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Tesla-Probleme: Elon Musk an den Grenzen seines goldenen Händchens

Elon Musk macht auf Donald Trump und zieht gegen die "heuchlerische Presse" ins Feld. Die hatte es gewagt, die Arbeit des ehrgeizigen Seriengründers zu kritisieren - Musks 20-jährige Glückssträhne bekommt erste Kratzer.

Elon Musk, Gründer von Tesla

Möglicherweise verheimlicht Elon Musk der Menschheit seine allergrößte Erfindung: Eine Maschine, die den Tag auf 48 Stunden ausdehnt und/oder den Mondzyklus um 28 Tage verlängert. Anders ist sein Leistungsspektrum nicht zu erklären. In weniger als 20 Jahren hat er fünf Kinder gezeugt, dreimal geheiratet, zehn Unternehmen gegründet, übernommen und/oder wieder verkauft, darunter: Paypal, Tesla, SpaceX und Hyperloop. Möglicherweise ist Elon Musk aber auch nur ein Ehrgeizling mit den üblichen 24 Stunden pro Tag, dessen Pensum ihm etwas aufs Gemüt schlägt - weshalb er gerade etwas mimosig auf Kritik reagiert.

Deswegen sei auch Donald Trump gewählt worden

Vor wenigen Tagen fuhr der auch sonst selten stille Musk regelrecht aus der Haut und beschimpfte Presse und Medien als "selbstgefällige Heuchler". Niemand würde mehr der Presse trauen, was auch der Grund sei, warum Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde, pestete er los - und kann sich seitdem kaum noch beruhigen. Seit Tagen schießt er Tweet um Tweet heraus: So kündigte er eine Website zur Bewertung des Wahrheitsgehalts von Artikeln an, die einen "Glaubwürdigkeitswert" für Journalisten liefern solle. "Pravda" könnte die Seite heißen, was auf Russisch "Wahrheit" bedeutet und einst Titel des sowjetischen Parteiblatts war.

Der Grund für Musks Medienschelte dürfte der gleiche sein, wie bei den meisten Schelten dieser Art: schlechte Presse, großes Ego, noch größerer Druck. Konkret geht es um Teslas Model 3, das mit Problemen zu kämpfen hat. Der Wagen für den Massenmarkt wurde laut betrommelt, allerdings ist von ihm nicht viel zu sehen - zumindest nicht die Version für erschwingliche 35.000 Dollar. Zerknirscht hatte Musk jüngst eingeräumt, dass Tesla bei dem Preis und den Produktionsmengen "Geld verlieren und sterben" würde. Zudem hängt die Herstellung um Monate hinterher, und im Test schnitt das Model 3 nicht gerade gut ab. Für den Autobauer, der noch nie Gewinn gemacht hat, sind das keine guten Nachrichten - ganz gleich wer sie letztlich ausspricht, aufschreibt oder versendet.

Die Grenzen seines goldenen Händchens

Bei Musk, dem erfolgsverwöhnten Superunternehmer, klingt das dann so: "Das Problem der Journalisten sei der laufende Druck, Klicks zu maximieren und Werbeerlöse zu verdienen, um nicht gefeuert zu werden. Das sei eine heikle Situation, da Tesla keine Werbung schalte und die Hersteller herkömmlicher Autos zu den größten Anzeigenkunden zählten." Ganz Unrecht hat der 46-Jährige zwar nicht, aber den größeren Druck dürfte wohl er selbst verspüren.

 

Denn mit Tesla stößt er offenbar an die Grenzen seines goldenen Händchens. Der Börsenkurs des Unternehmens steht zwar rosig dar, weil die Anleger Musk zutrauen, mit seinen Elektroautos aus der Luxus-Nische zu kommen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto komplizierter wird der Angriff im Massenmarkt, in dem auch viele etablierte Hersteller günstigere Elektroautos planen. Erschwerend kommt hinzu: Das Zeitfenster für die amerikanische E-Auto-Prämie droht sich für die Basisversion des Model 3 zu schließen. Anders gesagt: Dem 46-Jährigen läuft die Zeit davon. Und das ausgerechnet bei dem Projekt, dessen Gelingen am meisten Prestige verspricht.

Elon Musk, Gründer von Tesla

Elon Musk sieht sich eben nicht nur als schnöden Unternehmer, der möglichst viel Geld verdienen will. Wenn es danach ginge, hätte er sich schon vor 20 Jahren zurückziehen können. 1999 verkaufte er mit seinem Bruder die gemeinsame Softwarefirma für 307 Millionen Dollar an den Computerhersteller Compaq. Vier Jahre später, 2002, ging der von ihm mitentwickelte Bezahldienst PayPal für 1,5 Milliarden an Ebay. Die Hälfte seines Anteils in Höhe von 200 Millionen Dollar stecke er noch im gleichen Jahr in sein Raumfahrtunternehmen SpaceX. "Forbes" schätzt sein Vermögen mittlerweile auf fast zwölf Milliarden Dollar. Geld, mit dem sich die Menschheit wieder ein Stückchen mehr retten lässt. Genau das sei sein Ziel, schrieb das "Handelsblatt" einmal, "der geschäftliche Erfolg von Space X und Tesla sei dabei nur Mittel zum Zweck".

Wichtig: kritikfähig blieben

Über sein Schaffen sagt Musk, er wolle Dienstleistungen und Produkte entwickeln, die für die "Menschen sinnvoll sind". Vermutlich gibt es nur wenige Unternehmer, die zugeben würden, sinnlose Produkte herzustellen, Musk aber wagt sich tatsächlich an die ganz großen Räder. Der Großteil seiner Firmen, die er gegründet hat, befassen sich mit umweltschonendem Transport (Tesla, SpaceX, Hyperloop, The Boring Company) oder mit Themen, die in ein paar Jahren akut werden könnte: Open AI (künstliche Intelligenz) und Neuralink (Vernetzung von Mensch und Maschine). In diesem Zusammenhang sprach er einmal davon, dass man sich als "Visionär" ständig vergewissern müsse, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben und dabei kritikfähig zu bleiben. An letzterem muss der gebürtige Südafrikaner wohl noch etwas arbeiten, wenn er denn mal Zeit hat.

Möglicherweise aber beschäftigt sich Musk schon längst nicht mehr mit solchen profanen Dingen. So hängt er etwa der "Simulationshypothese" an, eine philosophische Theorie, nach der die Menschheit in einer Simulation lebt, ähnlich wie im Film "Matrix". Seine Angestellten wiederum wünschten sich, dass ihr Chef eine Simulation wäre: "Er macht sie nieder, zwingt ihnen aberwitzige Ziele auf und lässt sie bis zur totalen Erschöpfung schuften. Wer Tippfehler in E-Mails macht oder zu lange nichts 'Fantastisches' leistet - der fliegt", hieß es im stern vor einigen Jahren einmal über ihn. Und seine Ex-Frau Justine sagt nur: "Er tut, was er will, und dabei ist er gnadenlos. Es ist Elons Welt."


mit DPA