HOME
Podcast

"Die Stunde Null": Uhrenhersteller in der Corona-Krise: "Das Thema Luxus hat Pause"

Seit Jahren gilt der Uhrenhersteller Nomos als Shootingstar der Branche. In der Krise musste auch er die Produktion runterfahren. Wie er die Zeit genutzt hat und warum die Menschen in Glashütte trotz allem noch gelassen und optimistisch sind, erklärt Mitgesellschafterin Judith Borowski.

Nomos

Feinarbeit in der Uhrenmanufaktur Nomos

DPA

Nomos war seit der Gründung Anfang der 1990er Jahre ein Aufsteiger und Angreifer – eine Marke, die nach der Wiedervereinigung neben Lange & Söhne, Union Glashütte und Glashütte Original für den Wiederaufstieg von Glashütte, dem Tal der Uhren im Erzgebirge, stand. Nomos stand aber auch für einen ganz eigenen Weg: Das Design wurde in Berlin entworfen, es war schlicht, elegant, ganz Bauhaus, die Uhren waren erschwinglich, und vor einigen Jahren schaffte man etwas, das für Staunen sorgte: ein eigenes Uhrwerk, das Herzstück jeder Uhr.

Die Corona-Krise hat die Luxusbranche, und damit auch die Uhrenbranche, schwer getroffen. In Glashütte sind die Nomos-Mitarbeiter in Kurzarbeit, die Produktion wurde wie bei vielen Herstellern weitgehend runtergefahren. "Uhren sind nicht überlebenswichtig, das merken wir im Moment", sagte Mitgesellschafterin und Markenchefin Judith Borowski im Podcast "Die Stunde Null" von Capital, stern und n-tv).  "Die Uhren haben jetzt ein bisschen Pause – oder überhaupt das Thema Luxus hat natürlich etwas Pause. Die Menschen haben jetzt andere Sorgen und Gedanken."

 

"In Glashütte ist immer ein bisschen Shutdown"

Nomos aber habe die Zeit genutzt, um sich fit zu machen und aufzuräumen, etwa bei der eigenen Software. "Insofern ist alles fein, wir kommen bisher gut durch die Krise", berichtet Borowski. Viele der Menschen in Glashütte, die schon zu Wendezeiten Umbrüche in der Gesellschaft erlebt hatten, hätten "erstaunlich gelassen" auf die Krise reagiert. Und ohnehin sei Glashütte ja ruhig und abgeschieden. "In Glashütte ist eigentlich immer so ein bisschen Shutdown", sagt Borowski. "Da hat sich vielleicht weniger verändert als an vielen anderen Orten in Deutschland oder auch weltweit. Glashütte ist sehr klein, sehr ruhig."

Nomos sieht sich eigentlich nicht als klassische Luxusmarke, denn trotz des eigenen Uhrwerks ist man im Preissegment zwischen 1000 und 4000 Euro geblieben – Mitbewerber mit eigenem Kaliber bieten ihre Uhren meist zu fünfstelligen Preisen an. Nomos sieht sich in der Krise recht gut aufgestellt, die meisten Kunden kommen aus der Mittelschicht und aus Deutschland. "Ich bin zuversichtlich, dass die Nachfrage bald wieder anspringen wird", sagt Borowski. In Asien, wo Nomos allerdings nicht so stark vertreten ist, spüre man das bereits. Uhren, sagt die Markenchefin, böten auch "Lebensfreude, Trost und Erholung".

Worunter die Branche allerdings leiden werde, seien die ausbleibenden asiatischen Touristen, die normalerweise in Scharen Uhren in europäischen Städten kaufen. "Es könnte den einen oder anderen Mitbewerber erwischen", sagte Borowski. "Ich denke mal, dass wir in einem Jahr nicht mehr so viele Marken sehen werden wie jetzt."

Hören Sie den ganzen Podcast "Die Stunde Null" direkt bei Audio Now, bei Apple oder Spotify oder über Google.

Capital
Themen in diesem Artikel