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#StopFundingHate Nach stern-Recherchen: Weitere Firmen stoppen Werbung auf rechten Seiten

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Nach Recherchen des stern haben Unternehmen wie Opel und TUI ihre automatisiert geschalteten Anzeigen auf rechtsextremen Webseiten gestoppt. Nun folgen ihnen weitere Firmen – darunter De'Longhi und XXXLutz.

Nach Konzernen wie Adidas, Opel und VW stoppt eine Reihe weiterer Firmen Anzeigenschaltungen auf rechtspopulistischen Webseiten. So teilten die Hersteller Weber (Grillgeräte) und De'Longhi (Kaffeemaschinen) sowie die Möbelhauskette XXXLutz nun auf stern-Anfrage mit, umstrittene Seiten wie "Breitbart" oder "Epoch Times" künftig für Anzeigenschaltungen zu blockieren. Zuletzt waren automatisiert ausgespielte Kampagnen großer Markennamen wiederholt auch auf extremistischen Webseiten gelandet. Zunächst hatte VW zugesichert, derartige Werbung zu unterbinden, jüngst waren Adidas und Opel gefolgt. 

Die Firmen reagieren damit auch auf eine Initiative namens #StopFundingHate, die es sich im Netz zum Ziel gesetzt hat, rechtslastigen Websites finanziell das Wasser abzugraben. Die Aktion wurde von den Werbe-Fachleuten Thomas Koch und Michael Maurantonio ins Leben gerufen. Die beiden hatten über Wochen Anzeigen auf Online-Angeboten des rechten Spektrums dokumentiert und dabei festgestellt, dass dort immer wieder bekannte Markenhersteller sowie Institutionen werben – und dadurch die Medieninhalte indirekt mitfinanzieren. Sogar das Schulministerium Nordrhein-Westfalens war mit einer Lehrerkampagne auf einer dieser Seiten präsent.

Werbung für D'Longhi auf der "Epoch Times"
Prominent platziert: Werbung für De'Longhi auf der "Epoch Times"
© Screenshot / stern

Die Werbeschaltungen erfolgen in der Regel nicht gezielt auf den umstrittenen Seiten. Sie sind das Resultat vollautomatisierter Kampagnen-Steuerung, die sich nach Online-Nutzerprofilen ausrichtet. Wenn Werbungtreibende verhindern wollen, dass dabei ihre Anzeigen auch auf ungeliebten Websites sichtbar werden, müssen sie diese gezielt sperren. Das geschieht über sogenannte Blacklists. Die bedürfen der Pflege und der Kontrolle. Genau hieran haperte es offenbar.

"Seite steht Unternehmenswerten komplett entgegen"

So tauchten Anzeigen des Einrichtungshauses XXXLutz etwa bei "Epoch Times" auf. "Dass unsere Werbung im Zusammenhang auf dieser ... besagten Seite ausgespielt wird, steht unseren Unternehmenswerten komplett entgegen", teilte das Unternehmen mit. Offenkundig stehe "diese Seite nicht auf dem auszuschließenden Index, weshalb wir dies umgehend händisch veranlasst haben". Die De’Longhi Deutschland GmbH distanzierte sich ebenfalls "ausdrücklich von der politischen Ausrichtung der 'Epochtimes.de'". Man habe die Anfrage "zum Anlass genommen, umgehend eine Möglichkeit des manuellen Ausschlusses zu prüfen".

Werbung für XXXLutz
Werbung für XXXLutz auf "Epoch Times"
© Screenshot / stern

Und auch Grill-Hersteller Weber reagierte zerknirscht. Ende März waren Anzeigen bei Breitbart erschienen. Nun versichert Marketingleiter Jan Roman Redeker, das Unternehmen habe "zu keiner Zeit" bewusst Anzeigen auf dieser Website geschaltet: "Es widerspricht unserer Philosophie, im extremistischen Umfeld zu werben." Man bedauere den Vorfall. Das Unternehmen wolle nun "sicherstellen, dass ... die Werbeschaltung auf extremistischen Plattformen verhindert wird."

Werbung für Weber auf "Breitbart"
Werbung für Weber auf der rechten US-Seite "Breitbart"
© Screenshot / stern

Rund 60 Firmen tauchen auf der Liste von #StopFundingHate auf. Im Februar hatte bereits VW auf einen entsprechenden Bericht reagiert. Vergangene Woche folgten auf stern-Konfrontation hin unter anderem Adidas, Opel und die Norddeutsche Klassenlotterie. 

Hinweis zur Transparenz: Auch der stern hat #stopfundinghate zum Anlass genommen, die automatisierte Werbe-Ausspielung für seine Produkte zu überprüfen. Tatsächlich fielen hierbei Lücken bei der Führung der Blacklist auf. Diese wurden geschlossen.


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