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Das sagen die Käufer: Italiens Dörfer verkauften ihre Häuser für nur einen Euro – das passierte danach

Um die Entvölkerung zu stoppen, haben einige Dörfer in Süditalien Häuser für einen einzigen Euro zum Kauf angeboten. Nun berichten die neuen Immobilienbesitzer über ihre Erfahrungen. Allerdings zahlten nur wenige wirklich die symbolische Summe - meist wurde es teurer.

Die italienische Stadt Mussomeli in Sizilien

Der Blick auf die italienische Stadt Mussomeli in Sizilien, die alte Häuser für einen Euro verkaufte

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Alles muss raus: Wie beim Sommerschlussverkauf haben in den vergangenen Jahren einige italienische Dörfer ihre uralten Häuser angeboten. Lediglich einen Euro wollten die Bürgermeister für die Immobilien haben. Und eine vertraglich festgehaltene Zusagen: Das renoviert wird. Denn viele der Häuser und Wohnungen waren in einem jämmerlichen Zustand. Meist standen die Steinruinen lange leer, die ehemaligen Bewohner waren verstorben oder weggezogen. Denn unbedingt verkehrsgünstig und in direkter Nähe zu größeren Metropolen lag keines der Dörfer, sondern meist ruhig gelegen in den Bergen Siziliens.

Die 1-Euro-Angebote schlugen natürlich medial ein, rund um den Globus wurde über diesen irren Verkauf berichtet. Das blieb nicht ohne Folgen: Die Dörfer wurden geradezu überrannt, berichtet "CNN". Der TV-Sender hatte im Januar 2019 über das kleine Dorf Sambuca in Sizilien berichtet. Die rund 5000 Einwohner leben meist von der Landwirtschaft, auch der Weinanbau spielt eine große Rolle. Und Dank einer kurzen Herrschaftszeit der Araber ab dem 9. Jahrhundert nach Christi gibt es noch eine hübsche Altstadt.

Nach der internationalen Berichterstattung  wurde Sambuca regelrecht überrannt von Kaufinteressenten, die sich durch die engen Gassen der Stadt drückten. Der Bürgermeister handelte clever: Statt die Gebäude für einen Euro zu verramschen, versteigerte er die Häuser an den Meistbietenden. Bis zu 25.000 Euro zahlten die neuen Besitzer.

Neue Immobilienbesitzer in Italien

Eine davon ist die US-Amerikanerin Meredith Tabbone. Die Finanzberaterin aus Chicago hat italienische Vorfahren aus eben dieser Stadt. Sie bewarb sich um zwei Immobilien, ohne jemals zuvor dort gewesen zu sein. "Mein Urgroßvater ist vor langer Zeit in die USA ausgewandert. Ich wollte schon immer Sizilien besuchen, war aber noch nie in meiner Heimatstadt. Ich hatte in den letzten zehn Jahren immer die Absicht, dorthin zu kommen, hatte aber nie die Chance", sagt Tabbone zu "CNN". Sie bot jeweils 5555 Euro pro Immobilie und bekam für eine von ihnen den Zuschlag. Als sie ihre neue Wohnung - drei Schlafzimmer, geflieste Decken, geschwungene Treppe und zwei Eingänge - das erste Mal sah, war sei angenehm überrascht. "Es ist anders, als ich erwartet hatte", sagte sie. "Ich habe viel gegoogelt, hatte aber wirklich keine Ahnung, wie es werden würde. Am Ende hat es sich als viel besser herausgestellt, als ich angenommen hatte." Jetzt will sie ihre neue Immobilie durch einen Architekten umbauen lassen. Sie ist zwar erst 40 Jahre alt, plant aber, ihren Lebensabend  dort zu verbringen.

Auch wenn viele der Kaufinteressenten mehr als den einen Euro bezahlt haben, gibt es die absoluten Schnäppchen-Jäger. Dazu zählen die Französin Morgane Guihot und ihr Ehemann. Sie ergatterten in dem 10.000-Einwohner-Ort Mussomeli auf Sizilien eine 50-Quadratmeter-Wohnung mit einer großen Dachterrasse. Allerdings gab es viel zu tun: Die Böden mussten repariert werden, die Wände ausgebessert und gestrichen, auch ein neues Badezimmer war nötig. "Da wir beide Handwerker und Renovierer sind, haben wir den größten Teil der Arbeit selbst erledigt, was minimal war. Es war großartig, unser Zweizimmerhaus wieder zum Leben zu erwecken", sagt sie zu "CNN". Zusammen mit ihren zwei Kindern wollen die neuen Besitzer vor allem die Ferien und die Feiertage an Weihnachten in ihrem neuen Haus verbringen.

Doch nicht bei allen lief der Kauf reibungslos. Der New Yorker Kenns Sanchez hatte sein Ein-Euro-Gebot aus einer Laune heraus abgegeben und nie damit gerechnet, den Zuschlag zu bekommen. "Ich wusste, dass viele Leute das Gleiche tun würden und dachte, ich hätte wenig Chancen", gibt er zu. "Ich hatte nicht erwartet, in Italien ein Zuhause zu bekommen. Es war eine ziemliche Überraschung." Allerdings kaufte er ein stark renovierungsbedürftiges Haus. Er erwartet, dass es noch einige Jahre unbewohnbar sei. Vor allem ein neues Dach sei dringend notwendig. Doch für solche Arbeiten braucht er einen Kaufvertrag - und den hat er bis heute nicht. Darüber hinaus verlaufe die Korrespondenz mit den zuständigen Behörden schleppend. Sanchez will nicht dauerhaft in dem Haus leben, sondern seine Ferien dort verbringen.

kg
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