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Produktiver und gesünder: Warum wir das Drei-Tage-Wochenende brauchen

Unsere Arbeitsideologie lässt uns schuften, wer Überstunden macht, gilt als Held. Doch diese Einstellung macht krank. Wer ausreichend Ausgleich zu seiner Arbeitsbelastung hat, lebt gesünder - und ist am Arbeitsplatz sogar produktiver. Die Lösung könnte das Drei-Tage-Wochenende sein. 

Eine Familie läuft mit Surfbrettern am Strand entlang.

Freizeit wirkt sich positiv auf die Arbeitsfähigkeit aus. 

"Ach, das mach ich schnell noch fertig. Leg es mir einfach auf den Schreibtisch." Kennen Sie solche Sätze? Statt mal höchst pünktlich den Arbeitsplatz verlassen, vielleicht sogar Arbeit liegen zu lassen, machen Sie einfach weiter, bis tief in die Nacht? Die traurige Erkenntnis: Meist machen diese Extraschichten weder glücklich noch bekommt man Anerkennung. Höchstens Magengeschwüre. Also alles umsonst?

Diese Arbeitsmentalität ist nicht angeboren, sondern erlernt. Nur wer sich richtig in seinen Job reinkniet, gilt als erfolgreich. Überstunden sind die Kür des fleißigen Mitarbeiters. Doch das hat alles nichts mit dem Menschen zu tun, schreibt der britische Professor für Wirtschaft und politische Ökonomie David Spencer für die "Dailymail".

Langes Wochenende gefordert

Das System hat eine Macke, glaubt er: Wer viel arbeitet, oder besser: sich regelmäßig überarbeitet, ist der Held. Ursachen für diese kolossale Fehleinschätzung gebe es viele: Der Arbeitsaufwand im Job würde höher bewertet als soziales Engagement beispielsweise. Auch bei der Technisierung der Welt hätten wir Fehler gemacht, meint Spencer. Statt der von John Maynard Keynes (einem führenden Ökonomen des 20. Jahrhunderts) prophezeiten 15-Stunden-Woche würden wir trotz Digitalisierung viel, viel mehr arbeiten. Ein Teufelskreis aus kapitalistischen Überzeugungen, der von der Politik und Wirtschaft weiter gefördert wird.

Spencer fordert eine Abkehr von dieser Ideologie, denn ausreichend Freizeit würde die Mitarbeiter langfristig nicht nur gesünder machen - und somit auch länger arbeitsfähig. Sondern ein erholsamer Ausgleich von der Arbeit könnte auch die Produktivität steigern. Daher bräuchten wir ein Wochenende über drei Tage. 

Überarbeiten macht krank

Spencer führt Studien ins Feld, die zeigen, dass Überstunden und Co. die Gefahr für einige Krankheiten, beispielsweise Schlaganfälle oder Herzinfarkte, deutlich erhöhen würden. Die Kosten für unsere überarbeitete Gesellschaft seien schlechte Gesundheit, körperlich und psychisch. Und die Kosten für Therapien und Co. wären zu lange ignoriert worden. 

Er fordert, dass wir aufhören müssten, unsere Arbeit immer in den Fokus unseres Lebens zu rücken. Familie, Freunde, Freizeit - dies seien die wichtigeren Dinge im Leben. Eine Reduktion der Arbeit würde die Lebensqualität erhöhen - und uns glücklicher machen. Spencer spricht sich für eine 30-Stunden-Woche oder sogar noch weniger aus. 

Angestellte arbeiten weiter zu viel

Und die Ironie hinter seinen Forderungen? Die japanische Klamottenkette Uniqlo hat Mitarbeitern eine Vier-Tages-Woche ermöglicht. Und? Bricht nun das Geschäft zusammen? Steht das Unternehmen vor der Pleite? Nein, die Mitarbeiter arbeiten einfach zehn statt acht Stunden am Tag und erledigen ihre  40-Stunden-Woche in vier Tagen.

kg
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