VG-Wort Pixel

Warenhäuser "Karstadt" und "Kaufhof" sollen verschwinden – und mit neuem Namen weiterleben

Galeria Karstadt Kaufhof
Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof plant ein neues Konzept und einen einheitlichen Markenauftritt
© Georg Wendt / DPA
Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof will mit einem neuen Konzept aus der Krise kommen. Dafür werden Filialen umgebaut und der Markenauftritt vereinheitlicht.

In der Corona-Pandemie musste Galeria Karstadt Kaufhof mit einem Staatskredit gerettet werden. Nun will die angeschlagene Warenhauskette mit neuem Konzept aus der Krise kommen. Unternehmenschef Miguel Müllenbach hat in einem Interview angekündigt, 600 Millionen Euro in die Modernisierung seiner Häuser zu investieren. "Wir werden uns Ende Oktober mit unserem Konzept Galeria 2.0 strategisch neu aufstellen", sagte Müllenbach dem "Handelsblatt".

Die traditionsreichen Namen "Karstadt" und "Kaufhof" könnten dann allerdings aus den Einkaufsstraßen verschwinden. "Wir wollen nach vorne ein Unternehmen mit einer Marke sein", sagte Müllenbach auf die Frage, ob Karstadt und Kaufhof künftig einheitlich als "Galeria" auftreten werden. "Das wird auch nicht mehr lange dauern." Ein neuer einheitlicher Name für das 2019 verschmolzene Warenhausunternehmen passe gut zu den Veränderungen, die es ab Herbst geben werde, so der Unternehmenschef. Der Webshop läuft bereits jetzt auf den Namen galeria.de. 

Filialen werden umgebaut

Das neue Konzept sieht drei Typen von Warenhäusern vor, die das Unternehmen Weltstadthaus, regionaler Magnet und lokales Forum nennt. Bis zu 60 der noch 131 Standorte sollen dafür komplett umgebaut werden, die übrigen zumindest teilweise. In Frankfurt, Kassel und Kleve werden bereits die ersten Pilothäuser umgerüstet.

Geplant ist, einen Teil der Verkaufsflächen stärker für Dienstleistungen und Services von Partnern zu nutzen. Dort sollen zum Beispiel regionale Produkte angeboten werden, aber auch Schalter für städtische Bürgerdienste oder Paketschalter entstehen. Zudem sind E-Bike-Stationen und Ladesäulen für Elektroautos geplant. Eine eigene App soll bei Terminbuchungen und ähnlichem unterstützen. "Wir wollen das vernetzte Herz der Innenstadt werden – und zwar mit Konzepten, die ganz genau auf den lokalen Standort abgestimmt sind", sagt Müllenbach

Von Staatshilfe zu Staatshilfe

Neue Ideen sind dringend nötig, denn zuletzt rettete sich der Konzern von Staatshilfe zu Staatshilfe: Im vergangenen Jahr musste Galeria Karstadt Kaufhof ein Schutzschirmverfahren durchlaufen und 40 Häuser schließen. Anfang 2021 erhielt das Unternehmen dann einen Staatskredit über 460 Millionen Euro, um die Folgen des Lockdowns zu überstehen. Aktuell verhandelt der Konzern, der der Signa Holding des Investors René Benko gehört, über einen weiteren Staatskredit.

Wegen des Corona-Lockdowns hat das Unternehmen laut Müllenbach allein bis Ende September 2020 eine Milliarde Euro Umsatz verloren. Der zweite Lockdown fiel mitten ins Weihnachtsgeschäft. Und noch immer wird weniger verkauft als vor Corona.

Angesichts der Übermacht von Amazon im Onlinehandel sieht Müllenbach die Zukunft des Warenhauskonzerns nach wie vor hauptsächlich im stationären Geschäft vor Ort. Von den angekündigten mittelfristigen Investitionen sind 400 Millionen für den Umbau der Häuser geplant. 100 Millionen sollen ins E-Commerce fließen und noch einmal so viel in Logistik und IT des stationären Geschäfts.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker