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Stiftung Stern

stern-Aktion "Familien in Not": Hilfe, die ankommt

Die stern-Aktion "Familien in Not" unterstützt Mütter und Väter, damit ihre Kinder den besten Start ins Leben erhalten.

Von Catrin Boldebuck

Er soll gut  behütet aufwachsen:  der  zweijährige Elia  aus Hamburg

Er soll gut
behütet aufwachsen:
der
zweijährige Elia
aus Hamburg

Elia ist ein aufgeweckter Junge, die großen braunen Augen hat der Zweijährige von seinem Papa. Am liebsten spielt er mit Lego-Figuren, die haben seine Eltern, Teresa Wiesalla, 29, und Mathias Werner, 34, auf dem Flohmarkt für ihn gekauft. Besonders gern mag Elia sein Nilpferd. Auch sonst tun seine Eltern alles für eine kindgerechte Umgebung.

Doch Liebe allein reicht nicht, um ein Kind großzuziehen. Es braucht auch ein stabiles Einkommen für all die Anschaffungen, damit die alltäglichen Sorgen der Eltern nicht das Kind belasten. Das haben auch Teresa Wiesalla und Mathias Werner erfahren müssen.

Das Elterngeld reichte nicht

Ihr Start als Familie, nach Elias Geburt zu Silvester, war schwierig: Das junge Paar war gerade erst zusammengezogen in der kleinen Wohnung in Hamburg- Harburg, Teresa von dem ungeplanten Kaiserschnitt geschwächt, Mathias nervös, weil die Prüfungen zum Ergotherapeuten bevorstanden. Nach zwei abgebrochenen Ausbildungen hatte er endlich die richtige gefunden, wollte sie unbedingt gut abschließen. Und sich gleichzeitig um sein Baby kümmern und seiner Freundin helfen. Er verschob die Prüfung um ein halbes Jahr. Das Geld wurde knapp, denn Teresa bekam zwar Elterngeld, aber das war weniger als ihr Gehalt als Ergotherapeutin. Ihre eigenen Eltern wollten sie nicht um Hilfe bitten. "Wir sind doch jetzt selbst eine Familie. Wir wollen es aus eigener Kraft schaffen", sagt Mathias Werner.

Bei ihrem Frauenarzt fand Teresa Wiesalla einen Flyer von "wellcome". Die Hamburger Initiative bietet jungen Eltern in der ersten Zeit nach der Geburt Unterstützung. Über "wellcome" kamen Teresa und Mathias zur stern-Aktion "Familien in Not". Die springt ein, wenn dringende Anschaffungen anstehen und Freunde oder Verwandte nicht helfen können.

Geht's Eltern gut, geht's Kindern gut

Vor vier Jahren hat der stern erstmals gemeinsam mit "wellcome" zu der Aktion aufgerufen. Seitdem wurden bundesweit bereits mehr als 6800 Kinder und deren Eltern unterstützt.

Das Prinzip ist einfach: Paten verpflichten sich, ein Jahr lang einen festen Beitrag pro Monat zu zahlen (mindestens 40 Euro). Geholfen wird unbürokratisch und schnell: "wellcome"-Mitarbeiter an über 250 Standorten in Deutschland wählen Familien aus, die Unterstützung brauchen. Mal fehlen neue Winterstiefel für die Kinder, mal ist es ein neuer Autositz – oder der Beitrag für den Sportverein wird bezahlt.

"Familien in Not" setzt bei Eltern an. Denn wenn es ihnen gut geht, geht es auch den Kindern gut. Sie bekommen kein Bargeld ausgezahlt, sondern erhalten Gutscheine. Die Finanzspritze im Wert von 400 bis 1000 Euro für ein Jahr soll kein zweites Einkommen sein und keine Abhängigkeit schaffen. Teresa Wiesalla wünschte sich Gutscheine für Windeln - die Ausgaben dafür reißen jeden Monat ein ziemliches Loch in die Haushaltskasse. Neben dieser konkreten, materiellen Hilfe sind vor allem Gespräche wichtig.

Hilfe zur Selbsthilfe

Ziel von "wellcome" ist es, den Familien Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Im deutschen Sozialsystem gibt es viele Möglichkeiten der Unterstützung. Häufig aber finden sich die Betroffenen im bürokratischen Dschungel nicht zurecht. Vielen Müttern und Vätern fehlt in Krisensituationen einfach die Kraft oder Energie, sich Hilfe zu holen. Sie brauchen einen Lotsen wie Marion Koch. Die Patenkoordinatorin von "wellcome" hat Elias Eltern ein Jahr lang begleitet. Immer wieder saß sie bei Teresa Wiesalla und Mathias Werner in der kleinen Küche am Tisch bei einem Tee und hörte zu, wenn Teresa erschöpft und frustriert von den Ämtern zurückkam, suchte gemeinsam mit ihr nach Lösungen. Erst beantragte Teresa Bafög für Mathias. Das wurde abgelehnt. Dann Hartz IV. Abgelehnt. Schließlich Wohngeld. Das wurde nach einem halben Jahr endlich bewilligt.

Inzwischen hat Mathias Werner seine Prüfungen bestanden, er arbeitet in seinem neuen Beruf als Ergotherapeut. Auch Teresa arbeitet wieder, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie eines Krankenhauses. Elia geht zu einer Tagesmutter. Im nächsten Jahr wollen Mathias und Teresa heiraten. Teresa Wiesalla hat sich bei dem anonymen Paten bedankt, sie hat eine Karte geschrieben und ein Foto an "Familien in Not" geschickt. Die Mitarbeiter haben den Gruß weitergeleitet. Teresa Wiesalla: "Das Gefühl hat uns unheimlich viel Kraft gegeben: Da gibt es irgendwo in Deutschland jemanden, der uns überhaupt nicht kennt. Und der auch gar nichts erwartet. Sondern einfach sagt: Ich helfe euch."

Sie möchten helfen?

Patenanträge gibt es unter www.wellcome-online.de

Kontakt: Marion Koch, Tel. 040/226 22 97 25
oder E-Mail marion.koch@wellcome-online.de

Sie können auch online spenden, ohne Pate zu werden
Stichwort "Patenprojekt Familien in Not"

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