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Bremen: Ekel-Alarm und Mobbing: Schwere Vorwürfe gegen McDonald's - das sagt der Konzern

Die Mitarbeiter von Bremer McDonald's -Filialen berichten von Mobbing und Hygiene-Verstößen. Die Gewerkschaft schlägt Alarm. Und der Franchisenehmer und McDonald's ? Die gehen zum Angriff über.

McDonalds hat Ärger in Bremen

Wie groß sind die Probleme von McDonald's in Bremen wirklich?

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Seit vergangener Woche erschüttert ein Mobbing- und Ekel-Skandal McDonald's in Bremen. In einem Betrag des "NDR" und "Radio Bremen" prangerten ehemalige und aktuelle Mitarbeiter des Fastfood-Konzerns Mobbing und schwere Hygiene-Verstöße an. Der Vorwurf: Mitarbeiter, die schon länger für McDonald's arbeiten, sollen konsequent gegängelt worden sein, um sie aus dem Job zu drängen - und die Stellen mit günstigeren Kollegen zu besetzen. So lautet auch der Vorwurf von Swetlana Krause. Sie begann 2009 für McDonald's zu arbeiten. Heute sagt sie dazu in dem TV-Beitrag: "Was mir bei McDonald's passierte, ist das schlimmste, was mir passieren konnte. Ich wurde mürbe gemacht von A bis Z."

Im Jahr 2016 übernimmt Oude Hengels als neuer Franchisenehmer die McDonald's -Filialen in Bremen und Brinkum. Und wird damit der neue Chef von Swetlana Krause, die nach ihrer Rückkehr aus der Elternzeit ihren alten Arbeitsplatz kaum wiedererkennt. Denn das Arbeitsklima habe sich verändert, berichtet sie dem "NDR". Obwohl sie kleine Kinder hat, wird sie vor allem in den Abend- und Nachtschichten eingesetzt. Statt wie zuvor an der Kasse zu sitzen, soll sie nun die Toiletten schrubben. "Gedemütigt" wurde sie, da ist sich Krause sicher. 

McDonald's Bremen: Mitarbeiter unter Druck?

Der Fall ist nicht der einzige, den die Reporter des Regionalmagazins "buten un binnen" recherchieren. Mitarbeiter, die schon 20 Jahre für den Konzern arbeiten, wurden in weit entfernten Filialen eingesetzt, einem anderen Mitarbeiter wurde vorgeworfen, er habe Ware an Freunde verschenkt - dieser Vorwurf konnte nie bestätigt werden. Der dreisteste Fall: Die Krankmeldung einer Kollegin soll ans Schwarze Brett gehängt worden sein. Die zuständige Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kennt die Fälle. Offenbar sollen langjährige (und teure) Mitarbeiter so unter Druck gesetzt werden, dass sie von sich aus das Unternehmen verlassen. Passiert das nicht, würden sie mit "fadenscheinigen Begründungen" ihre Kündigung kassieren. Der DGB-Rechtsschutzsekretär Thomas Schlingmann fast zusammen: "Moral und Anstand gibt es dort nicht." Allein in den vergangenen Monaten hat die Gewerkschaft zehn Verfahren vor Gericht gegen solche Kündigungen angestrengt - und keines davon verloren. Meist einigten sich der McDonald's -Betreiber und der Mitarbeiter auf einen Vergleich.Doch nicht nur der Druck auf das Personal bereitet McDonald's in Bremen Ärger. Die Mitarbeiter berichten auch von Hygiene-Verstößen. Die Anschuldigungen: Verdreckte Kühlschränke und abgelaufene Lebensmittel, die trotzdem verkauft werden. "Durch die Bank weg war immer was abgelaufen, an den Zutaten der Speisen. Es konnte dem Kunden schon passieren, dass der einen komplett abgelaufenen Burger bekommen hat", sagt eine ehemalige Mitarbeiterin zum "NDR". Aber auch umgetauschte Burger sollen einfach an andere Kunden weiterverkauft, benutzte Milchshake-Becher sollen abgewaschen und wiederverwendet worden sein. All das soll auf Anweisung von oben geschehen sein. Und: Offenbar fehlt Personal, so dass Maschinen nicht mehr gereinigt werden können und auch das Putzen der Tische, Böden und Toiletten sei mehr als vernachlässigt worden. 

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McDonald's weiß seit 2017 von den Problemen

Und McDonald's ? Laut des Beitrags soll der Konzern schon im Mai 2017 von einer Mitarbeiterin Hinweise auf die Missstände in den Filialen bekommen haben. Nach der Veröffentlichung des Beitrags lässt die Deutschlandzentrale von McDonald's die "NDR"-Reporter schriftlich wissen, dass sich die Mitarbeiterin nicht wie vereinbart zurückgemeldet habe. Außerdem gebe es regelmäßige Kontrollen in den Filialen. "Die Mitarbeiterin war allerdings zu dem damaligen Zeitpunkt krankgeschrieben und wollte sich deshalb nach ihrer Genesung nochmals bei uns melden. Dies ist leider nicht geschehen. Wir bedauern dies", so McDonald's . 

Der Franchisenehmer Oude Hengels weist die Anschuldigungen zurück. "Sollten vereinzelt Mitarbeiter wie von Ihnen geschildert grob fahrlässig gehandelt haben, so ist dies in erster Linie für mich schockierend und selbstverständlich ohne mein Wissen geschehen", sagt er dem "NDR". Dass die Becher für Milchshakes ausgespült würden, hält er für ausgeschlossen. Eine "solche absurde Anweisung gibt es selbstverständlich nicht", so Hengels. Dass die Maschinen für die Shakes allerdings nicht gereinigt werden, sondern die Wartungsanzeige einfach überbrückt wird, muss er einräumen. "Selbstverständlich haben wir dieses Vorgehen allen Restaurantleitern mit sofortiger Wirkung ausdrücklich untersagt", so der Franchise-Chef weiter.

Die Verunsicherung bei Bremer McDonald's -Kunden ist groß, die Welle zu dem TV-Beitrag schwappt hoch. Daher haben der Konzern und Hengels reagiert und einen Maßnahmenkatalog präsentiert. "Die Einhaltung unserer Standards ist uns sehr wichtig, deshalb nehmen wir Vorwürfe grundsätzlich immer sehr ernst. Völlig unabhängig davon, ob sich die hier vorgebrachten Anschuldigungen bestätigen oder nicht, haben wir gemeinsam mit dem Franchise-Nehmer unverzüglich einen Maßnahmenplan aufgesetzt", so McDonald's in einem Statement, das dem stern vorliegt. Sowohl McDonald's selbst als auch externe Firmen wie Dekra und SGS Institut Fresenius sollen nun mit unangekündigten Kontrollen überprüfen, was in den Filialen passiert. Darüber hinaus wird eine Vertrauensstelle eingerichtet, an die sich Mitarbeiter mit Kritik und Hinweisen wenden können. Auch soll es Hygiene-Schulungen geben. "Gerade im Sinne unserer Gäste und aller Mitarbeiter der Marke McDonald's ist es ganz klar unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass unsere strengen Standards eingehalten werden. Gemeinsam leiten wir alles in die Wege, um mögliche Zweifel, die aus den aktuellen Vorwürfen resultieren, ausräumen zu können", so McDonald's .

 Oude Hengels bedauert die Vorwürfe und will eine "lückenlose Aufklärung": "So stehen bei mir selbstverständlich alle Türen für zusätzliche Kontrollen und Auditierungen durch das Unternehmen und unabhängige Dritte offen. Diese werden sowohl im arbeitsrechtlichen Bereich sowie hinsichtlich der Einhaltung von Personalstandards, Produktsicherheit und Hygienestandards erfolgen. Auch die zuständigen Ordnungsämter werde ich aktiv einladen, damit sie sich ein eigenes Bild von den Restaurants machen können."

Gewerkschaft kritisiert Maßnahmenkatalog

Die Gewerkschaft hält von den Maßnahmen wenig. "Ich denke, das wird nicht allzu viel Wirkung haben. Schulungen und ähnliches haben dann Sinn, wenn Leute sich nicht auskennen. Die kennen sich aber sehr wohl aus und die kennen auch die Standards. Und das, was passiert ist liegt daran, dass Geld gespart werden sollte", so Dieter Nickel von der NGG. Auch die Vertrauensstelle wird seiner Meinung nach wenig bringen. "Da wird der Bock zum Gärtner gemacht. Das sind Menschen, die werden von McDonald's bezahlt und handeln im Interesse von McDonald's . Und außerdem gibt es vom Gesetz her eine Institution, die für Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eingerichtet ist. Das sind die Betriebsräte", sagt er zu "buten un binnen". Doch in den 23 Filialen in und um Bremen gibt es nur wenig Betriebsräte, so der "NDR".

Hier können Sie den ganzen Bericht von "buten und binnen" ansehen. Auch das "NDR"-Format Panorama hatte berichtet.

Sehen Sie im Video: "McDonald's-Mitarbeiter zeigt Fotos einer verschimmelten Eismaschine"

Ein verdrecktes Metallteil, das zu einer Eismaschine eines McDonald's gehören soll
kg