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Knapp anderthalb Jahre nach der Flutkatastrophe Ufa-Taskforce: "Unbürokratisch – das Wort kann hier keiner mehr hören. Was ist denn mit der Menschlichkeit?"

Nach der Wanderung posiert die Gruppe vor einem Feld
Was hier idyllisch aussieht, zeigt sich an vielen Stellen in Rech noch als unbearbeitete Baustelle
© Judith Mellon / Ufa / Hersteller
Viele Freiwillige halfen 2021 den Opfern der Flutkatastrophe im Ahrtal. Mitarbeitende der Filmproduktion Ufa unterstützen seitdem den Winzerort Rech – mit Spenden und ungewöhnlichen Aktionen
Von Jennifer Stritzke

Über 30 UFA-Mitarbeiter:innen aus Köln und ihre Familien wanderten in ihrer Freizeit durch das Ahrtal, um so erneut auf die von der Flut zerstörte Region aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. Auf dem malerischen Rotwein-Wanderweg liefen sie zum Winzerort Rech. Die Gemeinde wurde, wie viele andere Orte in NRW und Rheinland-Pfalz, von der Flutkatastrophe im Juni 2021 schwer getroffen, bis heute sind die Auswirkungen noch deutlich sichtbar.

"Auf der einen Seite war es ein wunderschöner, sonniger Tag mit netten Kolleg:innen, auf der anderen Seite die noch immer sichtbare Zerstörung des Ortes Rech und der anderen Orte an der Ahr – ein sehr spezieller Kontrast, der mich sehr berührt. Wir hoffen, mit unserer Unterstützung wenigstens ein klein wenig helfen zu können", sagt Anke Molzberger, Produktionsleiterin bei der Ufa und Mitglied der Ufa-Taskforce.

Eine Gruppe Ufa-Mitarbeitende läuft auf einem Feldweg
Mitarbeitende der Filmproduktion Ufa auf dem Rotwein-Wanderweg im Ahrtal
© Judith Mellon / Ufa / Hersteller

Kolleg:innen helfen spontan nach der Flutkatastrophe

Unmittelbar nach der Flutkatastrophe 2021 halfen Ufa-Marbeitende spontan vor Ort im Flutgebiet. In den Wochen nach dem Unglück bildeten sie eine Taskforce, um sich gezielt und langfristig in der stark betroffenen Region zu engagieren. So sammelten sie seit mehr als einem Jahr 15.000 Euro Spenden, um den Wiederaufbau des historischen Bürgerhauses in Rech zu unterstützen.

Guido Reinhardt, Produzent und ebenfalls Mitglied der UFA-Taskforce, hält bis heute Kontakt zu Betroffenen in Rech: "Wir telefonieren regelmäßig, um herauszufinden, wie wir von außen helfen können. Wir wollen uns nachhaltig dafür engagieren, dass die Opfer der Flutkatastrophe nicht vergessen werden und weiterhin Unterstützung bekommen. So entstand auch die Idee zu unserem Wandertag."

Viele der Teilnehmenden waren bei der Wanderung Ende Oktober durch die herbstlich bunten Weinberge zum ersten Mal nach der Flut in Rech und damit konfrontiert, wie schlecht der Zustand der Gemeinde auch nach fast anderthalb Jahren ist. "Hier ist noch nicht viel passiert, einzig der Kanal ist neu", sagt Mara Heindi, Producerin. "Unbürokratisch – das Wort kann hier keiner mehr hören. Was ist denn mit der Menschlichkeit, das sind doch unsere direkten Mitbürger:innen?", fragt sie stellvertretend für viele.

Der Wiederaufbau wird noch Jahre dauern

Wie langsam und schwierig die Entscheidungsprozesse in Rech voran- beziehungsweise eben nicht vorangehen, davon berichtete Gerhard Schreier, erster Beigeordneter der Gemeinde Rech. Zentral für die Aufbauplanung in Rech sei die Frage, was mit der denkmalgeschützten Nepomukbrücke passieren soll, die seit mehr als hundert Jahren das Ortsbild von Rech prägte, und wo gegebenenfalls eine Ersatzbrücke stehen könnte. Die Steinbögen der historischen Brücke waren in der Flutnacht im Juni 2021 durch angeschwemmte Baumstämme verstopft worden, Wassermassen schossen direkt in den Ort. Nun steht der Rumpf der zerstörten Brücke im Fluss. Ohne diese Planungsgrundlage ist es unmöglich, ein Straßennetz oder auch die Plätze zwischen den Straßen zu planen. Im Dezember 2021 beschloss der Gemeinderat den Abriss der Ahrbrücke, lokale Initiativen engagieren sich für den Erhalt.

"Nun hat uns eine Nachricht der Denkmalschutzbehörde erreicht, dass man dort ein weiteres Gutachten, welches von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Auftrag gegeben wurde, abwarten will, ehe man sich zu einer Entscheidung durchringt", sagt Schreier. "Dieses Gutachten liegt in einer Kurzfassung ohne jede Berechnungsgrundlage vor. Wann die Langfassung kommen soll, ist unbestimmt und somit verzögert sich auch die weitere Planung für Rech auf unbestimmte Zeit."

Nach der rund zweistündigen Wanderung ließen die Ufa-Mitarbeitenden mit ihren Familien bei Wein im Weinkeller St. Nepomuk den Tag in Rech ausklingen. Bei dem Ufa-Wandertag kamen 1200 Euro Spenden zusammen, die an den Verein "Fluthilfe und Wiederaufbau Rech e.V." gespendet wurden. Die Taskforce will sich auch weiterhin für die Opfer der Flut engagieren.

Die Ufa (Universum Film GmbH) ist eines der führenden Unternehmen für Film- und Fernsehproduktionen in Deutschland. Ihr Hauptsitz ist in Potsdam-Babelsberg. Die Ufa gehört wie RTL und der stern zu Bertelsmann.

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