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Geld im Alter Seit einem Jahr gibt es die Grundrente – für wen sie sich lohnt und wie hoch sie ausfällt

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Wer die Grundrente erhält und wie hoch sie ausfällt.
© PIKSEL / Getty Images
Seit dem 1. Januar 2021 ist die neue Grundrente da und soll vor allem diejenigen unterstützen, die zwar viel gearbeitet, aber wenig verdient haben. Doch wer bekommt überhaupt Grundrente? Und lohnt sich das?

Sie sitzen an der Kasse oder räumen die Regale im Supermarkt ein. Sie pflegen ältere oder kranke Menschen, sie kümmern sich um Kinder, putzen Büros und Wohnungen oder helfen auf dem Bau: Die Reihe der Menschen, die zwar viel arbeiten, aber wenig verdienen, ist lang. Und wer im Berufsleben wenig verdient, bekommt auch eine schmale Rente. So schmal, dass sie mitunter nicht reicht. 

Um diese Ungerechtigkeit zu mildern, gibt es seit dem 1. Januar 2021 die Grundrente. Laut der Bundesregierung hatten zum Start rund 1,3 Millionen Rentnerinnen und Rentner Anspruch. 

Die erste Voraussetzung ist: Sie müssen 35 Jahre eingezahlt haben. Angerechnet werden Pflichtbeiträge aus Berufstätigkeit oder Selbstständigkeit. Mitgezählt werden auch die Zeiten der Pflege von Angehörigen oder Kindererziehung, wenn vom Staat die Pflichtbeiträge entrichtet wurden. Ebenfalls angerechnet werden Zeiten von Krankheit oder Reha. Darüber hinaus gibt es einen zeitlichen Korridor: Wer mindestens 33 Jahre, aber eben nicht 35 Jahre eingezahlt hat, bekommt eine geringe Aufstockung. Diese steigt mit jedem Monat, bis mit 35 Jahren die volle Grund­rente erreicht ist.

Höhe des Einkommens entscheidend 

Bei der Höhe des Einkommens hat der Gesetzgeber Grenzen gesetzt – sowohl nach oben wie nach unten. So muss sich das Gesamteinkommen auf höchstens 80 Prozent des Durchschnitts bewegen, um Grundrentenanspruch geltend zu machen. Derzeit liegt dieses Durchschnittseinkommen zwischen 1013 Euro und 2703 Euro brutto monatlich. Wer deutlich weniger verdient hat, ist auch ausgeschlossen. Denn um die Ansprüche von so genannten Mini-Jobbern auszuschließen, greift auch eine Untergrenze. Und die verläuft bei 30 Prozent des Durchschnittseinkommens. Das liegt derzeit bei 1039 Euro brutto im Monat. Nur die Jahre zählen also für die Grundrente, in denen das Einkommen in dieser Spanne lag. 

Ein Beispiel: Wer in seinem Leben 45 Jahre gearbeitet hat, aber 15 Jahre davon über der Grenze lag, kann nur 30 Jahre für die Grundrente einbringen. Deren Höhe wird anhand von Entgeltpunkten berechnet, ein System, das auch bei der normalen Rente greift. Der Korridor der Entgeltpunkte beläuft sich zwischen 0,025 Prozent und 0,8 Prozent des durchschnittlichen Lohns. Da Löhne steigen, liegen die Grenzwerte für frühere Jahre niedriger.  

So wird die Grundrente gezahlt

Die gute Nachricht: Wer für die Grundrente in Frage kommt, wird angeschrieben – selbst aktiv werden muss man nicht. Die schlechte Nachricht: Viel erwarten sollten Sie nicht. Denn die komplizierte Rechnerei mit den Entgeltpunkten und Anrechnungszeiträumen macht in Euro ausgedrückt selten große Summen aus. Laut der "Stiftung Warentest" sind es durchschnittlich rund 75 Euro, die Rentner mehr bekommen. Aber: Bis zu 420 Euro im Monat sind in den härtesten Fällen möglich.

Wichtig zu wissen: Wer neben der Rente noch weitere Einkünfte hat – durch einen Job oder Mieteinkünfte – geht unter Umständen leer aus. Der Freibetrag liegt für Singles bei 1250 Euro und für Paare bei 1950 Euro im Monat: Nur bis zu diesem Betrag steht Ihnen die volle Grundrente zu. Allerdings gibt es keine Vermögensprüfung. Wer also eine Immobilie oder Grund und Boden besitzt oder Gold im Tresor hortet, muss sich keine Sorgen machen – die Grundrente wird dennoch gezahlt. 

Für Verwirrung wird der Zeitraum sorgen, mit dem das Finanzamt rechnet. Denn der Bezugszeitraum ist immer das Vorvorjahr, also für 2021 eben 2019. Für Neurentner, die 2021 oder 2022 in Rente gehen und in den Jahren zuvor noch ordentlich verdient haben (oder Einkünfte durch Vermietung oder durch Aktiengewinne haben), heißt das: Zwei Jahre lang sind sie raus und haben keinen Anspruch auf Grundrente.

Konkrete Beispiele für die Grundrente

Die "Deutsche Rentenverversicherung" gibt einige Beispiele, um die Prozedur zu verdeutlichen:

Frau Müller lebt in Westdeutschland, hat 40 Jahre gearbeitet und rund 50 Prozent des Durchschnittslohns verdient, der im Jahr 2020 bei 40.551 Euro liegt. Hieraus ergibt sich eine eigene Rente in Höhe von 661 Euro (40 Jahre x 0,5 Entgeltpunkte x 33,05 Euro). Nun kommt der kleinteilige Rechenprozess:

Die durchschnittlichen Entgeltpunkte werden verdoppelt und auf maximal 0,8 Entgeltpunkte begrenzt. Es ergibt sich ein Zuschlag von 0,3 Entgeltpunkten, welcher um 12,5 Prozent gekürzt wird (= 0,2625 Entgeltpunkte). Dieser Zuschlag von 0,2625 Entgeltpunkten wird für höchstens 35 Jahre berechnet. Der Zuschlag für die Grundrente beträgt somit rund 304 Euro (0,2625 Entgeltpunkte x 35 Jahre x 33,05 Euro)."

Würde Frau Müller als Rentnerin noch nebenbei arbeiten, würde das so aussehen: Mit ihrem Nebenjob und der Rente hat sie ein monatliches Einkommen von 1450 Euro. Das Einkommen bis 1.250 Euro wird nicht angerechnet, das ist die Freibetragsgrenze. Von dem darüber liegenden Einkommen werden 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet. Es liegen 200 Euro oberhalb der Einkommensgrenze, davon 60 Prozent betragen 120 Euro. Der Zuschlag für die Grundrente von 304 Euro wird um 120 Euro gekürzt. Die Grundrente beträgt somit rund 184 Euro.

Noch prüft die Rentenversicherung Ansprüche der Seniorinnen. Das soll auch noch bis Ende 2022 so weitergehen. Die Auszahlung findet dann rückwirkend statt. 


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