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Richard David Precht Bestseller-Autor fordert 25-Prozent-Steuer "auf all den Kram, den wir online bestellen"

Richard David Precht ist für eine Onlineshopping-Steuer
Schuhe, Handys, den Wocheneinkauf. All das kann man inzwischen im Internet bestellen. Und das nutzen die Menschen in Deutschland immer häufiger. Doch um welchen Preis? Der Philosoph und Bestseller-Autor Richard David Precht warnt vor einer Verödung der Innenstädte. Das Online-Shoppen habe die urbane Kultur zerstört. Mittlerweile stehe von drei Läden einer leer, sagte er dem «Handelsblatt». ZITAT Richard David Precht, Philosoph: «Mittlerweile steht von drei Läden mindestens einer leer, während die anderen beiden von Ramsch-Boutiquen und Dönerbuden bespielt werden.» Es gebe keinen Grund mehr, am Wochenende in die Innenstadt zu gehen, findet der Bestseller-Autor. Darunter leide das Gemeinschaftsgefühl. Seine Idee: Die Einführung einer 25-prozentigen Steuer auf «all den Kram, den wir tagein, tagaus online bestellen», wie er sagt. Das eingenommene Geld solle den Kommunen für Strukturentwicklung zur Verfügung gestellt werden. Dann gäbe es wieder einen echten Einzelhandel, glaubt er. Und auch mehr Öffentlichkeit und Gemeinsinn.
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Philosoph und Bestseller-Autor Richard David Precht sieht durch den Online-Handel unsere Gesellschaft bedroht und warnt vor der Verödung der Innenstädte. Er fordert eine 25-Prozent-Steuer auf alle Onlinekäufe.

Philosoph und Bestseller-Autor Richard David Precht hat in einem Interview vor den gesellschaftlichen Folgen des zunehmenden Online-Handels gewarnt. "Onlineshoppen hat die urbane Kultur zerstört", sagte Precht im Gespräch mit dem Handelsblatt. Vielerorts gebe es "keinen Grund mehr, am Wochenende in die Innenstadt zu gehen. Darunter wiederum leidet das Gemeinschaftsgefühl."

Erst kürzlich habe er wieder mal seine Heimatstadt Solingen besucht – und sei "entsetzt" gewesen. "In meiner Kindheit war die Fußgängerzone voller qualifizierter Einzelhändler", erinnert sich der 54-Jährige. "In den Neunzigerjahren rollten die Filialketten das Terrain auf. Mittlerweile steht von drei Läden mindestens einer leer, während die anderen beiden von Ramschboutiquen und Dönerbuden bespielt werden."

Um der Verödung der Innenstädte entgegen zu wirken, schlägt Precht die Einführung einer Onlineshopping-Steuer vor: "Eine 25-prozentige Steuer auf all den Kram, den wir tagein, tagaus online bestellen." Die Einnahmen aus der Steuer sollten den Kommunen für die Strukturentwicklung zur Verfügung gestellt werden, schlägt Precht vor.

Dumme Ideen aufhalten

Die Zeit könne man zwar nicht aufhalten, erklärt der populäre Philosoph, "aber dumme Ideen schon". Nicht jede Innovation sei ein Fortschritt. "Ich möchte gerne eine für unsere Demokratie wie unsere Wirtschaft hochproblematische Entwicklung stoppen. Meine Steuer-Idee würde die Zukunft wahrscheinlich lebenswerter machen." Ein echter Einzelhandel bedeute mehr Öffentlichkeit und Gemeinsinn.

In dem Interview unterstützt Precht auch die Idee eines allgemeinen Grundeinkommens und fordert, den Kapitalismus mit seinem Streben nach Wachstum, Expansion und Ressourcenverbrauch zu "zivilisieren".

Precht wurde durch seinen philosophischen Bestseller "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?" bekannt und ist regelmäßig als Moderator oder Talkshowgast im Fernsehen zu sehen. Am 14. Oktober erscheint Prechts neues Buch "Sei du selbst: Geschichte der Philosophie 3". Zudem wird er künftig regelmäßig als Kolumnist für den stern schreiben.

Quelle: Handelsblatt

bak

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