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Interview

Schauspieler und Umweltaktivist: Hannes Jaenicke: "Ein Herr Scheuer tanzt wie eine Marionette nach der Pfeife der Auto-Lobby"

Der Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke geht in Sachen Umwelt mit der deutschen Politik hart ins Gericht. Wie könne es sein, dass Ruanda, Kenia oder Samoa Plastiktüten verbieten, fragt er. Aber Deutschland schaffe das nicht? Jaenicke hat eine Erklärung.

Der Schauspieler Hannes Jaenicke blcikt ernst in die Kamera

Hannes Jaenicke: "Ich frage auch unsere Umweltministerin Svenja Schulze immer wieder: Wo bleibt die Plastiksteuer?"

Getty Images

Herr Jaenicke, auf den Philippinen wurde kürzlich ein verendeter Wal angespült. Forscher fanden über 40 Kilo Plastik in seinem Magen, vor allem Plastiktüten. Was denken Sie, wenn Sie solche Aufnahmen sehen?

Das ist nur einer von vielen dieser traurigen Fälle, ähnlich wie die Schildkröte mit dem Plastik-Strohhalm in der Nase, der herausoperiert werden musste. Ich glaube, dass diese Bilder bei den Leuten etwas auslösen. Und so schlimm es  klingen mag, die Plastik- und Vermüllungsdiskussion voran bringen.

Solche Bilder sehen wir leider viel zu oft. Wirken die überhaupt noch?

Definitiv, auf Verbraucherseite bewegt sich neuerdings viel. Ganz anders als in der Politik und Industrie. Die Strohhalmdiskussion hat Wirkung gezeigt.

Wie denn?

Die Schildkröte mit dem Strohhalm ist der Grund, warum in Kalifornien Plastik-Halme jetzt verboten werden. Ein Veterinär-Mediziner hatte mitgefilmt, wie er der Schildkröte den Strohhalm herausoperiert. Das hat gewirkt. Selbst mir ist es schwer gefallen,  das anzugucken.

Wie ist Ihre Erfahrung, wie reagieren in Deutschland auf solche Schock-Bilder?

Für meine allererste Doku fürs ZDF haben wir ein Orang-Utan Weibchen gefilmt, dass rasiert in einem Holzfäller-Puff angeboten wurde. Unsere Redakteurinnen meinten: "Seid ihr wahnsinnig, so was könnt ihr nicht zeigen." Ich habe mich gewehrt. Für mich war es das perfekte Symbol für alles, was die Menschheit der Natur antut. Dann ging eine wilde Diskussion los. 

Wer hat sich durchgesetzt?

Ich fühlte mich zensiert, Zicke, die ich bin. Ich ging bis zum damaligen Programmdirektor, und der entschied, dass wir es rein schneiden durften. Nicht als Großaufnahme, aber es war drin.

Und die Zuschauer?

Die Quote lief bombig, es kommt die Szene mit dem Puffweibchen und bumm, geht die Kurve nach unten. Die Redakteurinnen hatten recht. Seitdem sind wir mit solchen Bildern vorsichtig geworden. Man muss sie maßvoll einsetzen, aber wir brauchen sie.

Zappen die Leute aus Ohnmacht weg, weil sie denken: Ich kann ja eh nichts machen?

Das mag für die bequeme Masse gelten. Aber es gibt reichlich Gegenbeispiele.

Welche denn?

Das Volksbegehren für Artenvielfalt in Bayern. Die Leute lassen sich mobilisieren. Selbst eine Frau Merkel, die jedes Klimaziel krachend und wissentlich verfehlt, sagt: Ich finde das toll, dass die Schüler jetzt gegen den Klimawandel demonstrieren. Ich frage auch unsere Umweltministerin Svenja Schulze immer wieder: Wo bleibt die Plastiksteuer?

Was antwortet Sie?

Sie würde gerne. Aber sie hat einen Kollegen Scheuer in der Regierung, einen Kollegen Altmaier, eine Frau Klöckner, wie soll sie da bitte gute Umweltpolitik machen?

Warum kann sie sich nicht durchsetzen?

Wir haben ein massives Lobby-Problem. Da gibt es Nestle, Procter & Gamble, Unilever, Henkel, Coca Cola, die großen Discounter - die sagen, wir machen doch schon freiwillig was. Und wir haben viel zu wenig Politiker mit 'Cojones' in der Hose. Wie kann es sein, dass Ruanda es schon 2008 geschafft hat, Plastiktüten zu verbieten? Kenia schafft das, Samoa schafft das. Sogar US-Bundesstaaten schaffen das. Wir nicht.

Der Schauspieler Hannes Jaenicke gibt ein Interview

Hannes Jaenicke  findet, die Verbraucher bewegen sich in Sachen Umweltschutz zuweilen schneller als die Politiker in Deutschland

Picture Alliance

Woran scheitern wir?

Wir haben eine Riege von Minister-Attrappen. Die leisten einen Eid, dass sie zum Wohle des Volkes arbeiten. Ein Herr Scheuer steht dann da, hebt die Hand und sagt: Ich wende Schaden ab vom deutschen Volk, und tanzt dann trotz Dieselskandal wie eine Marionette nach der Pfeife der Auto-Lobby. Frau Klöckner tut dasselbe - und winkt jedes Pestizid durch, was auf dem Markt zu haben ist. Da kann man eigentlich nur verzweifeln.

Politiker reagieren doch nur auf das was sie aus Umfragen hören.

Ist das so?

Die wollen doch wieder gewählt werden.

Nein, im Aufsichtsrat eines Dax-Konzerns landen.

Das ist hart. Es gibt viele, die in keinem Aufsichtsrat sitzen und auch nach Ende ihrer Amtszeit nicht dort landen. Mal Gerhard Schröder und ein paar andere ausgenommen.

Also, Sigmar Gabriel soll in den Verwaltungsrat von Siemens Alstom. Hannelore Kraft ist im Aufsichtsrat der Ruhrkohle AG. Ronald Pofalla ist Vorstand bei der Bahn. Matthias Wissmann war oberster Auto-Lobbyist. Roland Koch wechselte zu einem multinationalen Bau-Konzern, Edmund Stoiber sitzt im Aufsichtsrat von Pro7Sat1. Bei Joschka Fischer hab ich den Überblick verloren, in so vielen Aufsichtsräten tummelt er sich.  

Ich befürchte, meine Liste ist länger als ihre. Politiker wissen, dass die Laufzeit in ihren Positionen begrenzt ist. Und was machst Du dann? Du gehst in die Industrie. Endlich mal Geld verdienen!

Bei Angela Merkel können wir sehr sicher sein, dass sie das nicht tun wird. Trotzdem gibt es das von Ihnen geforderte Verbot von Plastiktüten nicht. Warum?

Vermutlich liegt es an den Prioritäten. Vielleicht ist es  auch ein fatales Desinteresse an Umwelt-Themen. Wer interessiert sich denn für Klimawandel, Artensterben, Plastikvermüllung? Herr Altmaier? Wohl kaum, obwohl auch er einmal Umweltminister war. Frau Klöckner? Als Vertreterin der Agrar-Lobby verbietet sie weder Glyphosat noch die Kastration von Ferkeln ohne Narkose. Alle diese Minister gucken dem steigenden CO2-Ausstoß, dem Insekten- und allgemeinen Artensterben tatenlos zu. Die Umwelt scheint ihnen schlicht und einfach scheißegal zu sein.

Das ist ein sehr pauschaler Vorwurf. Klöckner zum Beispiel will mehr Blühstreifen und mehr Biobauern. Zählt das nicht?

Frau Klöckner und ihre Kollegen reden immer von der fernen Zukunft. 2030, 2040, 2050 werden wir dann alles richtig machen. Gerade geht wieder durch die Medien, dass sich das Insekten- und Vogelsterben bei uns weiter beschleunigt. Und was machen Industrie und Politik, außer Greenwash und Symbol-Politik?  Nichts. Null. Niente.  

Was ist das Problem damit?

Warum bitte warten? Warum stellt ein Unternehmen wie Frosch schon jetzt seine Flaschen aus Recyclat her? Warum machen Nestle, Henkel, Procter&Gamble das nicht auch, und zwar jetzt? Die Technologie ist längst da. Warum zwingt man die VerpackungsiIndustrie nicht, endlich im Kreislauf zu wirtschaften? Frau Klöckner sagt auch, irgendwann schaffen wir die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung ab. Aber wann?

Anfang 2021...

Hätte sie längst machen können. Es gibt ja sogar ein Gesetz dazu. Aber es wird nicht umgesetzt. Politiker sagen am liebsten das, was wir hören wollen. Sie tun nichts,  beschweren sich aber, die Schüler sollen nicht zu Klima-Demo, sondern brav zur Schule gehen.

Sie schieben alles auf die Politik. Was ist denn mit den Verbrauchern?

Ich gehöre zu den Deppen, die noch regelmäßig auf die Straße gehen. Selbst fürs Tierverbot im Zirkus - mit 400 einsamen Hanseln. Ich sehe aber auch viele Dinge, die sich verändern. Ich sehe immer mehr Metallwasserflaschen und Metall-Tassen. Da passiert was. Mehr als in Politik und Industrie.

Die Entscheidung fällt an der Ladenkasse. Leute gehen in den Supermarkt und packen die Wagen mit Plastikflaschen voll.

Warum? Weil es nicht besteuert wird. Wir bezahlen Steuern auf Benzin, auf Diesel, auf Heizöl, aber nicht auf ein anderes Rohölprodukt namens Plastik. Warum?

Was ist Ihr Verdacht?

Warum darf ein Fruchtsafthersteller mit einem riesigen Sticker werben "Pfandfrei"? Auf einer PET-Flasche. Das ist das Versagen der Politik. Würde man Einwegplastik intelligent besteuern und bepfanden, wäre das ganze Plastikmüll-Problem gelöst. Wenn Leute einen Euro Pfand für einen To-Go-Becher bezahlen müssten, schmeißen sie ihn nie im Leben einfach weg. Sie bringen ihn zurück.

Alle kennen doch das Problem. Warum braucht es Zwang, damit sie das Richtige tun?

Zehn Prozent der Deutschen haben inzwischen einen Soda-Sprudler zu Hause, egal von welcher Marke. Das sind pro Durchschnitts-Haushalt 2000 bis 2500 Plastik-Flaschen pro Jahr, die eingespart werden. Das ist doch eine ganz gute Zahl. Die Verbraucher bewegen sich. Sogar erheblich.

Das reicht bei weitem noch nicht.

Richtig, weil dem gegenüber steht, dass sich noch immer 22 Prozent neue Autokäufer einen SUV anschaffen. Da fehlt offensichtlich ein gewisses Bewusstsein oder Interesse. Das macht mich echt ratlos.

Was sind Ihre konkreten Forderungen bei Plastik?

Ein Stoffbeutel tut es. Den kannst du 5000 Mal benutzen. Mein Steuerberater hat mir 2001 meine Unterlagen in zwei Stoffbeuteln zurückgegeben. Mit denen laufe ich heute, 18 Jahre später, immer noch rum.

Und was noch?

Eigene Becher. Ich habe immer meine eigene Tasse im Rucksack. Seit 20 Jahren. Die hat viele Dellen. Auch Verpackungsplastik kannst du meiden. In München gibt es drei Unverpackt-Läden. In Berlin sind es mittlerweile mehr. Rewe, Lidl und Co bewegen sich mittlerweile auch. Ich verstehe nicht, warum die Regierung nichts unternimmt, sondern hauptsächlich Kosmetik und Augenwischerei betreibt.

Der Plastikmüll der Deutschen wird jetzt nicht mehr nach China verschifft wird. Die wollen ihn nicht mehr. Der landet nun in Afrika.

50 Prozent des Mülls geht in die Verbrennungsanlage. Das nennt sich 'thermische Verwertung'. Ein Lieblingswort der Plastiklobby. Wirklich recycelt werden nur etwa neun Prozent. Also so, dass wir einen echten Kreislauf haben. Wir haben es beim Glas geschafft, beim Papier. Warum machen wir es nicht beim Plastik? Wegen Nestle? Wegen Coca-Cola? Das sind offensichtlich übermächtige Konzerne. Wir leben in einer perfekt funktionierenden Lobbykratie.

Auch wenn wir uns wiederholen: Wie blöd sind wir, dass wir denen immer noch ihr Plastik abkaufen?

Ich habe den Verdacht, dass die stern-Leser genau die sind, die eine Metallflasche in der Tasche haben.

Aber das ist leider immer noch eine Minderheit.

Ich weiß nicht, wie man Leute dazu bringt, umweltbewusster zu leben. Das ist eine Herausforderung für Filmemacher, Journalisten, Medienmacher. In Deutschland geht es am Ende leider oft nur darum, ob etwas satt macht und billig ist. Wir sind ein Land, in dem nur elf Prozent des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben werden. Italiener und  Franzosen geben 23 Prozent aus. Wir haben lieber ein teures Handy, ein teures Auto, einen teuren Fernseher. Mit dem wir dann Dieter Bohlen und Dschungelcamp gucken können. Es muss ein riesiger Schirm sein, damit wir uns diese Grütze reinziehen können. Das ist eine Frage der Prioritäten.

Wie wichtig ist Erziehung?

Ich frage mich schon lange, warum  Nachhaltigkeit nicht ab der ersten Klasse als Pflichtfach unterrichtet wird. Das wäre doch mal was. Warum bringt man uns statt dem Humbug, den ich in der Schule lernen musste, nicht ab dem sechsten Lebensjahr Nachhaltigkeit bei?

Man könnte auch den Eltern sagen, macht ihr das. Erzieht eure Kinder. Schiebt nicht alles auf die Schulen und die Lehrer.

Richtig. Kein Einspruch.

Ist es wie das Wegzappen bei den Orang-Utans?

Kann sein. Andererseits wählen sie jetzt in Hessen, wo ich geboren bin, mehr grün als rot. Im pech-kohlrabenschwarzen Bayern, wo ich jetzt lebe, wählen sie zu über 17 Prozent grün.

Aber es reicht eben nicht, um die großen Veränderungen anzuschieben.

Stimmt, vor allem wenn dann die Freien Wähler an die Regierung kommen. Die Bauern-Lobby, mit anderen Worten. Es ist aber immerhin eine Aufwärtskurve. Ich versuchte, optimistisch zu bleiben.

Was treibt Sie an?

Ich erzähle ein Beispiel. Ich segle jedes Jahr mit Kollegen eine Charity-Regatta zum Thema Meeresschutz, die ARD berichtet davon. Letzten Sommer waren wir in Kroatien, das Rennen ging von Insel zu Insel, viele davon unbewohnt. Da sind keine Touristen, da wird nicht geräumt. Das ist nicht irgendwo in Asien oder Afrika, das ist mitten in Europa. Und überall an den Stränden dieser kleinen Inseln türmen sich meterhohe Plastikwälle. Wir haben es nicht geschafft, 200 Meter Strand mit sechs Leuten zu säubern. Weil unsere 56 Fuß-Yacht bis zum Dach voll war mit Plastikmüll. (Zeigt Fotos).

Was erwarten Sie von den großen Unternehmen, die Sie so scharf kritisieren?

Man muss sie zur Steuerkasse bitten. Müssten die auf ihren Einweg-Verpackungsmüll Steuern zahlen, würden sie das sofort ändern. Die müssen ja alle drei Monate vor ihre Aktionäre treten und Rechenschaft ablegen. Und wenn die Rendite nicht steigt, werden die Anleger sauer.

Wir haben FCKW und verbleites Benzin verboten. Wir haben es geschafft, dass in Kneipen nicht mehr geraucht wird. Warum tun wir uns hier so schwer?

Ich bin Gelegenheits-Raucher. Warum drucken wir nicht auf Plastikverpackungen Bilder von Delfinen, die an Plastikmüll ersticken? Bei Zigaretten drucken wir den Lungenkrebs doch auch fett drauf, das ist ja auch in Ordnung.

Nestle zum Beispiel sagt stolz: Wir arbeiten mit der Umweltorganisation WWF zusammen.

Der WWF ist aufgrund seiner Statuten leider eine käufliche NGO, aber weiter.

Wie kommen Sie zu diesem Urteil?

Weil sie Industriegeld nehmen dürfen. Exxon Mobile (Esso) war jahrelang Groß-Spender beim WWF. Danone hat mit dem WWF kooperiert, ebenso Palmöl-Unternehmen und chilenische Lachsfarm-Betreiber. Juan Carlos von Spanien, leidenschaftlicher Elefanten-Jäger, war Ehrenpräsident beim WWF.  

Nestle sagt aber auch: Wir haben Fehler gemacht. Wir werden das korrigieren. Und wir sehen, was junge Konsumenten von uns wollen: Nachhaltigkeit. Wer das nicht macht, ist bald raus.

Labern kann man viel. Aber die Taten zählen. Nestle macht quasi täglich neue Nespresso-Shops auf.

Also, liegt es am Ende doch in der Hand der Verbraucher?

Mein Geldbeutel ist die mächtigste Waffe, die ich habe. Ich muss ja keine Nespresso-Kapseln oder Vittel-Flaschen kaufen. Hirn einschalten, wenn du den Geldbeutel zückst. Dann kannst du den Markt vor dir her treiben.

Können wir von den Jüngeren lernen?

Die versauteste Generation laut einer Bertelsmann-Studie ist die der 18- bis 30-Jährigen. Die produzieren am meisten Müll. Ich hoffe, dass die Demonstranten von Fridays for Future es besser machen, dass sie sich nicht so von der Werbeindustrie vereinnahmen lassen.

Sie machen Aktionen gemeinsam mit der Firma Sodastream. Zum Beispiel im vergangenen Jahr die Demo "Goodbye Plastic" vor dem Reichstag. Wie unabhängig sind Sie?

So eine Aktion kann ich nicht alleine stemmen, weder organisatorisch noch finanziell. Ich bin 2009 bei unserer Hai-Doku auf das Thema gestoßen. Ich wusste bis dahin nichts. Ich hatte noch nie gehört vom North-Pacific Garbage Patch, dieser gigantischen Plastik-Insel, die im Pazifik treibt. Seitdem beschäftigt mich das Thema. Sodastream ist einfach ein großartiger Partner, um Anti-Plastik-Kampagnen zu organisieren.

Aber die verkaufen doch auch Sprudelwasserautomaten mit Plastikflaschen. Warum sind die jetzt besser?

Sie bieten Glaskaraffen an, und für unterwegs Hartplastik-Flaschen. Die sind ewig nutzbar.

Aber es ist auch ein Partner, mit eindeutig finanziellen Interessen.

Richtig. Aber die hat jedes Unternehmen. Und wenn es um die Vermeidung von Plastikmüll geht, macht ein Sprudler nicht nur Sinn, sondern spart auch noch Geld.

Sie legen Ihre Hand ins Feuer wenn es um die Frage geht, wie nachhaltig das Unternehmen ist?

Mittlerweile ja. Am Anfang waren die Sirups noch in Plastik, heute sind sie Bio und in Glas. Wir reden ja miteinander. Und wir lernen dazu.

Sie wurden kürzlich heftig kritisiert, weil Sie für Ihre Filme viel fliegen.

Mir wurde sogar geraten,  die Dokus einfach sein zu lassen um meine CO2-Bilanz aufzuhübschen. Ich mache trotzdem weiter. Ich bin heute mit der Bahn gekommen. Wenn ich kann, mache ich das liebend gern. Aber wenn ich einen Film über Regenwaldvernichtung in Borneo mache, komme ich da nicht mit Bahn oder Fahrrad hin.

Sie halten sich mit ihrer Meinung nicht zurück. Wie reagieren die Leute auf der Straße auf Sie?

Ich bekomme sowohl Zu- wie auch Widerspruch. Wenn ich auf die Dokus angesprochen werde, sind die Reaktionen meistens positiv. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Leute, die von meinen Umweltaktivitäten genervt sind, einfach nicht mit mir reden. Aber ich fahre ein Elektoauto, da bekomme ich in München oft was um die Ohren. "Scheiß E-Karre" und so. Da wird dir so eine Besserwisserallüre unterstellt. Gegen das Elektroauto gibt es eine sonderbare Erregung in Deutschland. Ich fahre das seit 2013.

Haben Sie schon mal daran gedacht in die Politik zu gehen?

Ich bin bei den Grünen und unterstütze die. Aber ich halte mich aus dem Parteialltag raus.

Warum eigentlich? Kneifen Sie vor der Verantwortung?

Ich lebe am Ammersee. Auf kommunaler Ebene kann man tatsächlich was bewegen, aber dafür bin ich zuviel unterwegs. Schon auf Landesebene zerreiben die sich in erschreckendem Ausmaß. Auf Bundesebene ist das noch härter. Ich kenne viele Grünen-Politiker, wie Renate Künast, und ich bewundere die Geduld dieser Menschen,  dieses Ertragen-Müssen von Blödsinn aus dem Munde von Dobrindt, Scheuer, Blume und Seehofer. Ich bin definitiv beim  Filmemachen besser aufgehoben. Mit einer erfolgreichen Doku bewege ich  mehr als mit einer Rede auf dem Parteitag.

Sie könnten im Bundestag die Hand heben, wenn es um die Abstimmung über eine Plastik-Steuer ginge?

Ich wähle Habeck, der macht das für mich.

Wären Sie für die Jamaika-Koalition auf Bundesebene gewesen?

Ja, klar. Machen.

Schwarz-Grün?

Daran arbeiten die ja längst eifrig, und das wird vermutlich kommen. Das wird schwer für die Grünen. Sie werden ohne Ende Kreide fressen und Kompromisse machen müssen, die richtig weh tun. Trotzdem machen.

Was denken Sie, wenn Sie lesen, dass Ackerböden in Deutschland massiv mit Mikroplastik durchsetzt sind?

Solche Nachrichten versuche ich zu ignorieren, um mir meinen letzten Rest Optimismus in Sachen Umwelt nicht nehmen zu lassen. Wir sind die einzige Spezies, die das Nest, in dem sie lebt so zumüllt, dass es irgendwann unbewohnbar ist.