Liebe Leserinnen und Leser,

den stern gibt es seit fast 77 Jahren, und in dieser Zeit sind viele Titelbilder erschienen, zahlreiche brillante, aber auch bescheuerte. Manche dienten nur als Vorwand, um viel nackte (zumeist weibliche) Haut zu zeigen, andere gerieten so schön, dass man sie daheim ausstellen wollte. Und manche waren so schlimm, dass man nicht hinschauen mochte. Aber wir können nicht die Welt zeigen, wie wir sie gern hätten, wir müssen sie zeigen, wie sie ist. Der stern hatte einst die Kinder von Biafra mit ihren Hungerbäuchen auf dem Cover, es ging um einen humanitären Konflikt in Nigeria und das mögliche Eingreifen westlicher Staaten, auch von Deutschland. Im Editorial schrieb Henri Nannen: „Sollen ausgerechnet die Deutschen, die eben einen Krieg und noch dazu Auschwitz auf dem Gewissen hatten, sich hier als Hüter der Moral aufspielen?“ Der stern-Gründer kam zu dem Schluss, die unbewaffnete humanitäre Intervention zur Rettung von Menschen, die anders vor dem Verhungern und den Massakern nicht zu schützen wären, sei „ein Befehl des Gewissen“, denn: „Eine Regierung, die ihrem Gewissen gehorcht, brauchte sich um ihr politisches Kapital nicht zu sorgen.“

 

Auch das Titelbild in dieser Woche ist schwer zu ertragen. Es ist vielleicht noch mal schwerer für uns als deutsches Magazin zu ertragen, weil der Fokus auf das Leid in Gaza immer die Frage einschließt: Wie hältst du es mit der deutschen Solidarität zu Israel, weniger als zwei Jahre nach der Terrorattacke der Hamas gegen das Land?

 
 
Themen der Woche

Ihr GPS-Autor hatte diese Woche fast unverschämtes journalistisches Glück. Denn rein zufällig, und natürlich ganz ohne eigenes Verdienst, war ich mal mittendrin statt nur dabei. Am Montagabend hatte mich der Fraktionsvorstand der CSU als Gastredner zu ihrer Klausurtagung in Kloster Banz bei Bamberg eingeladen. Es wurde fleißig diskutiert, etwa zu der Frage, warum Journalisten statt an Sachthemen immer nur daran interessiert seien, wer denn nun Kanzlerkandidat werde. Danach ging es in die gesellige Bierstube, wo es sehr bald freilich an den rustikalen Tischen durchaus auch um die Frage ging, wer denn nun Kanzlerkandidat werde – beziehungsweise wer nicht. Denn CSU-Parteichef Markus Söder hatte fast zeitgleich gerade mit Friedrich Merz ein Arrangement gefunden, wie man diese Kandidatur-Frage unter Unionsmännern regelt. Dass er Merz den Vortritt lässt, obwohl er sich unzweifelhaft weiterhin höchstselbst für den besten Kandidaten hält, und damit die Machtarithmetik in der Union akzeptiert, ist ein großer Sieg für Merz, vielleicht sein bislang wichtigster. Allerdings ist davon auszugehen, dass Söder gut verhandelt hat, vielleicht kommt der nächste Bundespräsident etwa aus der CSU? 


 

Mit der Hungersnot hat der Gazakrieg eine Dimension erreicht, die uns zum Hinschauen verpflichtet. Wir müssen zum Ende dieses Krieges beitragen, nicht trotz unserer Geschichte, sondern wegen unserer Geschichte. Israel zu sagen, wann es aufhört, Israel zu sein – das kann auch eine Form der deutschen Staatsräson sein. Meinen Essay dazu finden Sie hier.
 

Meine Berliner Kollegen beschreiben, wie Merz in Sachen Gaza noch immer seine Sprache sucht. Im Hintergrund versucht er, auf Israel einzuwirken. Aber er fühlt sich unwohl: Wie er sich auch bewegt, ist es falsch. Wieso, können Sie hier nachlesen.
 

Der ehemalige Minister Jürgen Trittin von den Grünen meint, dass die Bundesregierung dem Völkerrechtsbruch in Gaza nicht länger zusehen dürfe. Im Interview mit meinen Kollegen Miriam Hollstein und Marc Etzold fordert Trittin von Friedrich Merz konkrete Konsequenzen ein.
 

Dumpf klingt seine Stimme, abgekämpft, wie betäubt von einem weiteren Arbeitstag, an dem Fadel Naim so viel Leid, so viel Blut gesehen hat. Der 59-jährige Chirurg leitet das Al-Ahli-Krankenhaus in Gaza-Stadt. Mein Kollege Fabian Huber erreicht ihn nach Schichtende in seiner Wohnung. Doch Feierabend vom Krieg gibt es nicht. Gespräch über einen Alltag, der dem Tod oft näher ist als dem Leben.

 
 
Video der Woche

 

April 2018: Julia und Sven erfüllen sich ihren Traum und wandern nach Lappland aus. Doch Sven ist nicht der Mann, der er vorgibt zu sein. Dass Julia sogar in Lebensgefahr schwebt, ahnt nur ihr Vater Holger. Das ganze Video können Sie sich hier anschauen.

 
 
Kurz und knapp

 

Quelle: Forsa

fast 21 Stunden verhandelten die Spitzen der großen Koalition um ein milliardenschweres Konjunkturpaket. Das Ziel: die Wirtschaft wieder in Gang bringen. Doch wer bekommt jetzt welche Unterstützung?


Eine gesunde Woche wünscht Ihnen

Finn Rütten, Redakteur vom Dienst


 
 
Gefühlssache

 

So gleichgültig guckten bislang nur Models: Ein starrer Blick wird der Gen Z gerade im Internet unterstellt. Warum die Kritik berechtigt und doch übertrieben ist.

 

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche. Hat Ihnen dieses Mailing gefallen? Dann empfehlen Sie es gerne weiter. 

Herzlichst, 

Ihr GPS

 

 
 
Moment der Woche
Charlotte Wilson/Getty Images
Verzopft

Es ist das wohl kurioseste Foul in der Länderspielgeschichte der DFB-Frauen: Kathrin Hendrich (4. v. l.) hält im EM-Viertelfinale ihre französische Gegenspielerin Griedge Mbock am Zopf fest und wird dafür vom Platz gestellt. Wie an den Haaren herbeigezogen wirkten später auch die Erklärungsversuche des DFB. Sportdirektorin Nia Künzer sagte, Hendrich habe in eine ganz andere Richtung geschaut und sei lediglich in Mbocks Frisur hängen geblieben. Bei den DFB-Frauen jedenfalls weckte die haarige Szene großen Kampfgeist. Mehr als 100 Minuten spielten sie gegen Frankreich in Unterzahl und siegten schließlich im Elfmeterschießen.

 
 
Til Mette
 
 
Frage der Woche

An dem Appell von 28 Staaten für ein sofortiges Ende des Gazakrieges wollte sich die Bundesregierung in der vergangenen Woche nicht beteiligen. In einem Telefonat mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte Bundeskanzler Friedrich Merz am Sonntag dann aber doch einen sofortigen Waffenstillstand. Drei Viertel der Deutschen sind längst dafür, dass die Bundesregierung stärker auf ein Ende des Krieges drängt. Das Meinungsbild ist quer durch alle Bevölkerungsgruppen und politischen Lager eindeutig. Am häufigsten sprechen sich Wähler der Linken und der Grünen dafür aus, Israel in die Pflicht zu nehmen. Etwas anders sieht es nur bei den AfD-Wählern aus. Sie sind zwar mehrheitlich auch für mehr Druck auf Israel, aber immerhin 37 Prozent lehnen das ab. Mich interessiert vor allem, was Sie denken. Sollte Deutschland mehr Druck auf Israel ausüben, den Gazakrieg zu beenden? Schreiben Sie mir Ihre Gedanken an gps@stern.de

 
 
Mein gutes Gefühl

Ich wünsche Ihnen eine gute und spannende Woche. Hat Ihnen dieses Mailing gefallen? Dann empfehlen Sie es gern weiter.

Herzliche Grüße

Ihr GPS

 

Haben Sie lieben Dank für Ihre Treue im vergangenen Jahr, nur das Beste für das kommende!

Herzlich,

Ihr GPS