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Durch anhaltende Kälte: Deutsche Erdgasspeicher sollen fast leer sein

Wird nach dem langen Winter des Erdgas knapp, bleiben dann bald Heizungen kalt? Die deutschen Gasspeicher sollen so leer sein wie noch nie. Ganz normal, heißt es aus der Versorgungswirtschaft.

Wegen der anhaltenden Kälteperiode sind nach einem Zeitungsbericht viele deutsche Erdgasspeicher fast leer. Der durchschnittliche Füllstand der 48 Speicher sei zum Wochenende auf das historische Tief von 20 Prozent gefallen, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Daten des europäischen Verbandes Gas Infrastructure Europe (GIE). Beim Ausfall einer Import-Leitung könnte es Probleme geben.

Die Nummer vier im deutschen Markt, die Storengy Deutschland GmbH, sowie die Leipziger Verbundnetz Gas AG als einer der großen deutschen Gasimporteure meldeten Füllstände unter zehn Prozent, hieß es. Der von einer Gasag-Tochter gesteuerte Berliner Erdgasspeicher sei nahezu leer. Andererseits gebe die Astora GmbH & Co.KG an, der größte westeuropäische Erdgasspeicher in Rheden südlich von Bremen sei noch zu einem Drittel gefüllt.

Noch genügend Erdgas verfügbar

Beim Speicherbetreiber Astora hieß es weiter: "Auch wenn die nächsten Tage kalt bleiben, muss niemand frieren." Es sei noch genügend Erdgas verfügbar. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) warnte in der "Welt am Sonntag" vor Panikmache. Die Füllstände in den Speichern seien für diese Jahreszeit normal.

Vertreter der Gasindustrie werfen dem Bericht zufolge allerdings der Politik vor, das Thema Versorgungssicherheit zu vernachlässigen. Es gebe keine Anreize, die Versorgung mit Erdgas vorausschauend und ganzheitlich zu planen. Handel, Speicherung und Transport seien gesetzlich entflochten, keiner der einzelnen Bereiche könne für sich allein Versorgungssicherheit garantieren. Laut "Welt am Sonntag" werde so Gas aus deutschen Speichern von Händlern nach Polen oder Großbritannien verkauft, wo es knapp sei und die Preise stark gestiegen seien. In Deutschland werden rund 16,5 Millionen Wohnungen mit Erdgas beheizt. Die inländische Stromproduktion hängt zu rund elf Prozent von Erdgas-Kraftwerken ab

Steigende Heizkosten

Der lange Winter wird sich der Zeitung zufolge auch bei der Heizkostenrechnung negativ bemerkbar machen: Der Eigentümerverband Haus & Grund geht demnach von einem Anstieg um zehn bis 15 Prozent gegenüber dem letzten Winter aus. Bereits von Oktober bis Januar sei es etwas kälter als im Vergleichszeitraum der vorherigen Heizperiode gewesen, der ungewöhnlich kalte März habe die Kosten nun weiter nach oben getrieben. Der Bund der Energieverbraucher rechnet dem Bericht zufolge sogar mit bis zu 20 Prozent höheren Heizkosten.

Im März war es dem Deutschen Wetterdienst zufolge 4,1 Grad kälter als im langjährigen Durchschnitt. Die Wetterbeobachter ermittelten daraus insgesamt 614 sogenannte Gradtagszahlen - die Maßeinheit für die Berechnung des Heizenergiebedarfs in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Das ist ein Plus von 51 Prozent gegenüber den 405 Gradtagszahlen im März 2012.

Was das in Euro in der Kasse von Haushalten mit Ölheizung ausmacht, errechnete im Auftrag der "WamS" die gemeinnützige Beratungsgesellschaft CO2online.de: Pro 100 Quadratmeter Wohnfläche dürften demnach für den März im Durchschnitt rund 60 Euro mehr Heizkosten anfallen als im März des vergangenen Jahres.

ds/DPA/AFP / DPA
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