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Rainer Schaller übergibt an Vito Scavo: Der Mann, der McFit kopierte, darf die Kette jetzt leiten

McFit-Gründer Rainer Schaller übergibt das operative Geschäft seiner Fitnesskette an den Italiener Vito Scavo. Der qualifizierte sich mit außergewöhnlicher Hartnäckigkeit für den Job.

McFit-Gründer Rainer Schaller (49) übergibt das operative Geschäft an Vito Scavo (43)

McFit-Gründer Rainer Schaller (49) übergibt das operative Geschäft an Vito Scavo (43)

Selten passte der Begriff vom starken Mann im Unternehmen so gut wie bei McFit-Chef . Der leidenschaftliche Bodybuilder ist nicht nur Gründer von Europas größter Fitnesskette, sondern agiert auch seit mehr als 20 Jahren als alleiniger Gesellschafter und CEO seines Muskelimperiums. Nun zieht sich Schaller aus dem operativen Kerngeschäft der McFit Global Group zurück und übergibt das Zepter an den Italiener Vito Scavi - "mit sofortiger Wirkung", wie das Unternehmen am Mittwoch bekanntgab.

Schallers Thronfolger hat sich mit außergewöhnlicher Hartnäckigkeit auf den Chefstuhl gearbeitet. Als Fan Schallers und dessen Discount-Fitnesskette bewarb er sich gleich mehrfach erfolglos bei - was auch daran gelegen haben könnte, dass er sich gleich als Länderchef für Italien ins Spiel brachte. "Aufgeben war für mich zu keiner Zeit eine Option. Also wusste ich, dass ich einen anderen Ansatz finden musste, um auf mich aufmerksam zu machen", sagt Scavo.

Über den Umweg "Happy Fit" zu McFit

Also gründete er 2011 seine eigene Fitnessstudiokette "Happy Fit", die das Billig-Konzept von McFit eins zu eins kopierte. Innerhalb kürzester Zeit stampfte er in 14 Filialen aus dem Boden - und hatte sich damit die Aufmerksamkeit des McFit-Chefs gesichert. "Die 'Happy Fit'-Studios hatte ich bewusst in allem schon so nah an das Design, den Aufbau und die Ausstattung der McFIT-Studios angelehnt, dass sie lediglich noch im Namensschild umgebrandet werden mussten, um zu den bestehenden originalen Studios zu passen", sagt Scavo.

2014 kaufte Schaller tatsächlich die italienischen "Happy Fit"-Studios und integrierte sie in sein McFit-Imperium. Scavos Bedingung: Ein in der Konzernzentrale, den er in Form des Postens als Chief Operating Officer auch bekam. Nun übergibt Schaller dem Italiener, mit dem er sich auch privat bestens verstehen soll, das Kommando für das Tagesgeschäft der McFit Global Group, zu der mehr als 250 Studios in fünf Ländern gehören.

Schaller bleibt der Mann für die Visionen

Schaller selbst will sich künftig um "visionäre Themen" im McFit-Imperium kümmern, wie es in der Mitteilung des Unternehmens heißt. Dazu zählt die Gründung eines Think Tanks, seine Künstler-Management-Agentur Tigerpool sowie der Bau des Prestigeprojekts "The Mirai", eines gigantischen Fitnesszentrums in Oberhausen, in dem jeder umsonst trainieren darf.

Zunächst aber muss sich der McFit-Chef dem dunkelsten Kapitel seiner Unternehmergeschichte widmen. In wenigen Tagen muss er als Zeuge im Prozess um die Love-Parade-Katastrophe vor Gericht erscheinen. Bei dem Unglück, das 2010 in Duisburg 21 Menschenleben kostete, war McFit Veranstalter und Hauptsponsor, weshalb viele Schaller auch gerne auf der Anklagebank und nicht nur im Zeugenstand gesehen hätten. 

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