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Streit auf Facebook: "Nicht zurechnungsfähig": DHDL-Gründer liefert sich Schlammschlacht mit Frank Thelen

Frank Thelen hat in der Start-up-Show "Die Höhle der Löwen" in den Herrenausstatter "Von Floerke" investiert. Inzwischen liefern sich der Gründer und Thelen öffentlich eine Schlammschlacht. Was ist passiert?

Der Von-Floerke-Gründer David Schirrmacher (re.) und Investor Frank Thelen liefern sich eine öffentliche Schlammschlacht.

Der Von-Floerke-Gründer David Schirrmacher (re.) und Investor Frank Thelen liefern sich eine öffentliche Schlammschlacht.

Picture Alliance / Hersteller

Der Auftritt in der Vox-Show "Die Höhle der Löwen" hatte sich 2015 für David Schirrmacher durchaus gelohnt. Mit Vural Öger (inzwischen nicht mehr in der Sendung dabei), Judith Williams und Frank Thelen konnte der Gründer gleich drei Investoren für seine Herrenausstatter-Firma "Von Floerke" gewinnen. Und obwohl ein Jahr später nur noch Thelen an Bord war, entwickelte sich das Geschäft prima. Die schrillen Krawatten, bunten Einstecktücher und Herrenschuhe wurden nicht nur online, sondern auch Geschäften wie Galeria Kaufhof oder SinnLeffers verkauft.

Doch die Zeiten sind vorbei. Wie das "Handelsblatt" berichtet, sei der Onlinehandel nur schleppend vorangekommen. Und das stationäre Geschäft in Läden sei dem Gründer zu risikobelastet gewesen. Also kam Schirrmacher auf eine ganz andere Idee: Er nahm Schnaps und Delikatessen in den Onlineshop auf. Doch die Umsetzung war wohl wenig durchdacht, denn die Bestellungen, die eingingen, wurden nur schleppend abgearbeitet. In den sozialen Netzwerken machten die Kunden sich Luft. 

Von Floerke und die Staatsanwaltschaft

Doch dieser Shitstorm hatte Konsequenzen, denn auch die Staatsanwaltschaft interessierte sich für den Vorgang. Betrugsverdacht und Insolvenzverschleppung wird dem Gründer vorgeworfen. 

Ein Blick auf den Facebook-Account von "Von Floerke" zeigt: In die Defensive geht das Unternehmen sicherlich nicht. Dort pöbelt Schirrmacher allabendlich über seine Investoren und kommentiert die Krise, in die sein Unternehmen geschlittert ist. Mit einer Petition (die Teil eines laufenden Rechtsstreits ist) will Schirrmacher Thelen dazu bewegen, dass der seine Anteile abgibt. Und in seinem Shop verkauft er die "Frank Thelen muss raus"-Box. Gegen die geht Thelen nun juristisch vor. Es scheint, als ob der Investor, der lange den eigenwilligen Gründer verteidigt hat, nun endgültig genug hat. "Es ist eigentlich nicht unser Stil mit Anwälten gegen Gründer vorzugehen", sagte Frank Thelen zur Wirtschaftswoche. "In dem Fall blieb uns aber keine Wahl, zu viele Grenzen sind überschritten worden.“ Konkret bedeutet das: Schirrmacher soll eine Unterlassungserklärung abgeben und die Boxen nicht mehr verkaufen. Doch laut "Gründerszene" denke Schirrmacher gar nicht daran.

Pöbeln gegen Frank Thelen

Statt dessen gibt es täglich neue Videos und Beiträge auf Facebook. In einem der neuesten Videos sieht man ihn, offenbar nicht mehr ganz nüchtern, eine Frank-Thelen-Gesichtsmaske tragend. Er hält eine Whiskyflasche in die Kamera und kichert pausenlos. Dann brüllt Schirrmacher: "Frank ist raus", während er sich die Maske vom Kopf reißt, sie zerknüllt und hinter sich wirft. Diese Nachricht verknüpft der Gründer dann gleich mit einer Rabattaktion in seinem Shop, wer den Code "Frankistraus42" eingibt, bekommt ab einem Warenwert von 100 Euro 42 Euro Rabatt. 

In dem einstündigen Video liest er Kommentare von Usern vor und dängelt in Echtzeit Rabattcodes für allerlei Krempel aus dem Shop zusammen. Alles irre? Nicht ganz, rund zehn Minuten vor dem Ende des Videos wird Schirrmacher konkret. Frank Thelen habe über seine Anwälte verlauten lassen, dass er seine Anteile an der Firma für 0 Euro übergibt, auf alle Darlehen verzichtet. "Und ich werde mir jetzt überlegen, was ich mit diesem Angebot mache", sagt Schirrmacher. Und setzt wenig später hinzu: "Ich will Franks Anteile vernichten." Dass Thelen seine Anteile an einen anderen Investor weitergibt, kommt für Schirrmacher nicht in Frage.

Eine Einigung mit Schirrmacher ist für Frank Thelen wohl kaum noch denkbar. "Schirrmacher ist aus meiner Sicht nicht mehr zurechnungsfähig, das Ganze trägt Züge eines Realitätsverlustes", sagte er der "Wirtschaftswoche". Dass er von dem Investment noch Geld wiedersieht, hat sich Thelen eh abgeschminkt. Schon im Februar sagte er dem Bonner "General-Anzeiger", dass er das Investment bereits abgeschrieben habe. "Meine Investment-Gesellschaft hat unsere Beteiligung intern bereits mit null Euro gebucht", so Thelen. Insgesamt hat er mit Kapital und Darlehen rund 180.000 Euro verbrannt.

Carsten Maschmeyer in der "Höhle der Löwen"

Beleidigungen als PR-Strategie?

Versetzt Schirrmacher mit diesen Aktionen seinem Unternehmen den Todesstoß? Nein, ganz im Gegenteil, lässt er die "Wirtschaftswoche" wissen. Die Facebook-Pöbelei, die Beleidigungen, die Unterlassungserklärung - all das sei Teil seines PR-Coups. Mit handfestem Guerilla-Marketing auch abseits der feinen, englischen Art will Schirrmacher offenbar seine Firma retten - und die Verkäufe ankurbeln Viel Zeit bleibt ihm dafür nicht. Die Ladengeschäfte in Köln, Düsseldorf und Münster seien schon geschlossen, inzwischen gilt das auch für die Firmenzentrale in Bonn. Fast alle Mitarbeiter haben die  Firma verlassen. "Trotz unserer aggressiven Strategie erhalten wir enorm viel Rückhalt in den sozialen Medien und Solidarität aus der "Gründerszene“, sagt der 26-Jährige zur "Wirtschaftswoche". Bis Ende März muss nun eine Lösung mit den Altgläubigern gefunden werden, sonst sei eine Insolvenz doch noch möglich, so Schirrmacher. 

Die Höhle der Löwen "Luicella's"
kg