HOME

stern-Logo Alles zum Coronavirus

Podcast

"Die Stunde Null": Vor wenigen Wochen war sein Reise-Start-up noch eine Milliarde wert - jetzt steht das Geschäft still

Das Berliner Start-up "Get your Guide" wurde von Investoren mit einer Milliarde US-Dollar bewertet - wegen Corona bleiben nun die Buchungen aus. Im Gespräch mit Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar erklärt Gründer Tao Tao: "Die besten Unternehmen werden in Krisen gebaut." Und er muss es wissen.

Den kompletten Podcast können Sie bei Audio Now, Spotify und weiteren Anbietern hören.

Die Corona-Krise greift auch in der Start-up-Szene um sich. Während einige junge Firmen sich sorgen, ihnen könnten Investoren abspringen, fürchten andere längst um ihre Existenz, weil das Geschäft einbricht.

Auch Getyourguide bleibt um 90 Prozent hinter den ursprünglichen Erwartungen seiner Buchungen zurück. Das Berliner Start-up ist die weltweit größte Buchungsplattform für Touren und Freizeitaktivitäten. Weil die Menschen aber nicht mehr reisen, steht das Geschäft mittlerweile nahezu still. "Wir haben das Jahr extrem stark mit unglaublichen Wachstumsraten begonnen", sagt Tao Tao, Geschäftsführer und Mitgründer von Getyourguide in der neuen Folge des Podcasts "Die Stunde Null". "Für den Rest des Jahres haben wir aber eher pessimistische Prognosen."

Tao Tao ist Mitgründer und Geschäftsführer von Get your Guide

Tao Tao ist Mitgründer und Geschäftsführer von Get your Guide

Dabei ist das Start-up auch dank seiner Investitionen vorerst abgesichert. Für seine Geschäftsidee wurde es bei der letzten Finanzierungsrunde von Investoren noch mit 1 Milliarde US-Dollar bewertet. "Das heißt aber nicht, dass wir jetzt ausgesorgt haben", sagt Tao. Der größte Investor bleiben die Kunden – und die bleiben aktuell aus. "Deshalb müssen wir den Gürtel jetzt enger schnallen", so Tao. Denn Ziel sei es, dass alle Mitarbeiter ihren Job behalten.

Das Start-up-Rettungspaket der Bundesregierung von 2 Milliarden Euro hält er deshalb für genau die richtige Entscheidung. Denn man müsse vermeiden, dass neue Märkte wegen der Krise außer Acht gelassen würden, so wie bei der Finanzkrise 2008. Das gelte vor allem für die Tech- und Start-up-Szene.

"Nicht alle werden es schaffen"

Trotz der unsicheren Aussichten versuchen Tao und sein Team nach vorne zu blicken – auf die Zeit nach der Corona-Krise. Deshalb arbeiten sie schon jetzt daran, die eigenen Produkte weiter zu verbessern. Denn Krisen haben immer auch Potential für Erfolg, findet Tao. "Die besten Unternehmen werden in Krisen entweder geschaffen oder gebaut", sagt er. Zu den Beispielen zählt er neben Paypal und Amazon auch Getyourguide. "Wir sind damals in der Finanzkrise in 2008 gestartet", erinnert sich Tao. Knapp 12 Jahre später ist das Start-up Weltmarktführer in seiner Branche.

Trotz der Opfer, die die Corona-Krise in der Start-up-Szene fordern wird, ist Tao deshalb optimistisch. Mit einer Hand voll Start-ups, die die Krise überstehen, könnten die Start-up-Szene und die Innovationen in Deutschland in den nächsten zehn Jahren sehr gut aussehen, ist seine Prognose.

 Die Politik sollte den Sektor deshalb auch weiterhin nicht aus dem Blick verlieren. "Wir müssen jetzt unbedingt die Start-ups sichern", so Tao. "Nicht alle werden es schaffen, aber die die es schaffen, da würde ich große Hoffnungen setzen, dass das große globale Champions werden können."

Den kompletten Podcast können Sie bei Audio Now, Spotify und weiteren Anbietern hören.

Wissenscommunity