HOME

Familiendynastie: Swarovski - das zerstrittene Kristall-Imperium mit der dunklen Vergangenheit

Swarovski-Kristalle sind legendär, der Familienclan ist milliardenschwer. Doch das Schmuckimperium aus Österreich leidet unter Familienzwist und Billigkonkurrenz - und hat einen dunklen Fleck in der Vergangenheit.

Swarovski

Kristalldom im Swarovski-Themenpark am Firmensitz in Wattens

DPA

Wenn der Name Swarovski dieser Tage in den Schlagzeilen auftaucht, geht es eher weniger um geschliffenes Glas oder Edelsteine. Interessanter scheint derzeit zu sein, wie sich beim Versuch, die Tanzshow Let's Dance zu moderieren, vor den RTL-Kameras verhaspelt.

Aber natürlich steht auch das 24-jährige Starlet mit ihrem Namen für die berühmte Kristalldynastie aus den Tiroler Alpen. Bei ihrer Hochzeit trug Victoria ein mit 500.000 Steinchen besetztes Kleid. Vater Paul Swarovski spielte bis vor einigen Jahren eine wichtige Rolle im Management des Unternehmens. Dann überwarf er sich mit dem Rest des Clans und wurde aus dem Konzern gedrängt, hässliche Auseinandersetzungen vor Gericht inklusive. 

Swarovski glänzt nicht mehr wie früher

Es läuft nicht alles rund bei den Swarovskis - und Victorias TV-Versprecher sind da noch das kleinste Problem. Das mehr als 120 Jahre alte Familienimperium mit Sitz im österreichischen Wattens ist zwar milliardenschwer. Doch interne Familienfehden lähmen das Unternehmen seit Jahren. Dazu kommt die Billig-Konkurrenz aus , die das Quasi-Monopol im Kristallgeschäft vor zehn Jahren aufbrach und Swarovski zwischenzeitlich an den Abgrund drängte. 

Seitdem hat sich Swarovski wieder stabilisiert, doch die astronomischen Margen der Vergangenheit sind Geschichte. Der Umsatz stagniert seit drei Jahren bei knapp 3,4 Milliarden Euro. Immerhin 32.000 Mitarbeiter beschäftigt der Konzern heute. Geschätzte 100 Millionen Euro an Dividenden lässt sich der weitverzweigte Familienclan laut Wirtschaftswoche jedes Jahr auszahlen.

Swarovskis Aufstieg - und das dunkle Nazi-Kapitel

Den Grundstein des Imperiums legte der aus Böhmen stammende Glasschleifer Daniel Swarovski im Jahre 1895. Um die steigende Nachfrage nach Schmucksteinen zu bedienen, entwickelte er einen patentierten mechanischen Schleifapparat, mit dem sich Kristalle wesentlich präziser schneiden ließen als von Hand. Sein Unternehmen siedelte er im Alpen-Örtchen Wattens an, das über eine brachliegende Fabrikanlage mit Wasserkraftwerk verfügte, in dem Swarovski seine Produktion aufbauen konnte. Zudem schützte die Abgelegenheit des Ortes auch vor neugierigen Konkurrenten, die an der neuen Technologie interessiert waren.

Mit tatkräftiger Hilfe seiner  drei Söhne Fritz, Alfred und Willi baute der Svarowski-Gründer ein prosperierendes Unternehmen auf. Ein dunkler Fleck in der Firmengeschichte ist die NS-Zeit: Die Swarovskis sind schon vor dem Anschluss an das deutsche Reich bekennende Nationalsozialisten. Der Historiker Horst Schreiber berichtet, dass Swarovski von den Nazis bevorzugt mit Maschinen versorgt wurde und auch Zwangsarbeiter eingesetzt habe. Der während des zweiten Weltkriegs einbrechende Export wurde durch Wehrmachtsaufträge ausgeglichen.

Dem Aufstieg des österreichischen Kristallimperiums tat auch die Niederlage Nazi-Deutschlands keinen Abbruch. Hollywood entdeckte die teuren Steinchen für sich und Swarovksi wurde endgültig zur exklusiven Kultmarke. Als Marilyn Monroe 1962 ihr berühmtes "Happy Birthday Mr. President" ins Mikrofon hauchte, funkelten auf ihrem halbdurchsichtigen Kleidchen 2500 Swarovski-Kristalle. 

Marilyn Monroes legendäres "Happy Birthday Mr. President"-Kleid wurde 2016 für umgerechnet 4,5 Millionen Euro versteigert

Marilyn Monroes legendäres "Happy Birthday Mr. President"-Kleid wurde 2016 für umgerechnet 4,5 Millionen Euro versteigert

Picture Alliance

Alles bleibt in der Familie

Heute leitet Markus Langes-Swarovski in fünfter Generation das Familienunternehmen. Zumindest so weit ihn seine Familie lässt: Denn das Unternehmen hat eine komplizierte Struktur aus Gesellschaftern, Geschäftsführern und sonstigen Bedenkenträgern, die sich gegenseitig das Leben schwer machen. Ausgehend von den Gründersöhnen sind drei verästelte Familienstränge entstanden, die sich über Österreich, Schweiz, London und die USA verteilen und bei grundlegenden Entscheidungen zustimmen müssen. So ist auch der immer wieder diskutierte Vorschlag, externe Manager an Bord zu holen, um schnellere Entscheidungen treffen zu können, bislang stets gescheitert.

Den Großteil seines Geschäfts macht Swarovski nach wie vor mit hochwertigen Kristallen, Edelsteinen und sonstigem Schmuck. 1400 Swarovski-Stores und noch einmal so viele Partnergeschäfte gibt es weltweit. Aber auch Beleuchtungslösungen bietet der Konzern an, Aufsehen erregten etwa die Swarovski-Scheinwerfer der Mercedes-S-Klasse. Zum Konzern gehört außerdem ein Tochterunternehmen, das Ferngläser für die Jagd, Natur- und Vogelbeobachtung herstellt. Unter der Marke Tyrolit werden gebundene Schleif-, Trenn-, Säge- und Bohrwerkzeuge verkauft. Am Firmensitz in Wattens können sich Fans seit 1995 in einem von André Heller entworfenen Themenpark der Faszination der Swarovski-Kristalle hingeben. 

Themen in diesem Artikel