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Studie Schlecht bezahlt trotz Vollzeitjob: Wo die meisten Geringverdiener wohnen

Ein Blick auf Görlitz. In der Stadt wohnen besonders viele Geringverdiener 
Ein Blick auf Görlitz. In der Stadt wohnen besonders viele Geringverdiener 
© Florian Gaertner / Picture Alliance
Fast jeder fünfte Beschäftigte verdient trotz Vollzeitjob weniger als 2284 Euro brutto. Eine Studie zeigt, wo besonders viele und wo besonders wenige Geringverdiener wohnen.

Vollzeit arbeiten und am Ende des Monats trotzdem nur mit einem kargen Lohn nach Hause gehen – das passiert in Deutschland Millionen Menschen. Dabei ist der Anteil an Geringverdienern regional aber sehr unterschiedlich ausgeprägt, zeigt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Als Geringverdiener sind hier alle Vollzeitbeschäftigten definiert, die weniger als zwei Drittel des mittleren Bruttoeinkommens verdienen. Die Schwelle liegt für das Jahr 2020 bei genau 2284 Euro im Monat. Weniger verdienten bundesweit 18,7 Prozent, also etwa jeder fünfte Arbeitnehmer in Vollzeit. 

Osten holt auf, liegt aber noch hinten

Die gute Nachricht: Die Gruppe der Geringverdiener in Vollzeit wird seit Jahren immer kleiner. 2011 hatten noch 21,1 Prozent der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in dem sogenannten "unteren Entgeltbereich" gelegen. Die positive Entwicklung liegt vor allem an einem Aufholprozess in den ostdeutschen Bundesländern: Während die Geringverdiener-Quote im Westen seit zehn Jahren durchgängig zwischen 16 und 17 Prozent liegt, ist sie im Osten (inklusive Berlin) seit 2011 von 39 auf 29 Prozent zurückgegangen.

Dennoch sind es ausschließlich Städte und Landkreise in Ostdeutschland, die in der Statistik mit den höchsten Geringverdiener-Quoten hervorstechen. Im Erzgebirgskreis, in Görlitz, im Saale-Orla-Kreis, in Vorpommern-Rügen und im Vogtlandkreis verdienen jeweils mehr als 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten weniger als die besagten 2284 Euro brutto. Die wenigsten Geringverdiener gibt es dagegen in Wolfsburg (6,4 Prozent), Erlangen (8,3 Prozent), Stuttgart (8,9 Prozent) und München (9,1 Prozent) – alles wohlhabende Städte im Westen.

Tabelle: Anteil Vollzeitbeschäftigter mit weniger als 2284 Euro Bruttoeinkommen

Erzgebirgskreis

43,2%

Görlitz

42,5%

Saale-Orla-Kreis

41,2%

Vorpommern-Rügen

40,8%

Vogtlandkreis

40,2%

Deutschland

18,7%

Ingolstadt

9,5%

München

9,1%

Stuttgart

8,9%

Erlangen

8,3%

Wolfsburg

6,4%

Quelle: WSI

Unterschiede nach Geschlecht, Ausbildung, Branchen

Zu berücksichtigen ist bei der Bewertung allerdings, dass es hier nur um das Geld auf dem Lohnzettel geht und nicht um das, was letztlich zum Ausgeben übrig bleibt. "In Regionen mit hohen Mieten sind zumeist auch die Löhne höher. Das bedeutet aber nicht unbedingt mehr Kaufkraft für die Beschäftigten, weil die Mieten und Preise den höheren Lohn gleichsam auffressen", sagt Studienautor Eric Seils. Die Geringverdiener-Grenze ist aber gemäß der Definition der Bundesarbeitsagentur bundesweit gleich angesetzt. 

Abgesehen von regionalen Unterschieden gibt es weitere Erkenntnisse: So liegen bundesweit 25,4 Prozent der in Vollzeit arbeitenden Frauen unter der Geringverdiener-Grenze, aber nur 15,4 Prozent der Männer. Von den Beschäftigten ohne Berufsabschluss sind es 40,8 Prozent, mit Berufsausbildung 17,8 Prozent und mit Hochschulstudium nur 4,9 Prozent.

Und auch zwischen den Branchen gibt es große Unterschiede. Im Gastgewerbe verdienen fast sieben von zehn Vollzeitbeschäftigten unter 2284 Euro brutto. In der Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei ist es mehr als jeder Zweite. In der Metall- und Elektroindustrie dagegen sind nur 7,6 Prozent betroffen und im öffentlichen Dienst nur 2,5 Prozent. Alle Daten stammen aus der Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit.

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