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Fragen und Antworten: Elbvertiefung soll Hamburger Hafen wieder nach vorn bringen

Mit einem Startsignal von Bundesverkehrsminister Scheuer (CSU) beginnen offiziell die Baggerarbeiten für die Elbvertiefung. Die Hafenwirtschaft hofft nach Jahren der Stagnation auf neuen Schwung.

Elbvertiefung

Schafe grasen auf dem Elbdeich, während ein großes Containerschiff auf der Elbe vorbeizieht. Foto: Marcus Brandt

Nach vielen Jahren der Planung, juristischen Auseinandersetzung und Neuplanung beginnt nun die Elbvertiefung. Der Hamburger Hafen will damit wieder an seine erfolgreiche Vergangenheit anknüpfen.

Warum braucht der Hamburger Hafen eine Elbvertiefung?

Die achte Elbvertiefung war im Jahr 2000 kaum fertig, als bei der Hafenwirtschaft schon der Ruf nach einer erneuten Vertiefung der Fahrrinne laut wurde. Die Containerschiffe, wichtigstes Geschäftsfeld des Hamburger Universalhafens, wurden immer größer. Um das Jahr 2000 herum war ein großes Containerschiff 350 Meter lang, 46 Meter breit und konnte 9000 Standardcontainer (TEU) transportieren. Heute hingegen misst ein großer Containerfrachter 400 Meter in der Länge, 60 Meter in der Breite und trägt 22.000 TEU. Diese Schiffe laufen den Hamburger Hafen zwar immer häufiger an, können aber nur eine geringere Ladungsmenge aufnehmen. Deshalb soll die Fahrrinne tiefer und breiter werden.

Wie hat sich der Hamburger Hafen in den vergangenen Jahren entwickelt?

Nach der letzten Elbvertiefung ging es noch ein paar Jahre munter bergauf mit dem Hafen, ehe dann in den Jahren 2007/08 die Finanz- und auch Handelskrise einsetzte. Davon hat sich der Hamburger Hafen bis heute nicht richtig erholt. Lag die Umschlagleistung damals ganz knapp unter zehn Millionen TEU im Jahr, so fiel sie 2009 kurz auf sieben Millionen TEU und stabilisierte sich in den vergangenen Jahren unterhalb von neun Millionen TEU. Gleichzeitig gewannen die Konkurrenzhäfen Rotterdam und Antwerpen Marktanteile dazu und hängten Hamburg deutlich ab.

Auf der Liste der weltgrößten Häfen rangiert Hamburg nur noch auf Platz 19. Das erste Quartal dieses Jahres brachte mit einem Plus von 6,4 Prozent im Containerumschlag den ersten nennenswerten Zuwachs seit Jahren. Der war im wesentlichen der Reederei Hapag-Lloyd zu verdanken, die vier Atlantik-Liniendienste nach Hamburg verlegte.

Was geschieht bei der Elbvertiefung?

Es ist ein gewaltiges wasserbauliches Vorhaben; nach Angaben der Umweltverbände die größte Flussvertiefung der Geschichte. Bis zu 40 Millionen Kubikmeter Baggergut werden dabei bewegt. Die Elbe wird so tief, dass Schiffe unabhängig von der Tide bis 13,50 Meter Tiefgang den Hamburger Hafen ansteuern können; auf der Flutwelle bis 14,50 Meter. Für die Riesenfrachter von heute reicht das eigentlich immer noch nicht, sie erreichen voll beladen einen Tiefgang von 15,50 Metern. Doch sind die Schiffe in Hamburg ohnehin nicht voll beladen; sie haben auf ihrer Reise schon einige Stopps in anderen europäischen Häfen hinter sich und vor sich.

Durch die Verbreiterung der Fahrrinne und dem Bau einer Begegnungsbox werden zudem ein- und auslaufende Schiffe aneinander vorbeifahren können, was bislang ab einer gewissen Größe nicht möglich war. Dadurch wird aus einer Einbahnstraße ein Schifffahrtsweg, der in beiden Richtungen befahren werden kann und die Kapazität verdoppelt sich. Beide Maßnahmen zusammen bringen drei Millionen TEU, die zusätzlich nach Hamburg kommen können, ohne dass die Reeder weitere Schiffe einsetzen müssen.

Ist das schon alles?

Begleitet wird die Elbvertiefung von einer Reihe Nebenmaßnahmen. Seit Beginn des Jahres werden schon große Ablagerungsflächen für das Baggergut im Strombett geschaffen. Dazu kommen umfangreiche ökologische Ausgleichsmaßnahmen, zum Teil in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Außerdem muss die Technik entlang des Stroms zum Teil angepasst und erneuert werden, es werden neue Leuchtfeuer gesetzt. Die Kosten für das Gesamtvorhaben sind noch nicht endgültig klar; die aktuellsten Zahlen belaufen sich auf rund 776 Millionen Euro, von denen der Bund 490 Millionen Euro tragen soll, der Rest Hamburg.

Sind nach den jahrelangen Auseinandersetzungen nun alle zufrieden?

Keineswegs: Die Natur- und Umweltverbände halten das Vorhaben trotz aller Nachbesserungen für überflüssig und eine Umweltkatastrophe. Es laufen auch noch Klagen. Die Verbände befürchten den Verlust wertvollen Naturraums und seltener Tier- und Pflanzenarten. Sie haben sich dafür stark gemacht, in einer norddeutschen Kooperation mehr Schiffsverkehr über den Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven zu leiten.

dpa