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Neues EU-Verbot: Wie gefährlich sind Buntstifte und Wasserfarben für Kinder?

Die EU zieht besonders bleihaltige Buntstifte, Fingerfarben und Wasserfarbenkästen aus dem Verkehr. Die "Bild" wittert neuen "Regulierungs-Irrsinn", doch Experten warnen schon seit Langem vor krebserregenden Stoffen in Stiften.

Buntstifte

Bunt und gefährlich? Die EU erlässt strengere Regeln für bleihaltige Buntstifte

Die "Bild" hatte den "neuen Regulierungs-Irrsinn aus Brüssel" mal wieder als erste entdeckt: " verbietet Buntstifte und Wasserfarben" empörte sich das Blatt in seiner Freitagsausgabe. Wie, bitte? Wollen die EU-Beamten unseren Kindern etwa das Malen austreiben? Ganz so schlimm ist es nicht, wie die Europäische Kommission gegenüber dem stern klarstellt.

Richtig ist, dass die EU den zulässigen Grenzwert für Blei in Spielzeugen ab 2018 massiv nach unten setzt. Die Verschärfung basiere "auf den aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die bestätigen, dass Blei gerade für giftiger ist, als man viele Jahre glaubte", so die EU-Kommission. Schon kleinste Mengen seien schädlich für die Entwicklung des kindlichen Gehirns.

20 bis 30 Prozent der Buntstifte betroffen

Der Europäischen Chemikalienagentur zufolge sei der Durchschnittswert von Blei im Blut europäischer Kinder bereits viermal höher als das vorgeschlagene Niveau, erklärt die . Deshalb solle jede weitere Einnahme so weit wie möglich verhindert werden. 

Leere Geschäfte für Malzubehör muss aber niemand fürchten. Der größte Teil der betroffenen Produkte erfülle bereits die notwendigen Grenzwerte für Blei, beruhigt die Kommission. Das hätten umfangreiche Tests in Deutschland und Schweden gezeigt. Als problematisch erwiesen sich lediglich einige Fingerfarben, und Wasserfarbenkästen. 20 bis 30 Prozent dieser Malwerkzeuge genügten nicht den neuen Anforderungen und dürfen folglich künftig nicht mehr verkauft werden.

Öko-Test warnt vor drei Viertel der Buntstifte

Experten warnen schon seit Langem vor Gesundheitsgefahren für Kinder durch Schadstoffen in Buntstiften. Die Zeitschrift "Öko-Test" stellt der Branche in seiner aktuellen Ausgabe ein verheerendes Zeugnis aus. Drei Viertel der getesteten Stifte fallen mit "Ungenügend" durch: "Zum Notenabzug führen vor allem krebserregende und krebsverdächtige Farbbestandteile sowie problematische Weichmacher", schreibe die Tester.

Betroffen sind nicht nur No-Name-Produkte, sondern auch jede Menge Markenware. Auf problematische Inhaltsstoffe stieß das beauftragte Prüflabor unter anderem bei Stiften von Faber-Castell, Lyra, Ökonorm und Stabilo, aber auch bei Müller, Real und Kik. Die Hersteller erklärten die Ergebnisse gegenüber "Öko-Test" für falsch oder legten eigene Untersuchungsergebnisse vor, nach denen alles in Ordnung sei.

Professor Jan Hengstler, Leiter des Forschungsbereichs Toxikologie am Leibnitz-Institut für Arbeitsforschung der TU Dortmund, schätzt die Risiken im Interview mit "Öko-Test" wie folgt ein: "Aromatische Amine in Buntstiften werden keine Folgen größeren Ausmaßes haben. Die Situation ist nicht vergleichbar mit Katastrophen, welche durch andere krebserzeugende Substanzen verursacht wurden, etwa Asbest im Häuserbau. Dafür ist die Menge der karzinogenen Stoffe in Buntstiften zu gering. Trotzdem ist es eine unnötige Belastung mit krebserzeugenden Stoffen in Gebrauchsprodukten, die sich vermeiden lässt."