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"Monopole sind falsch": Streit um Corona-Buch: Warum Elon Musk die Zerschlagung von Amazon fordert

Tesla-Chef Elon Musk fordert via Twitter, dass Amazon zerschlagen werden muss. Der Grund: Amazon hatte das Buch eines umstrittenen Autors abgelehnt, der die Lockdown-Maßnahmen in der Corona-Krise verdammt. Kurz darauf wurde das Buch doch veröffentlicht.

Elon Musk

Tesla-CEO Elon Musk ist ein großer Kritiker der Lockdown-Maßnahmen in der Coronavirus-Pandemie

DPA

Lange hat Tesla-Chef Elon Musk seine Twitter-Auszeit nicht durchgehalten. Erst vor drei Tagen hatte der exzentrische Unternehmer verkündet, sich von dem Kurznachrichtendienst "für eine Weile" zurückzuziehen. Nun meldete er sich mit einem typisch Musk'schen Hammer-Tweet zurück. "Es ist an der Zeit, Amazon zu zerschlagen. Monopole sind falsch!", schrieb der 48-Jährige. Und direkt an den Amazon-Chef gerichtet: "Das ist verrückt, Jeff Bezos."

Der Grund für die Empörung Musks: Amazon hatte - zunächst - den Verkauf eines Buchs abgelehnt, das sich kritisch mit Lockdown-Strategien in der Corona-Pandemie befasst. Der Autor Alex Berenson hatte sich zuvor beschwert, Amazon habe sein Buch zensiert. Dazu veröffentlichte Berenson eine Mail, in der Amazon die Buchveröffentlichung wegen Verstoßes gegen Unternehmensrichtlinien in Bezug auf Informationen zu Covid-19 ablehnt. Amazon geht seit einigen Monaten gegen Produkte mit Falschinformationen zum Coronavirus auf seinen Seiten vor. 

Corona-Lockdown-Kritiker Musk

Berenson ist ein Thriller-Autor und ehemaliger "New York Times"-Reporter, der in jüngster Zeit mit kontroversen Thesen zur Corona-Pandemie aufgefallen ist. Er hält die politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie für übertrieben und die Medienberichterstattung für hysterisch - eine Position, die viele Rechte in den USA teilen. Der reißerische Titel von Berensons Werk: "Verheimlichte Wahrheiten über Covid-19 und Ausgangssperren".  

Auch Elon Musk ist ein heftiger Kritiker der Lockdown-Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. So erklärte er Ende April, dass "die Corona-Panik dumm" sei und bezeichnete die Beschränkungen als "faschistisch". Besonders wurmte ihn dabei, dass auch die Tesla-Produktion in Kalifornien zeitweise still stehen musste. Seit Mitte Mai darf Tesla wieder produzieren - und die USA verzeichnen mittlerweile mehr als 100.000 Covid-19-Tote. 

Das Buch erscheint doch

Neben seinen Sympathien für Berensons Thesen könnte bei Musks Wut-Tweet Richtung Jeff Bezos eine Rolle spielen, dass die beiden geschäftliche Rivalen sind. Bezos betreibt die Weltraumfirma Blue Origin, Musk Unternehmen SpaceX hat Ende Mai den ersten bemannten Flug einer Privatfirma zur internationalen Raumstation ISS geschafft. 

Einige Stunden nach Musks Tweet nahm die Sache noch eine neue Wendung: Amazon veröffentlichte Berensons gerade einmal 22 Seiten starkes Corona-Werk doch noch. Das Buch sei fälschlicherweise entfernt worden, erklärte eine Amazon-Sprecherin der "Washington Post". Berenson bedankte sich bei Musk für dessen Hilfe. Der Thriller-Autor ist übrigens kein Experte für medizinische Themen. Sein 2019 veröffentlichtes Buch über Gefahren durch Marihuana-Konsum wurde von Wissenschaftlern scharf kritisiert.