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Windindustrie: Weil vor Enercon-Treffen: Möglichst viele Jobs retten

Der Anlagenbauer Enercon will bis zu 3000 Stellen streichen. Der Fall zeigt, wie heikel die Lage der Windindustrie in Deutschland ist. Bei einem Krisentreffen mit Niedersachsens Ministerpräsident Weil sollen nun Lösungen diskutiert werden.

Enercon-Arbeiter

Arbeiter des Windkraftbauers Enercon bei Wartungsarbeiten im niedersächsischen Gestorf. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Vor einem Krisentreffen zur Lage der Windindustrie hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil angekündigt, für die Jobs in der Branche zu kämpfen.

Im Vordergrund stehe «ganz klar das Ziel, möglichst viele Arbeitsplätze in der Windenergiebranche zu erhalten beziehungsweise künftig auch wieder neue Jobs - insbesondere auch in Ostfriesland - zu schaffen», sagte der SPD-Politiker vor einem Treffen mit dem Chef des Anlagenbauers Enercon am Mittwoch.

Ohne Windenergie seien Deutschlands Klimaziele nicht zu erreichen. «Wir brauchen einen Neustart bei der Energiewende mit praktikablen Lösungen, um dort, wo Windenergie möglich ist, auch tatsächlich Windenergie zu gewinnen», sagte Weil der Deutschen Presse-Agentur.

Enercon hatte am Freitag angekündigt, wegen der schlechten Marktlage bis zu 3000 Stellen abzubauen, und dabei die Energiepolitik der Bundesregierung mitverantwortlich gemacht. Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig wird am Mittwoch zu einem Treffen mit Ministerpräsident Weil und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) in Hannover erwartet.

Althusmann brachte eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes oder die Einrichtung von Transfergesellschaften als Möglichkeiten ins Gespräch, um einen Stellenabbau abzufedern. Er erwarte von Enercon aber nicht nur den Fingerzeig auf den Bund, sondern einen eigenen Anteil zur Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze, sagte Althusmann vor dem Treffen.

Der Chef der Gewerkschaft IG BCE, Michael Vassiliadis, hat unterdessen einen mangelnden Einfluss von Arbeitnehmervertretern in der Ökostrom-Branche beklagt. IG BCE, Verdi und IG Metall seien «bei den erneuerbaren Energien insgesamt nicht gut unterwegs», sagte er am Rande des IG-BCE-Zukunftskongresses in Essen der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ, Mittwoch).

Die Unternehmen im Bereich der grünen Energien seien «leider kein Stück bessere Kapitalisten als andere», monierte Vassiliadis. «Dass sie an guten Tarifverträgen interessiert wären, kann ich jedenfalls nicht feststellen. Die reden lieber mit der Politik, die Subventionen organisiert, als mit uns über Krisenprävention.» Deshalb müssten alle in dieser Branche tätigen Gewerkschaften schauen, «wie wir in diesem subventionierten Wachstumsbereich mehr Mitglieder gewinnen».

Vassiliadis beklagte, die Lage der Windkraftbranche in Deutschland passe nicht zur Energiewende. Neben Enercon hat auch die Siemens-Tochter Gamesa den Abbau Tausender Arbeitsplätze angekündigt, der Windanlagenbauer Senvion meldete im April Insolvenz an.

Die Bundesregierung will bis 2030 den Ökostrom-Anteil beim Stromverbrauch auf 65 Prozent steigern. In den ersten neun Monaten lag er bei rund 43 Prozent. Doch die Zeiten, in denen Deutschland der größte Markt für Windkraftanlagen in Europa war, sind vorbei. Im ersten Halbjahr kam der Ausbau der Windkraft an Land fast zum Erliegen. Als Hauptgründe der Branchenkrise gelten wenige Flächen, lange Genehmigungsverfahren und Klagen von Bürgerinitiativen.

dpa