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Opelwerk Bochum: Produktion steht bis mindestens Montag still

Der Opel-Betriebsrat in Bochum berät über das weitere Vorgehen. Klar ist: Bis Montag wird auf jeden Fall noch gestreikt.

Im Opel-Werk Bochum steht die Produktion wegen des Streiks wütender Arrbeiter zumindest bis Montag still. "Vorher wird das auf keinen Fall was werden", sagte Franco Biagotti vom Opel-Betriebsrat. Der Betriebsrat beriet tagsüber über das weitere Vorgehen. Der Europa-Chef des Mutterkonzerns General Motors, Fritz Henderson, schloss eine Werkschließung langfristig nicht aus. Bis 2006 werde aber kein deutsches Werk dichtgemacht. Sein Stellvertreter Carl-Peter Forster sagte, Opel plane die Gründung einer Auffanggesellschaft.

Biagotti sagte, auch die Produktion im Komponentenbereich finde an diesem Wochenende nicht statt. Noch im Laufe des Tages wollte der Betriebsrat über weitere Maßnahmen entscheiden. In Bochum sollen rund 4.000 von derzeit 10.000 Stellen wegfallen.

Streichung von 10.000 Jobs kein Dogma

Ein Treffen mit der Unternehmensleitung am Freitagabend bewertete Biagotti mit den Worten: "Wir sind nicht unzufrieden. Mein Eindruck war, dass es General Motors darum geht, Geld einzusparen. Es müssen wohl nicht unbedingt Köpfe sein." Forster hatte nach einer Sitzung des Opel-Aufsichtsrats in Rüsselsheim angedeutet, die angekündigte Forderung nach Streichung von 10.000 Jobs sei kein Dogma.

Kritik an Arbeitsniederlegungen

GM-Europa-Chef Henderson kritisierte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Arbeitsniederlegungen. "In diesem frühen Stadium der Verhandlungen helfen Streiks nicht." In mehreren Medien schloss er die Schließung eines Opel-Werks ab dem Jahr 2008 nicht aus: "Wenn es um die Planung neuer Modelle wie der nächsten Mittelklasse geht, müssen wir klären, wo deren Produktion sinnvoll konzentriert werden kann", wird er im "Spiegel" zitiert. Der "Welt am Sonntag" sagte er, das Bochumer Werk stehe von allen deutschen Opel-Werken am schlechtesten da.

Hendersons Stellvertreter Forster sprach in der "Welt am Sonntag" über Pläne, eine Auffanggesellschaft für die entlassenen Mitarbeiter zu gründen. "Wenn es uns gelingt, die betreffenden Mitarbeiter in Beschäftigungsgesellschaften zu überführen, können wir betriebsbedingte Kündigungen vermeiden", wird er zitiert.

In den Auffanggesellschaften sollten die Arbeitsplätze für zwei Jahre garantiert werden, berichtete die Zeitung. Die Beschäftigten müssten dafür Lohneinbußen akzeptieren; bei GM werde mit Löhnen gerechnet, die um zehn Prozent unter dem Metall-Tarifvertrag liegen würden. Derzeit verdienen die Opel-Beschäftigten 20 Prozent über Tarif. GM würde sich durch die Auffanggesellschaft einen teuren Sozialplan ersparen.

Der Name Opel könnte verwchwinden

Forster räumte Versäumnisse des früheren Opel-Managements ein. "In der Vergangenheit wurden große Fehler gemacht. Es wurde nicht rechtzeitig gegengelenkt", sagte er der "Welt am Sonntag". Von Management-Fehlern sprach auch der Branchenexperte der Deutschen Bank, Hans-Joachim Frank, im Norddeutschen Rundfunk. "Das kann man dann so auf die Schnelle nicht ausgleichen, und dann versucht man eben, durch Kostensenkung diese Schwierigkeiten zu lösen." Zum Beispiel habe man bei Opel den Trend zu Dieselfahrzeugen "etwas verschlafen".

Laut "Focus" ist fraglich, ob von Opel überhaupt etwas übrig bleibt. Manager der Europazentrale dächten darüber nach, den Opel-Schriftzug von den Fabriken verschwinden zu lassen, berichtete das Magazin. Erhalten bleibe er bei der Bezeichnung der Autos.

AP / AP