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Gläserner Konsument: Warum Real die Gesichter der Kunden per Kamera analysiert

Supermärkte wollen so viel wie möglich über ihre Kunden erfahren: Was kaufen sie ein, was hält vom Kauf ab? In 40 Real-Filialen werden Kunden im Kassenbereich von Kameras gescannt. Alter und Geschlecht kennt der Händler nun - aber das ist erst der Anfang.

Real will mehr über seine Kunden wissen

Real will mehr über seine Kunden wissen - und analysiert die Gesichter der Kunden

Es sind die Urfragen im Handel: Was will der Kunde? Für welche Themen und Produkte interessiert er sich? Und: was hält ihn vom Kauf ab? Für die großen Online-Shops sind diese Fragen längst geklärt. Algorithmen analysieren das Kaufverhalten im Netz. Wer einmal nach hellbraunen Herrenslippern gesucht hat, bekommt sie noch Wochen später durch personalisierte Werbung angezeigt. , Amazon und Co. kennen ihre Kunden: Geschlecht, Alter, persönlicher Geschmack, maximaler Preis  - das alles ist Grundlage um dem Kunden das passende Angebot anzuzeigen.

Genau diese Möglichkeiten haben Geschäfte, Supermärkte und Discounter nicht. Sie kennen den Kunden nur halb so gut - zumindest bislang. Denn auch die stationären Händler wollen ihre Kundschaft besser kennenlernen. Die Supermarktkette Real testet seit vergangenem Herbst in rund 40 Filialen im Kassenbereich eine digitale Neuerung. Dort hängen Monitore, auf denen Werbung angezeigt wird. Kameras analysieren die Kunden: Sind sie männlich, weiblich, jung oder alt? Je nach Ergebnis wird eine passgenaue Werbung ausgespielt und die Blickdauer der Kunden erfasst, berichtet die "Lebensmittelzeitung".

Software-Unternehmen durchleuchten Kunden

Diesen Test führt Real mit dem Unternehmen Echion aus, an das die Supermarktkette Werbeplätze vermietet. "Es ist spannend, da man sich im stationären Einzelhandel das erste Mal in Richtung Google bewegt", sagt Echion-Chef Michael Kimmich zur "Lebensmittelzeitung". Sein Unternehmen soll die Entwicklung der Technologie bei Real vorantreiben. Und er gibt sich zuversichtlich, dass schon bald fast alle der 283-Real-Filialen mit seiner Technik ausgerüstet sind. 

Tatsächlich sind einige Unternehmen in diesem Segment unterwegs und wollen den Kunden für die Händler lesbar machen. Dahinter steckt oftmals , die lernen kann - wie Shore, eine Software, die vom Fraunhofer-Institut entwickelt wurde. Das Ziel der Tech-Firmen ist klar: Die Kunden sollen bestmöglich analysiert werden.

Kunden wissen nichts von den Kameras

Allerdings bekommen die Kunden davon nichts mit. Die Anbieter sehen aus datenrechtlichen Gründen kein Problem, so die "Lebensmittelzeitung", denn es würden keine personenbezogenen Daten erhoben werden. Verbraucherschützer hingegen üben Kritik an der Praxis, "weil es nach unserer Auffassung unter die Vorschriften zur Videoüberwachung fällt", sagt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar zur "LZ". "In dem Moment, in dem Bilder von Personen durch Kameras erhoben werden, ist das nicht mehr anonym."

Doch die bei Real zum Einsatz kommenden Kameras seien erst der Anfang, meinen Experten. "Künstliche emotionale Intelligenz wird bald auf breiter Fläche Einzug in den Alltag erhalten", sagt Björn Schuller, Informatikprofessor an der Universität Passau, zur Zeitung. Schon heute könne die Technik nicht nur Alter und Geschlecht, sondern auch Emotionen vom Gesicht ablesen. Ein weiterer Schritt: Die Bekleidung zu analysieren, um auf die Kaufkraft der Kunden zu schließen. 

kg

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