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Berliner Firma boomt Kochboxen statt Restaurant: Der gigantische Corona-Erfolg von HelloFresh

HelloFresh
HelloFresh versendet Kochboxen mit frischen Zutaten
© AP Photo / Picture Alliance
Der Berliner Kochboxenversender HelloFresh ist ein großer Gewinner der Corona-Krise. Die Zahl der Kunden explodiert, das Unternehmen stellt massenweise neue Mitarbeiter ein. Aber wie nachhaltig ist das?

Während viele Restaurants verzweifelt improvisierte Lieferservices einrichten, um eine Pleite zu verhindern, ist der Essenslieferant "HelloFresh" obenauf. Der Kochboxenversender ist einer der großen Gewinner in der Corona-Krise. Im ersten Quartal dieses Jahres steigerte die Berliner Firma ihren Umsatz um sagenhafte 66 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf rund 700 Millionen Euro. Die Aktie des seit 2017 an der Börse gelisteten Unternehmens liegt auf Rekordhoch, fast 300 Prozent höher als vor einem Jahr.

Das Angebot von HelloFresh scheint genau das zu sein, was in der Lockdown-Zeit gefragt ist. Die Firma verschickt im Abo für drei bis fünf Tage pro Woche Pakete mit genau den richtigen Zutaten für bestimmte Rezepte, die ebenfalls in der Lieferung enthalten sind. Wer aktuell zu Hause sitzt und Pizzadienste ebenso satt hat, wie das ständige Rennen in den Supermarkt, bekommt hier eine interessante Alternative.

Eine Million neue Kunden seit Corona

Das Angebot ist in der Corona-Krise derart gefragt, dass die Firma Mühe hat, die sprunghaft gestiegene Nachfrage zu bedienen. Obwohl HelloFresh seit Anfang des Jahres mehr als 1000 neue Mitarbeiter eingestellt hat, konnten zwischenzeitlich keine Neukunden mehr angenommen werden, wie Firmenchef Dominik Richter bei der Vorstellung der Quartalszahlen berichtete.

Allein im ersten Quartal dieses Jahres gewann HelloFresh rund eine Million Kunden hinzu und kommt nun auf fast 4,2 Millionen Kunden. Der bereinigte operative Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) betrug 63 Millionen Euro – nach einem Verlust von 26 Millionen im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor.

Weitere Expansionspläne

Ob der Lauf anhält, wenn demnächst wieder die Restaurants öffnen? Firmenchef Richter glaubt, dass viele Kunden, die in der Krise angefangen haben, wieder mehr zu kochen, daran Gefallen finden und bei der Stange bleiben. "Deswegen hoffen wir, dass viele Neukunden bei uns bleiben, auch wenn die Restaurants wieder öffnen dürfen", sagte Richter dem "Handelsblatt".

Dabei ist HelloFresh nicht allein auf den deutschen Markt angewiesen. Das Unternehmen ist auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern sowie in den USA aktiv. Der US-Konkurrent Blue Apron verzeichnete übrigens im ersten Quartal dieses Jahres einen Umsatzrückgang. Der ebenfalls in Berlin beheimatete Kochboxen-Rivale Marley Spoon konnte seine Umsätze dagegen steigern.

Marktführer HelloFresh schmiedet derweil Expansionspläne für weitere Länder, etwa in Nordeuropa. Denn während andere Unternehmen in der Krise ihr Geld zusammenhalten müssen, hat HelloFresh laut Firmenchef Richter aktuell 300 Millionen Euro Cash zur Verfügung.

Wie stark es langfristig weitergeht, wird man sehen. In jedem Fall dürfte der Corona-Push für das Unternehmen über das erste Quartal hinaus anhalten. Die Umsatzerwartungen für 2020 hat die Kochboxen-Firma in dieser Woche jedenfalls kräftig nach oben geschraubt. Statt 22 bis 27 Prozent mehr Umsatz erwartet HelloFresh nun 40 bis 55 Prozent mehr Umsatz in diesem Jahr.

Quellen: Reuters / Handelsblatt


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