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Riesenkraftwerk in USA: Solaranlage verbrennt Vögel in der Luft

In Kalifornien ist seit Kurzem eine riesige Solaranlage mit 350.000 Spiegeln in Betrieb. Sie erzeugt Energie für 140.000 Häuser - und hat fatale Nebenwirkungen: Sie verbrennt Vögel in der Luft.

Von weitem sieht es aus wie ein glitzernder See mitten in der Wüste, der von wenigen Straßen durchzogen ist. Doch nähert man sich der Ivanpah Solar Electric Generating Station, einem riesigen Solarfeld südwestlich von Las Vegas, sieht man, woher das Glitzern kommt: Es sind Spiegel, so weit das Auge reicht, die das Sonnenlicht reflektieren. Das gigantische Solarkraftwerk ist das erste seiner Art: Es erstreckt sich über 1416 Hektar Land, damit ist es in etwa so groß wie 2000 Fußballfelder. Die Münchner Theresienwiese, auf der das Oktoberfest stattfindet, würde fast 34 Mal auf das Gelände passen.

Fast 350.000 Spiegel, jeder ist so groß wie ein Garagentor, stehen in der Mojave-Wüste, einem der sonnigsten Plätze der USA. Sie fangen das Sonnenlicht ein und projizieren es auf einen Heizkessel auf einem von insgesamt drei riesigen Türmen. In den Heizkesseln stecken Boiler, in denen Dampf erzeugt wird, der wiederum Stromaggregate antreibt. Grüne Energie aus der Wüste, für Millionen Bürger, das ist der Traum der kalifornischen Regierung.

Spiegel statt Seenlandschaft

Bei voller Auslastung könne die Anlage etwa 140.000 Häuser mit Strom versorgen, sagen die Projektbesitzer NRG Energy. Dadurch würden 400.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr eingespart werden, das entspricht dem Jahresverbrauch von 72.000 Fahrzeugen. Doch ob es dazu langfristig kommen wird, ist ungewiss: Das 2,2 Milliarden US-Dollar teure Großprojekt, an dem auch Google beteiligt ist, ist seit der Eröffnung vergangenen Donnerstag in die Kritik geraten. Denn die dort verwendete Technologie hat sich als Todesfalle für Vögel herausgestellt. Vögel, die das Gelände rund um die Türme in zu niedriger Höhe überqueren, können sich die Federn versengen und abstürzen. Denn die Luft wird durch die Spiegel auf knapp 540 Grad erhitzt.

Vermutlich kollidieren die Vögel mit Gebäudeteilen, glauben Mitarbeiter der Naturschutzbehörde. Umso kritischer bewerten sie das nächste Projekt von Bright Source: Dort sollen die Türme knapp 230 Meter hoch werden, so hoch wie ein 70-stöckiges Gebäude und damit fast doppelt so groß wie beim Ivanpah-Solarkraftwerk. Andere Vogelexperten vermuten, dass die Vögel die Anlagen für einen glitzernden See halten und sich nach der Landung in den Spiegeln verfangen.

Dutzende tote Vögel auf dem Gelände

Die Gefahr für Vögel sei den Betreibern schon bei der Planung bewusst gewesen, räumt die Firma Bright Source Energy im "Wall Street Journal" ein. Sie hat die Tower-Power-Solartechnologie entwickelt. Schon vor wenigen Monaten, als die Solaranlage zu Testzwecken in Betrieb ging, habe man anschließend Dutzende tote Vögel rund um das Kraftwerk eingesammelt, berichtet die Firma. Dass aber schon während der Bau- und Testphase so viele Vögel sterben, habe die Verantwortlichen dann aber doch überrascht, schreibt die Wirtschaftszeitung.

Unter den toten Vögeln fanden sich ein Wanderfalke, ein Taucher, zwei Habichte, vier Nachtfalken und mehrere Waldsänger und Sperlinge. Staats- und Bundesaufseher wollen nun in einer zweijährigen Studie beobachten, welche Folgen die Solaranlage auf die Vogelwelt hat. "Es ist noch viel zu früh, um anhand der Daten, die wir gesammelt haben, endgültige Schlüsse über die langfristigen Einflüsse auf Vögel oder andere Arten zu ziehen", sagt Jeff Holland, der Sprecher des Projektbetreibers NRG, dem "Wall Street Journal". Auch Bright Source gelobt Besserung: Das Unternehmen werde das Problem in den Griff bekommen und bei weiteren Großanlagen, die in Kalifornien errichtet werden sollen, dieselben Fehler vermeiden, schreibt die "International Business Times".

Doch ob weitere Großprojekte gebaut werden, steht in den Sternen. Pläne für ähnliche Kraftwerke wurden für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Denn auch bei zwei weiteren Solaranlagen in den USA kommt es zu einem Vogelsterben: Eine nutzt Sonnenkollektoren, die andere verspiegelte Wannen.

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Der Autor Christoph Fröhlich auf Google+

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