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Das Konzept "wineBANK" Weine statt Scheine: Zu Besuch in einer der ungewöhnlichsten Banken der Welt

Wein
Wenn Winzer eine Idee haben: Christian Ress ist geschäftsführender Gesellschafter der "wineBANK"
© wineBANK
Ein Winzer hatte die Idee einen Ort zu schaffen, an dem man teure Weine lagern kann. Entstanden ist ein elitärer Business-Club für Luxuskunden zum Netzwerken – und Wein trinken. Mittlerweile ist die "wineBANK" eine internationale Marke.

Im Jahr 2008, mitten in der Bankenkrise, ging Christian Ress, Winzer und Besitzer des alteingesessenen Weinguts Balthasar Ress im Rheingau, zur Bank. Er brauchte Geld, um eine eigene Bank zu eröffnen. Nicht irgendeine, sondern eine "Weinbank". Einen Ort, an dem Kunden ihre wertvollen Tropfen sicher verwahrt wissen - und an dem sie gern in Gesellschaft ein Glas oder mehrere Gläser Wein trinken können. Zur gleichen Zeit räumten Banker von Lehman Brothers gerade ihre Büros aus. Die Bank war gefallen.

Schwierige Zeiten also für ein Konzept, das es so bisher nicht gab. Dennoch bekam Ress Geld für seine Idee namens "wineBANK" - obwohl die Finanzkrise im vollen Gange war.

Seine Vision ging von Anfang an weit über die Weinlagerung hinaus. "Es geht vor allem um die repräsentative Funktion", sagt Christian Ress im Gespräch mit dem stern. Weinlagerung an sich ist eher zweitrangig. "Wir bieten einen inszenierten Raum für das Zusammentreffen, Empfangen und Bewirten von Leuten." Die Winebanks zielen eher auf die Social- und Business-Club-Idee: Die "Winebanker" haben jederzeit den perfekten Rahmen, Gäste sehr eindrucksvoll empfangen und bewirten zu können. Das bestätigen auch die Nutzungszeiten: "Die Winebanks werden hauptsächlich vor und nach dem Abendessen genutzt", hat Christian Ress beobachtet. "Für Gastgeber ist die Winebank das i-Tüpfelchen in der Dramaturgie eines Abends mit Kunden oder Freunden."

Hauptsächlich zählen die Winebanks Unternehmer, das Who-is-Who der regionalen Wirtschaft, Industrielle und Politiker zu ihrem Kundenstamm. Die haben ein Schließfach in der "Bank", das sie so füllen können, wie sie möchten, meist befindet sich darin Wein, der mit neuesten Technologien konstant auf zehn bis 15 Grad gekühlt wird. So hält er am längsten. Aber auch Spirituosen wie Whiskey oder Cognac finden sich in den offenen Schließfächern.

Ein Schließfach für repräsentative Zwecke

Bereits 2009 begannen die Bauarbeiten im Familienbetrieb im Rheingau. In die beiden Gewölbekeller aus dem 17. und frühen 20. Jahrhundert wurden 223 Fächer eingebaut. 35 Flaschen fasst das kleinste Fach. Das größte ist ein begehbarer Keller mit Platz für bis zu 5500 Flaschen. Ein Architektenteam setzte die Gewölbe anspruchsvoll in Szene, damit die Kunden ihre Gäste in der Winebank empfangen können. Christian Ress ist kein klassischer Winzer, sondern Unternehmer, der kreative Kopf im Betrieb. Im Hinterkopf hatte er bereits das Ziel, die Winebank zu multiplizieren. In kürzester Zeit wurde die erste Winebank ein kommerzieller Erfolg. Die Marktfähigkeit war also bewiesen.

Anders als Immobilien haben Weine eine Halbwertszeit. Es gibt einen bestimmten Höhepunkt - bis dahin sollte man einen Wein getrunken haben. Danach ist er nicht mehr genießbar. Außer aber ein Wein hat Sammlerwert, dann geht es nicht darum, was in der Flasche ist, sondern um die Flasche an sich. Die Pétrus-Weine sind so ein Beispiel. Das Chateau Pétrus ist ein Weingut im französischen Bordeaux. Die Weine gelten als die angesehensten und teuersten Tropfen der Welt. Unter 2000 Euro bekommt man selten ein Fläschchen, daher sind sie als Anlageobjekt sehr begehrt.

"In den Fächern liegen aber nicht nur High-End-Weine", sagt Christian Ress. "Sondern auch Alltagsweine, die man regelmäßig mit Gästen trinken möchte. Das ist hier kein Museum. Hier wird auch getrunken."

Winebank als Franchise-Konzept

Im Rheingau steht nicht mehr die einzige Winebank. Mittlerweile gibt es die Memberclubs in Hamburg, Frankfurt, Mainz, Wien, Basel, in der Pfalz. Köln und Palma de Mallorca werden im Sommer 2017 eröffnet, Saas-Fee in der Schweiz im Winter 2017 - und auch in London und den USA werden erste Gespräche geführt. Die einzelnen Winebanks betreibt Ress übrigens nicht selbst. Dahinter verbirgt sich ein klassisches Franchisesystem mit der Zentrale im Rheingau. Von da wird die Kommunikation und Pressearbeit erledigt. Die Franchisenehmer sind meist Gutbetuchte, die Spaß am Wein haben und regional sehr gut vernetzt. Zwar ähneln sich die Winebanks im Konzept, sie alle aber sollen ihren individuellen Charakter haben und dadurch eigenständig wirken.  

Mitglied werden kann theoretisch jeder. Natürlich wird genau geprüft, wer sich für ein Schließfach bewirbt. Gute Karten haben diejenigen, die das nötige Kleingeld mitbringen und eine wichtige Stellung in Wirtschaft, Industrie, Politik oder anderen Bereichen einnehmen. In den Großstädten bekommt man kein Schließfach unter 100 Euro im Monat. Auf dem Land - beispielsweise in Wachenheim in der Pfalz - gibt es das günstigste ab 39 Euro. Die sind natürlich am schnellsten vergriffen. Nicht selten liegen mehrere zehntausend Euro aufsummiert in einem Schließfach.

Wer ein Fach erwerben konnte, erhält über eine Chipkarte rund um die Uhr freien Zugang zu den Kellerbereichen der Winebanks - weltweit. Einen Dresscode gibt es nicht, dass nach einem Besuch wieder aufgeräumt werden muss – egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit – ist ein ungeschriebenes Gesetz.

Mit dem Konzept der Winebank sind Christian Ress und sein Team Weltmarktführer. Es gibt zwar Insellösungen, aber nicht in dem Ausmaß wie es von den Winebanks ausgeht. Das Konzept hat auch einen positiven Effekt auf die Immobilienbranche. Bisher war es eher schwierig, untermauerte Kellergewölbe zu vermarkten, geschweige denn zu verkaufen. Mit Ress' Idee der Winebanks änderte sich das, eine neue Art der Nutzung ist entstanden. In der Zwischenzeit wird die Erfolgsgeschichte weiter gesponnen, Grenzen sind nicht in Sicht. 


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