass die verkaufte Kleidung auch den angegeben Größen entspricht: Eine UK 12 ist sehr wohl genormt. Sie schreibt für Damen eine Brustweite von 91 Zentimetern, eine Taille von 73 und eine Hüftweite von 98,5 Zentimetern vor. Und diese Norm wurde offenbar verfehlt. Dass es auch bei korrekter Auszeichnung immer noch Unterschiede im individuellen Schnitt geben kann, ist ein ganz anderes Problem.

Jedes Jahr der gleiche Ärger

Schon im letzten Jahr gab es den gleichen Ärger für H&M. Damals fotografierte sich die Studentin Ruth Clemens bei dem Versuch ihre Größe 14 in eine 16-Jeans zu pressen.

Ruth Clemens  bekam exakt die gleiche Antwort von H&M wie jetzt Lowri Byrne – wortwörtlich der gleiche Textbaustein. Ein Lernprozess sieht anders aus.


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