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Weniger Fett, Salz und Zucker?: Verbraucherschützer kritisieren Nestlés Zucker-Strategie - so wehrt sich der Konzern

Nestlé will in seinen Produkte den Zuckeranteil um rund zehn Prozent reduziert haben. Die Verbraucherschützer aus Hamburg haben per Stichprobe Produkte geprüft. Und kritisieren den Konzern: Bei einigen Produkten stieg der Zuckeranteil.

Vor knapp zwei Wochen hagelte es scharfe Kritik an  Julia Klöckner (CDU), der Bundesernährungsministerin. Sie hatte sich gemeinsam mit dem Chef des Lebensmittelkonzern Nestlé in einem Video gezeigt und die Anstrengungen des Unternehmens, weniger Fett, Salz und vor allem Zucker in die Produkte zu stopfen ausdrücklich gelobt. Mieser Industrie-Lobbyismus fauchten ihre Kritiker - finanziert durch Steuergeld. Eine absolute Frechheit!

Die Verbraucherschützer aus Hamburg wollten es genau wissen. Denn in dem gemeinsam veröffentlichten Video mit der Bundesministerin feiert sich Mark-Aurel Boersch, CEO von Nestlé Deutschland, dafür, dass sein Unternehmen den Anteil von Fett, Salt und Zucker in den letzten Jahren und  "circa 10 Prozent reduzieren" konnte. Per Stichproben-Test schauten die Verbraucherschützer bei insgesamt 24 Nestlé-Produkten nach. Und ihre Bilanz sei enttäuschend, so die VZ Hamburg. 

Lebensmittel: Nestlé-Produkte im Check der Verbraucherzentrale
Choclait Chips im Test

Bei Neslés Choclait Chips ist der Fett- und Zuckergehalt sogar gestiegen. Das macht sich auch bei den Gesamtkalorien bemerkbar. Lediglich beim Salz zeigen sich die Verbraucherschützer zufrieden.

"Mit den Vergleichswerten unserer Stichprobe können wir die Aussagen des Nestlé-Chefs nicht bestätigen", so Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Durchschnittlich habe Nestlé den Zuckergehalt lediglich um 5,7 Prozent gedrückt, bei Fett waren es 0 Prozent. Und: Mehr als die Hälfte der geprüften Produkte weise einen gleichen oder sogar noch höheren Zuckeranteil auf, so die Verbraucherschützer. Bei 60 Prozent der Nestlé-Produkte sei der Fettanteil gleich geblieben oder sogar gestiegen.

Hier konnte Nestlé punkten

Lichtblick für die Verbraucherschützer seien die Frühstücksflocken "Nesquik Duo" und "Fitness Knusperflakes", hier reduzierte Nestle den Zuckeranteil um über 30 Prozent. Auch der Schokopulver "Nesquik Kakaopulver 30 % weniger Zucker" hielte, was es verspricht. Im Gegenzug allerdings bleibt das klassische Kakaopulver von Nesquik weiterhin eine Zuckerbombe: Über 75 Prozent Zuckeranteil steckt in dem braunen Pulver. Insgesamt wurden nur bei vier von 24 Produkten die versprochene Reduktion von Zucker um 10 Prozent eingehalten. Trauriger Höhepunkt: Die Spargelcremesuppe von Maggi. Ein Plus von 200 Prozent beim Zucker im Vergleich zur früheren Rezeptur.

Auch beim Fettanteil sind die Verbraucherschützer mit Nestlé unzufrieden. Nur drei der 24 Produkte sank der Fettgehalt, nämlich bei "Nesquik Duo" und "Clusters Mandel". Salz hingegen konnte der Konzern deutlich stärker aus seinen Produkten verbannen. Durchschnittlich um 11,3 Prozent sank der Salzgehalt.

Das sagt Nestlé zu den Vorwürfen

Bei dem Check handelt es sich lediglich um einen Stichproben-Test - und nicht um eine umfassende Untersuchung der Nestlé-Produkte. "Nestlé Deutschland bietet derzeit etwa 5.200 verschiede Produkte an. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat sich hiervon 24 Produkte für ihre nicht repräsentative Stichprobe ausgesucht. Nestlé hat sich freiwillig dazu verpflichtet den durchschnittlichen Gehalt an zugesetztem Zucker, Salz und gesättigten Fetten schrittweise zu reduzieren", so Nestlé zum stern. "Insgesamt hat die Nestlé Deutschland in den letzten 5 Jahren durchschnittlich etwa 12 Prozent Salz, 8 Prozent gesättigte Fette und 7 Prozent zugesetzten Zucker reduziert."

Wichtig sei Nestlé, dass die Produkte auch mit weniger Fett, salz und Zucker schmecken. "Zentral bei allen Überarbeitungen ist die Verbraucherakzeptanz. Unsere Bemühungen den Zucker-, Salz- oder Gehalt an gesättigten Fetten zu reduzieren, haben nur dann Erfolg, wenn die Verbraucher unsere Produkte immer noch mögen und nicht beispielsweise bei der Zubereitung oder am Tisch nachsalzen oder zu einem anderen Produkt mit einem höheren Gehalt an Zucker oder Salz greifen", so Nestlé. "Die Aussage im Video fasst unsere Fortschritte pauschal zusammen. Wir arbeiten auch künftig weiter daran zugesetzten Zucker, Salz und gesättigtes Fett in unseren Produkten zu reduzieren."

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