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Hauptversammlung: Daimler-Aktionäre entscheiden über «Projekt Zukunft»

Die zuletzt eher maue Bilanz des Autobauers Daimler böte allein schon viel Stoff für Kontroversen. Bei der Hauptversammlung des Konzerns geht es diesmal aber auch um wahrhaft grundsätzliche Fragen.

Dieter Zetsche und Ola Källenius

Ola Källenius (r) löst Dieter Zetsche als Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG ab. Foto: Uli Deck

Mit einer neuen Struktur und mehr Selbstständigkeit in den einzelnen Sparten will sich der Autobauer Daimler flexibler aufstellen und für den Wandel in der Branche wappnen.

Zudem übernimmt bei der Hauptversammlung in Berlin ein neuer Mann die Führung des Konzerns: Ola Källenius, bisher Entwicklungschef, löst den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche ab. Zetsches Amtszeit läuft mit dem Ende der Versammlung ab.

Erst einmal aber haben die Aktionäre das Wort, bevor das «Projekt Zukunft» endgültig seinen Lauf nehmen kann. Sie müssen der von Vorstand und Aufsichtsrat bereits beschlossenen Aufteilung des Konzerns in drei rechtlich eigenständige Einheiten unter dem Dach der Daimler AG noch zustimmen.

In der Mercedes-Benz AG will Daimler künftig das Geschäft mit Autos und Vans zusammenfassen, für Lastwagen und Busse wird die Daimler Truck AG zuständig sein. Die Sparte der Mobilitäts- und Finanzdienstleistungen war auch bisher schon eigenständig, sie bekommt aber einen neuen Namen und heißt künftig Daimler Mobility AG. Der Konzern beschäftigt sich seit Herbst 2017 intensiv mit der Umstrukturierung, die den einzelnen Sparten mehr Freiräume schaffen soll, zum Beispiel bei der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen.

Källenius wird, wie sein Vorgänger Zetsche, zugleich den gesamten Konzern und die Autosparte führen. Außerdem soll er Chef des Aufsichtsrats der Truck AG werden. Die will so mancher Investor lieber heute als morgen an der Börse sehen - doch das sei nicht geplant, versichert Daimler.

Neben dem Konzernumbau übernimmt Källenius noch eine ganze Reihe weiterer Baustellen von seinem Vorgänger. Schwächelnder Absatz, Diesel-Rückrufe, der Handelsstreit zwischen China und den USA sowie Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgasteststandard WLTP hatten Daimler zuletzt mächtig belastet. Für 2018 hatte Zetsche im Februar einen deutlichen Gewinneinbruch verkünden müssen, und auch 2019 läuft bisher nicht gut. Dazu kommen die immer noch laufenden Verfahren im Dieselskandal und die Kartellermittlungen der EU - Ausgang jeweils unklar.

Zetsche steht seit mehr als 13 Jahren an der Daimler-Spitze. Seinen Abschied hatte er vergangenen Herbst angekündigt. Nach einer zweijährigen sogenannten Abkühlungsphase soll er 2021 in den Aufsichtsrat einziehen und dort dann auch den Vorsitz übernehmen.

dpa