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Karl-Erivan Haub: Vermisster Tengelmann-Chef: Wie geht es mit seinem Familienimperium weiter?

Seit mehr als einer Woche wird Milliardär und Firmenpatriarch Karl-Erivan Haub vermisst. Die Familie hat die Hoffnung aufgegeben, ihn lebend zu finden. Wie geht es nun mit dem Tengelmann-Imperium weiter?

Karl-Erivan Haub

Karl-Erivan Haub, seit 2000 Chef der familieneigenen Tengelmann-Gruppe

DPA

Noch immer wird nach Karl-Erivan Haub gesucht, doch mittlerweile suchen die Helfer auch offiziell nur noch nach einer Leiche. Die Überlebendensuche wurde auf eine Bergungssuche umgestellt. Haubs Familie erklärte am Freitag, man sehe keine Überlebenswahrscheinlichkeit mehr.

Vor über einer Woche war der Tengelmann-Chef und begeisterte Skibergsteiger allein und mit leichter Sportausrüstung zu einer Skitour am Klein Matterhorn aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Neben der Frage über den Verbleib des 58-Jährigen drängt sich nun auch eine schrecklich nüchterne Frage in den Vordergrund: Wie geht es weiter mit Tengelmann ohne den Chef?

Tengelmann zählt zu den größten Familienunternehmen Deutschlands, Forbes schätzt das Vermögen des Clans auf sechs Milliarden Dollar. Und Karl-Erivan Haub ist der prominente Kopf des Imperiums. Seit 1991 arbeitete der Unternehmer im familieneigenen Betrieb, im Jahr 2000 übernahm er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Christian Haub die Leitungsfunktionen des Vaters. Beide halten ein knappes Drittel der Unternehmensanteile, genauso wie der dritte Bruder Georg. Die verbliebenen sechs Prozent hielt zuletzt der Anfang März verstorbene Vater Erivan Haub.

Karl-Erivan Haub ist der Macher bei Tengelmann

Karl-Erivan ist nicht nur der älteste der Söhne, sondern auch der Macher, der die Führung vorgab und nach außen hin stets am stärksten in Erscheinung trat. Zuletzt deutlich wurde dies beim Verkauf der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann an Edeka. Als das Kartellamt die Zustimmung verweigerte, überzeugte Haub den damaligen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, den Deal mittels einer Ministererlaubnis doch durchzuwinken.

Auch ohne die Läden von Kaiser's Tengelmann ist der Familienkonzern in der deutschen Handelslandschaft noch fest verwurzelt. Tengelmann gehören 74 Prozent der Baumarktkette Obi (rund 350 Märkte in Deutschland, insgesamt 650 in Europa) sowie 84 Prozent am Textil-Discounter Kik (rund 2600 Filialen in Deutschland). Am Lebensmittel-Discounter Netto ist Tengelmann mit 15 Prozent beteiligt, an den Ein-Euro-Shops von Tedi mit 35 Prozent. Auch ins E-Commerce stieß Tengelmann in den vergangenen Jahren vor, investierte schon 2009 in Zalando und 2013 in Westwing. Die Tengelmann Ventures GmbH hat Risikokapital in Dutzende weitere Onlineportale investiert.

Bruder und Co-Chef lebt in den USA

Die Führung des Tengelmann-Imperiums mit Sitz in Mülheim an der Ruhr liegt nun in den Händen von Karl-Erivans Bruder Christian Haub, der bislang eher im Schatten des Bruders agierte und nun allein in vorderster Linie steht. Der Co-Chef lebt mit seiner Familie in den USA und kümmert sich vornehmlich um die US-Beteiligungen von Tengelmann. Er verfügt über Erfahrung im Investmentbanking. Sein Versuch, die amerikanische Supermarktkette Great Atlantic & Pacific Tea Co (A&P) zu sanieren und in die Handelsgruppe zu integrieren, scheiterte allerdings - die Kette musste 2010 Insolvenz anmelden. Der mittlere Bruder, Georg Haub, kümmert sich um den Immobilienbesitz der Familie, und ist bislang nicht in der Geschäftsführung des Unternehmens.

Was sich nach dem Unfall von Karl-Erivan Haub an der Tengelmann-Spitze ändert, ist noch unklar. Die Geschäfte sollten zunächst reibungslos weiterlaufen, da jedes Tochterunternehmen von einem eigenen Management geführt wird. Wahrscheinlich ist, dass der Einfluss der Familie Haub auf das operative Geschäft zurückgeht. Das Handelsblatt spekuliert, der langjährige Tengelmann-Manager Stefan Heinig (Tedi, Kik) könnte mehr Einfluss gewinnen.

"Mir ist sehr bewusst, dass auch Sie der Situation fassungslos gegenüberstehen", schrieb Christian Haub vergangene Woche an seine Mitarbeiter. Aber: "Unser Familienunternehmen ist solide aufgestellt und verfügt über ein stabiles und erfahrenes Führungsteam, sowohl in der Holding als auch in den Geschäftsfeldern. Es besteht also zumindest in dieser Hinsicht kein Anlass zur Sorge."