den stern gibt es seit fast 77 Jahren, und in dieser Zeit sind viele Titelbilder erschienen, zahlreiche brillante, aber auch bescheuerte. Manche dienten nur als Vorwand, um viel nackte (zumeist weibliche) Haut zu zeigen, andere gerieten so schön, dass man sie daheim ausstellen wollte. Und manche waren so schlimm, dass man nicht hinschauen mochte. Aber wir können nicht die Welt zeigen, wie wir sie gern hätten, wir müssen sie zeigen, wie sie ist. Der stern hatte einst die Kinder von Biafra mit ihren Hungerbäuchen auf dem Cover, es ging um einen humanitären Konflikt in Nigeria und das mögliche Eingreifen westlicher Staaten, auch von Deutschland. Im Editorial schrieb Henri Nannen: „Sollen ausgerechnet die Deutschen, die eben einen Krieg und noch dazu Auschwitz auf dem Gewissen hatten, sich hier als Hüter der Moral aufspielen?“ Der stern-Gründer kam zu dem Schluss, die unbewaffnete humanitäre Intervention zur Rettung von Menschen, die anders vor dem Verhungern und den Massakern nicht zu schützen wären, sei „ein Befehl des Gewissen“, denn: „Eine Regierung, die ihrem Gewissen gehorcht, brauchte sich um ihr politisches Kapital nicht zu sorgen.“
Auch das Titelbild in dieser Woche ist schwer zu ertragen. Es ist vielleicht noch mal schwerer für uns als deutsches Magazin zu ertragen, weil der Fokus auf das Leid in Gaza immer die Frage einschließt: Wie hältst du es mit der deutschen Solidarität zu Israel, weniger als zwei Jahre nach der Terrorattacke der Hamas gegen das Land?