VG-Wort Pixel

Nach Unfallserie Peloton-Desaster: Das Laufband, das Kinder zerquetscht, wird zurückgerufen

Peleton
Sehen Sie im Video: Lebensgefahr für Kinder – US-Behörde warnt mit Video vor Laufbändern.




Glück im Unglück: Weil der große Ball das Laufband stoppt, kann sich der kleine Junge schließlich selbstständig wieder befreien. 
Ein anderes Kleinkind soll aber bei einem ähnlichen Vorfall gestorben sein. 
Zu dem Unfall kam es, weil die größere Schwester des kleinen Jungen das Laufband in Betrieb gesetzt hatte.   Insgesamt wurden der US-Behörde 39 Unfälle mit Geräten der Marke Peloton gemeldet, in denen Kinder und Haustiere unter den Geräten verletzt wurden.
Deshalb warnt die Behörde jetzt die Besitzer der Geräte, sie nicht mehr zu benutzen, wenn Kinder oder Haustiere in der Nähe sind. 
Der Peloton Tread+ ist ein Luxus-Lauftrainer, die Preise beginnen bei 4300 US-Dollar. 
Die Firma Peloton hat der Einschätzung der US-Behörde in einer Erklärung widersprochen, sie gab an, die einseitige Pressemitteilung der Consumer Product Safety Commission zum Peloton Tread + Laufband sei ungenau und irreführend. Der Tread + werde mit Sicherheitshinweisen und Warnungen geliefert, um seine sichere Verwendung zu gewährleisten.
Mehr
Fitnessgeräteanbieter Peloton zählte zu den großen Gewinnern in der Pandemie. Dann starb ein Kind, weitere wurden verletzt. Nun muss die Firma ihre Luxus-Laufbänder zurückrufen und ist von Klagen bedroht.

Die US-Firma Peloton hat in der Corona-Krise einen gigantischen Boom erlebt. Schließungen von Fitnessstudios und Vor-Ort-Sportangeboten haben die Nachfrage nach den Heimfitnessgeräten und den zugehörigen Onlinekursen des Unternehmens explodieren lassen. Zwischenzeitlich kam das Unternehmen mit der Auslieferung gar nicht mehr hinterher, allein im Weihnachtsquartal setzte Peloton eine Milliarde Dollar um. Sogar US-Präsident Joe Biden brachte Anfang des Jahres ein Peloton-Gerät mit ins Weiße Haus.

Doch nun gerät der Pandemiegewinner gehörig ins Straucheln. Nach einer Serie von Unfällen ruft Peloton seine hochpreisigen Laufbänder mit Touchscreen in den USA zurück. Die Fitnessgeräte, die für 4300 Dollar (entspricht rund 3600 Euro) verkauft werden, stehen im dringenden Verdacht, ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko für kleine Kinder darzustellen. 

Peloton reagiert spät

Bereits im März war der Fall eines sechsjährigen Jungen bekannt geworden, der von dem Gerät tödlich verletzt worden war. Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC berichtete Mitte April dann von 39 Zwischenfällen, bei denen es zu Verletzungen gekommen war und sprach eine "dringende Warnung" aus.

Peloton wies die Warnung zunächst zurück – und reagierte nun mit Wochen Verspätung. "Peloton hat einen Fehler gemacht", sagte Konzernchef John Foley am Mittwoch. Von dem Produktrückruf sind rund 125.000 Geräte betroffen. Zudem wird auch ein zweites günstigeres Modell zurückgerufen, weil die Gefahr besteht, dass der Touchsreen abbrechen kann. In Deutschland werden die Laufbänder nicht verkauft, sondern lediglich die Fahrrad-Ergometer von Peloton. 

Fahrrad

Jetzt drohen Klagen

Worin das Sicherheitsrisiko für Kinder besteht, zeigt eindrücklich ein Video, das die CPSC im April veröffentlichte. Ein kleiner Junge wird darin mitsamt seines Spielballs unter das Laufband gezogen, das zuvor von der älteren Schwester eingeschaltet worden war. Nur weil sich das Gerät von selbst abschaltete, sodass sich das Kind wieder befreien kann, blieb in diesem Fall Schlimmeres aus. Insgesamt weiß die Verbraucherschutzbehörde von 72 Fällen, in denen Erwachsene, Kinder, Haustiere oder Gegenstände unter den hinteren Teil des Laufbands gezogen wurden.

Peloton muss nun nicht nur mit Einbußen in Folge des Produktrückrufs rechnen. Zusätzlich drohen Schadensersatzklagen von betroffenen Kunden sowie von Aktionären, die sich gegen erlittene Kursverluste wehren. Der Aktienkurs war kurz nach dem Produktrückruf um 15 Prozent eingebrochen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte es einen Produktrückruf für Fahrrad-Ergometer von Peloton gegeben, nachdem Pedalen zu Bruch gegangen waren. Laut CPSC waren 27.000 Peloton-Bikes davon betroffen. Auch um die Sicherheit von Nutzerdaten hatte es bereits Kontroversen gegeben.

bak

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker