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Amazon-Gründer Sieht so Klimaschutz aus? Bezos will "umweltverschmutzende Industrie" ins All verlagern

Nach Ausflug ins All: Jeff Bezos postet Video aus der Kabine
Sehen Sie im Video: Jeff Bezos postet Video aus Kabine – "Meine Erwartungen wurden dramatisch übertroffen".






Amazon-Gründer Jeff Bezos hat am Jahrestag der ersten Mondlandung seinen ersten Ausflug in All unternommen. Auf seiner zehnminütigen Reise erreichte er am Dienstag eine Höhe von 107 Kilometern und flog damit an die Grenze zwischen Atmosphäre und Weltraum, die je nach Definition zwischen 80 und 100 Kilometer liegt. Bezos wurde von seinem Bruder Mark, der 82-jährigen Wally Funk und dem 18-jährigen High-School-Absolventen Oliver Daemen begleitet. Funk und Daemen sind damit der älteste und der jüngste Mensch im All. Mit blauem Astronautenanzug und Cowboyhut startete Bezos ins All - und so erschien er auch bei der abschließenden Pressekonferenz. Augenscheinlich gut gelaunt: "Ich möchte mich bei jedem Amazon-Mitarbeiter und jedem Amazon-Kunden bedanken, denn ihr habt für all das hier bezahlt. Also ernsthaft, für jeden Amazon-Kunden da draußen und jeden Amazon-Mitarbeiter, ich danke euch von ganzem Herzen sehr. Ich weiß das sehr zu schätzen. Und, wissen Sie, wie es sich anfühlt. Oh, mein Gott! Meine Erwartungen waren hoch und sie wurden dramatisch übertroffen." Bezos ist der zweite von drei Milliardären, die um die Führungsrolle in der Weltraumtouristik ringen. Vor neun Tagen war der britische Milliardär Richard Branson ins All geflogen. Der dritte Milliardär, der Privatreisen ins Weltall anbieten will, ist Tesla-Chef Elon Musk. Bezos hatte sein Raumfahrtunternehmen Blue Origin vor zwei Jahrzehnten gegründet und will noch im September oder Oktober weitere Weltraumtouristen ins All bringen.
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Jeff Bezos verblüffte nach seinem Kurztrip ins All mit einem Vorschlag zum Klimaschutz: Die Schwerindustrie solle von der Erde ins All verlegt werden. Kritiker sehen das skeptisch.

Jeff Bezos hat es geschafft: Der Amazon-Gründer ließ sich am Dienstag mit einer Blue-Origin-Rakete erfolgreich ins All schießen. Nach elf Minuten war das Abenteuer bereits vorbei, und Bezos präsentierte unten auf der Erde gleich neue Ideen. Diesmal ging es unter anderem um das Thema Umwelt- und Klimaschutz. Bezos schlug im Interview mit dem US-Sender MSNBC vor, "umweltverschmutzende Industrien" ins Weltall auszulagern, um die Erde zu erhalten.

"Es wird Jahrzehnte dauern, das zu erreichen, aber wir müssen damit beginnen. Große Dinge beginnen mit kleinen Schritten", sagte er nach seinem Flug in den Weltraum. Mit seinem Weltraumprojekt möchte der US-Milliardär einen Beitrag zur Erhaltung der Erde leisten. Von dem Blauen Planeten war Bezos nach seinem Ausflug ins All aufs Neue begeistert.

Jeff Bezos begeistert von der Schönheit der Erde

Er schwärmte von der "Schönheit und Zerbrechlichkeit" der Erde, die er beobachtet habe: Auch die Atmosphäre erscheine von der Erdoberfläche aus "so groß". Wenn man von oben herabschaue, "sieht man, dass sie eigentlich unglaublich dünn ist, sie ist dieses winzig kleine, zerbrechliche Ding", betonte Bezos. "Während wir uns auf dem Planeten bewegen, beschädigen wir ihn."

"Overview-Effekt" nennt man dieses Phänomen in der Raumfahrtforschung: Astronauten wird die Schönheit und Einzigartigkeit des Planeten bewusst, wenn sie von oben auf die Erde schauen, aber auch, wie klein der Mensch im Universum ist. Oft geht damit auch ein neues Verantwortungsgefühl für den Planeten einher. 

Jeff Bezos: Diese Crew begleitet den Milliardär bei seinem Weltraumflug

Ob die Ideen des Amazon-Gründers zum Klimaschutz wirklich sinnvoll sind, ist umstritten. Die Verschmutzung einfach von der Erde in den Weltraum zu verlegen, klingt für Kritiker eher nach einer Verlagerung des Problems als nach einer Lösung. Sie forderten stattdessen, mehr Bemühungen in Klimaschutzmaßnahmen auf der Erde zu investieren. Es sei leichter, hier auf erneuerbare Energien umzusteigen als die Schwerindustrie in den Weltraum zu schicken. Auch der 57-jährige Bezos gibt zu, dass dieses Projekt wohl nicht mehr während seiner Lebenszeit realisiert werden kann.

Kritik von Klimaschützern am Weltraumflug von Jeff Bezos

Bezos und der Klimaschutz – das ist ein kompliziertes Thema. Im vergangenen Jahr hatte der mit einem Vermögen von mehr als 200 Milliarden Dollar reichste Mensch der Welt zehn Milliarden Dollar an Klimaschutz-Projekte gespendet. Daraufhin wurde ihm "Greenwashing" vorgeworfen, also der Versuch, die Umweltsünden seines Konzerns mit einer vergleichsweise geringen Zahlung aufzuwiegen und damit in der Öffentlichkeit besser dazustehen.

Auch für seinen Ausflug in den Weltraum hatte es Kritik von Klimaschützern gehagelt. Die Emissionen bei Raumfahrtunternehmungen sind riesig, der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn bei privaten Firmen zunächst einmal eher gering, da sie vor allem nach Möglichkeiten für Raumfahrttourismus suchen. So sah nicht nur der US-Nachrichtensender CNN die Flüge von Bezos und zuvor Richard Branson kritisch: "Dies scheint ein merkwürdiger Moment für die reichsten Menschen der Welt, ihre ungeheuerlichen Mittel für eine Unternehmung einzusetzen, die keinen sofortigen Nutzen für den größten Teil der Gesellschaft hat."

Dass Raumfahrt in Sachen Klimaschutz einen entscheidenden Beitrag leisten kann und sollte, davon ist der Milliardär weiterhin überzeugt. Ihm gehe es darum, "einen Weg ins All zu errichten, damit zukünftige Generationen unglaubliche Dinge im Weltraum tun können", sagte er. Seine Raumfahrtfirma Blue Origin plant zwei weitere Weltraumflüge noch in diesem Jahr.

Quellen: MSNBC / Nasa / AFP

epp

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