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Schoko-Schwund: Warum manche Milka-Tafeln nur noch 81 Gramm haben

Die 100-Gramm-Schokoladentafel ist der Klassiker in der Süßwarenabteilung. Doch bei neuen Sorten spart Milka geschickt an Gewicht. Die Verbraucherzentrale wittert Kundentäuschung, der Hersteller hat eine andere Erklärung.

Hinweis: Dieser Text erschien erstmals am 3. Juli 2017. Zum Jahresrückblick spielen wir die beliebtesten Artikel in loser Reihenfolge bis zum Ende des Jahres.

Ein ungeschriebenes Supermarkt-Gesetz besagt: Eine Schokoladentafel hat 100 Gramm. Manche Verbraucher haben dies sogar so verinnerlicht, dass sie in Schokoladentafeln rechnen. Wer sich nicht vorzustellen kann, wieviel 300 Gramm von irgendwas sind, der rechnet gedanklich in drei Tafeln Schokolade um, schon hat er ein Gefühl für die Menge.

Tatsächlich existierte bis vor zehn Jahren eine EU-Richtlinie, die vorschrieb, dass Schokolade nur in bestimmten Größen verkauft werden darf. So waren neben 100 Gramm auch 125, 250, 500 und 1000 Gramm zugelassen. Dem Verbraucher sollte es so leichter gemacht werden, die Produkte zu vergleichen. Um Bürokratie abzubauen, wurde die Verordnung, die auch alle möglichen anderen Produkte betraf, gekippt. Die großen Schoko-Hersteller blieben trotzdem lange bei 100 Gramm. So war es vom Kunden gelernt und gewünscht.

Milka setzt auf Leichtgewichte

Doch mittlerweile sollten Kunden am Supermarktregal lieber genauer hinschauen. Denn längst nicht mehr alle Tafeln, die aussehen wie eine 100-Gramm-Tafel, bieten auch tatsächlich diese Füllmenge. So hat sich Milka-Hersteller Mondelez in den vergangenen Jahren teilweise von der erlernten Einheitsgröße verabschiedet. Zwar haben die Milka-Standardsorten immer noch 100 Gramm. Daneben hat Milka aber wiederholt neue Sorten mit immer weiter reduzierter Füllmenge auf den Markt gebracht, wie die Verbraucherzentrale Hamburg auflistet: Zunächst eine Himbeersorte mit 93 Gramm Inhalt, dann Triple Choco Kakao mit 90 Gramm, eine Keksvariante mit 87 Gramm - und zuletzt Milka Waves mit nur noch 81 Gramm.


Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht darin den Versuch, die Kunden zu täuschen. Denn die neuen Sorten mit weniger Inhalt haben das gleiche Format und auch den gleichen Preis wie die Milka-Standardtafeln, die nach wie vor 100 Gramm schwer sind. "Wir vermuten, dass nur wenige Verbraucher das Gewicht einer Tafel Schokolade kontrollieren, wo doch viele immer noch von der erlernten Menge von 100 Gramm ausgehen. So schafft es Mondelez, viele Verbraucher auszutricksen", schreibt die Verbraucherzentrale. Auf 100 Gramm gerechnet liege der Preis der Sorte "Waves" bei 1,35 Euro, doch "so viel würden viele Menschen dafür wohl nicht zahlen", vermuten die Verbraucherschützer. 

Mondelez kann dagegen keine Abzocke erkennen: "Das Besondere an dem Neuprodukt Waves ist die außergewöhnliche Form, die geteilte Farbgebung sowie die Topping Garnitur. Sie können sich vorstellen, dass die Produktion eines solchen Produktes aufwendiger ist, als die Herstellung einer 'einfachen' Alpenmilchschokolade", schreibt der Milka-Hersteller in einer Stellungnahme. Da die Standard-Produktionsanlagen auf ein einheitliches Verpackungsformat ausgelegt seien, könne man die neue Sorte auch nicht einfach dicker machen, sodass sie eine Füllmenge von 100 Gramm erreiche, fügt das Unternehmen hinzu.

Für die Verbraucherzentrale passt das Vorgehen dagegen ins Bild. Auch bei anderen Milka-Produkten seien in letzter Zeit die Füllmengen reduziert worden, um eine versteckte Preiserhöhung durchsetzen zu können. So schrumpfte der Schokoriegel Milka-Nussini von 37 auf 31,5 Gramm und die Milka Choco Wafer enthalten nur noch fünf statt sechs Kekse. Einen anderen Weg geht übrigens Konkurrent Ritter Sport. Er behält die 100 Gramm-Regel bei, nimmt aber für Sorten mit teuren Zutaten höhere Preise. So kosten alle Vollnussvarianten seit vergangenem Jahr 20 Cent mehr, die als vegan ausgewiesene neue Sorte "Dunkle Mandel Quinoa" liegt mit 1,99 Euro sogar 90 Cent über dem Standardpreis. 

Schlanke Flasche, fetter Preis: Mogelpackung des Monats: Der Weichspüler-Trick von Henkel
Die neue Version des Weichspülers "Vernel Soft & Oils" (links) hat deutlich weniger Inhalt, kostet aber mehr. Auf den Liter gerechnet zahlt der Kunde laut Verbraucherzentrale Hamburg 67 Prozent (bei Real) oder sogar 99 Prozent (Rewe) mehr. Hersteller Henkel aber rechnet anders: Wegen der "erhöhten Parfümkonzentration" wurde die Dosierempfehlung gesenkt, sodass der Inhalt für fast genauso viele Waschladungen reichen soll. Ob der Verbraucher wirklich sparsamer mit dem Weichspüler umgeht? Die Dosierkappe ist jedenfalls gleich groß geblieben.

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