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Ärger bei der Smartphonebank Wie N26 die Gründung eines Betriebsrats sabotiert

Die beiden N26-Gründer Valentin Stalf (r.) und Maximilian Tayenthal
Die beiden N26-Gründer Valentin Stalf (r.) und Maximilian Tayenthal 
© HANS KLAUS TECHT/ / Picture Alliance
Mitarbeiter der aufstrebenden Direktbank N26 wollen einen Betriebsrat gründen. Doch den Chefs der Bank passt das überhaupt nicht - sie greifen zu allerhand Verhinderungstaktiken. Das Portal Finance Forward berichtet über die absurden Wendungen in einem Katz- und Mausspiel.
Von Finance-Forward-Redakteur John Stanley Hunter

Jetzt also doch: Der für diese Woche Donnerstag und Freitag angesetzte Termin, um einen Wahlvorstand für Betriebsratswahlen bei der Berliner Challengerbank N26 zu bestimmen, kann doch stattfinden. Die einstweilige Verfügung, die das Management gestern gegen sechs Mitarbeiter erwirkt hatte, wird umgangen, indem statt der Mitarbeiter die Gewerkschaft Verdi als Veranstalter auftritt. N26 wollte das Zusammentreffen verhindern, indem es auf ein angeblich mangelhaftes Hygienekonzept verwies, wie Finance Forward exklusiv berichtete.

In einer Stellungnahme der für den Betriebsrat kämpfenden Mitarbeiter heißt es, die Versammlung sei "sorgfältig geplant gewesen, um alle gesundheitlichen Regeln im Bezug auf die Corona-Epidemie zu erfüllen". Man habe ein Hygienekonzept erarbeitet und präsentiert, der Veranstaltungsort – das Hofbräu an der Karl-Liebknecht-Straße – habe sich ebenfalls verpflichtet, die Regeln einzuhalten. "Es ist klar, dass die einstweilige Verfügung von N26 nicht in gutem Glauben erlassen wurde und stattdessen eine Taktik ist, um die Mitarbeiter daran zu hindern, ihr gesetzliches Recht auf Vertretung durch einen Betriebsrat auszuüben", kritisieren die Mitarbeiter."

Finance Forward ist das Magazin für die neue Finanzwelt. Dort wird über die Fintechszene, Bankenbranche und die Welt der Blockchains berichtet – neugierig, kritisch und unabhängig. Das Magazin ist eine Kooperation von Capital und OMR. Folgen Sie Finance Forward auf Facebook, Twitter, Xing oder LinkedIn. Den Podcast gibt es auf iTunes, Spotify und Podigee.
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Die N26-Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal lassen unterdessen offenbar nichts unversucht, um die Betriebsratspläne zu stören: Kurzfristig haben sie ein unternehmensweites Meeting für heute 13 Uhr angesetzt – zu der Uhrzeit soll auch die Veranstaltung im Hofbräu beginnen. "Wir ermutigen euch alle, zum Kick-off-Event für die ‚alternative Mitarbeitervertretung' morgen zu kommen", schrieb Stalf am Mittwochabend in einer E-Mail an die Belegschaft, die Finance Forward vorliegt. Wie diese Form der Repräsentation genau aussehen soll, ist noch unklar. Auf eine Anfrage reagierte das Unternehmen zunächst nicht. In der E-Mail heißt es: "Wir haben Mitarbeiterbeteiligung und offenes Feedback immer begrüßt.

Mitarbeiter kritisieren: "Gesundheitsbedenken nicht erwähnt"

Die für den Betriebsrat kämpfenden Mitarbeiter formulieren in ihrer Stellungnahme allerdings erneut harsche Kritik an der Unternehmensführung: So habe N26 schon länger von dem geplanten Treffen gewusst, aber keine Bedenken am Hygienekonzept geäußert – bis zu der einstweiligen Verfügung. "Obwohl das Management von N26 eine Antwort innerhalb eines Tages versprach, nahm es sich eine Woche Zeit, um auf die Einladung zu dem Treffen zu reagieren […]. Gesundheits- und Sicherheitsbedenken wurden nicht ein einziges Mal erwähnt."

Es seien die Organisatoren der Betriebsratswahl gewesen, die in der Diskussion mit dem Management auf Gesundheits- und Sicherheitsbelange hätten bestehen müssen. Zudem sei der Mitarbeiter, der für die Entwicklung des Sicherheitsplans für das Büro zuständig war, von den Gesprächen ausgeschlossen worden, heißt es in der Stellungnahme.

Der Umweg über Verdi als Veranstalter sei rechtens, betonen die Initiatoren der Betriebsratswahl. "Die Tatsache, dass die Gewerkschaft den Vorsitz führt, entspricht voll und ganz deutschem Recht, so dass die Beschäftigten nach wie vor einen Rechtsanspruch auf Teilnahme haben, ohne dass dies Auswirkungen für sie hat", heißt es auf ihrer Website. "Die Teilnahme und die Fahrt zum Veranstaltungsort und zurück zum Büro zählt als Arbeitszeit. Das Unternehmen darf keinen Mitarbeiter an der Teilnahme an der Sitzung hindern."

Die sechs Mitarbeiter, gegen die sich die einstweilige Verfügung richtet, werden nicht vor Ort sein. Sie können aber trotzdem für den Wahlvorstand ausgewählt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst bei FinanceFWD, dem digitalen Finanzmagazin von Capital und OMR.

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