Uli Brée (geb. 1964) ist einer der produktivsten Drehbuchautoren im deutschsprachigen Raum - ab heute Abend kann sich das TV-Publikum einmal mehr davon überzeugen. Das Erste zeigt an vier aufeinanderfolgenden Mittwochen Filme aus seiner Feder: Los geht es am 25. Februar um 20:15 Uhr mit "Faltenfrei" (2021), gefolgt von "Ungeschminkt" (4. März), dem brandneuen "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks" (11. März) und dem ebenfalls neuen Film "So haben wir dich nicht erzogen" (18. März).
Dass momentan so viel von ihm im Fernsehen läuft, erklärt Brée im Interview mit spot on news beim BR Filmbrunch in München: "Es wirkt so, weil gerade viel ausgestrahlt wird, was ich vor zwei Jahren geschrieben habe." Tatsächlich versuche er seit vergangenem Jahr, kürzer zu treten. "Ich bin 62 und will mehr Luft im Leben, nicht mehr so getrieben sein, sondern mich mehr treiben lassen", verrät der Autor.
"Tatort"-Erfinder ohne letzte Folge
Vielen Fernsehzuschauern dürfte Brée vor allem als Schöpfer der beliebten "Tatort"-Kommissarin Bibi Fellner bekannt sein, die von Adele Neuhauser (67) seit 2011 verkörpert wird. Sieben oder acht Folgen des Wiener "Tatorts" stammen aus seiner Feder, wie er im Interview erzählt. Doch die letzten Folgen für Fellner und ihren Partner Moritz Eisner - seit 1999 von Harald Krassnitzer (65) verkörpert - konnte er nicht schreiben.
"Ich habe Bibi Fellner erfunden und bin Adele Neuhauser eng verbunden - für sie schreibe ich unheimlich gerne. Ich hätte gern den letzten 'Tatort' für Bibi und Moritz geschrieben, das war mir aber nicht vergönnt", sagt Brée. Nach einem Konflikt mit einem Redakteur sei für ihn Schluss gewesen, die späteren Folgen stammten nicht mehr von ihm.
Vom Rheinland über Amsterdam nach Tirol
Brées Biografie liest sich wie ein kleiner europäischer Roadtrip. Im Rheinland geboren, verschlug es ihn zunächst nach Amsterdam, dann nach Wien - wo er rund 20 Jahre blieb. Heute lebt der Autor in Tirol und besitzt die österreichische Staatsbürgerschaft. "Ich fühle mich mehr als Österreicher, aber eben auch Deutscher. Beides gehört zu mir", beschreibt er seine doppelte Identität.
20 Jahre lang organisierte er zudem ein legendäres Motorradtreffen in Neukirchen am Großvenediger im Pinzgau, ehe er bewusst den Schlussstrich zog: "Irgendwann wollte ich einfach aufhören - auch, um Platz für Neues zu schaffen."
Ein Mann ohne Schreibtisch
Wer sich Brée bei der Arbeit vorstellt, muss das Bild des Autors am Schreibtisch gleich wieder verwerfen. "Ich habe keinen klassischen Schreibtisch. Ich schreibe überall im Haus", erzählt er und lacht. "Meine Familie wundert sich ständig: 'Ah, jetzt sitzt er da - ah, jetzt dort.'"
Das Foto von ihm mit Laptop im Ledersessel, auf das man bei einer Internet-Recherche schnell stößt, sei "ziemlich real". Und die Ideen für seine erfolgreichen Geschichten? Die kämen von allein, sagt Brée - man müsse nur aufmerksam durchs Leben gehen. "Geschichten fliegen einem zu - man muss sie nur aufgreifen. Ich leide eher darunter, zu viele Ideen zu haben. Das ist Geschenk und Fluch zugleich."
KI als Sparringspartner
Auch für neue Technologie zeigt sich der 62-Jährige offen. Künstliche Intelligenz nutze er durchaus beim Schreiben - allerdings nicht als Ghostwriter. "Sie kann nicht für mich schreiben, aber sie hilft beim Entwickeln - etwa bei Twists oder Figuren. Und für die schnelle Recherche ist sie top", erklärt Brée. Die Einschränkung liefert er direkt mit: "Man muss nur alles prüfen, weil vieles schlicht falsch ist." Existenzängste habe er durch KI jedenfalls keine: "Ich bin 62 - sagen wir so: Für mich geht sich das noch super aus. Ich surfe da ganz entspannt raus aus der Krise."
Neben den "Tatort"-Krimis und seinen aktuellen Filmen ist Brée auch als Erfinder der Erfolgsserie "Vorstadtweiber" (2015-2022) bekannt, die in Österreich Kultstatus genießt. Ob es mit dem geplanten Kinofilm noch klappt, bleibt allerdings offen - aktuell hake es an der Finanzierung, wie er im Interview verrät. Angekündigt wurde der Film im März 2025.