Als Netflix 2024 die dritte Staffel der Erfolgsserie "Bridgerton" veröffentlichte, wich der Streaming-Riese dabei schon zum zweiten Mal von der vorgegebenen Reihenfolge der zugrunde liegenden Bestsellerromanreihe von Julia Quinn ab. Zur Erinnerung: "Bridgerton" erzählt von der gleichnamigen einflussreichen Familie, deren acht Kinder sich auf dem Heiratsmarkt der Oberschicht im England der Regency-Ära beweisen müssen. Jedes Buch stellt dabei eines der acht Kinder in den Vordergrund. Nach Daphne (Phoebe Dynevor) und Anthony (Jonathan Bailey) wäre in Staffel drei ihr Bruder Benedict (Luke Thompson) an der Reihe gewesen. Stattdessen zog das Team von Produzentin Shonda Rhimes die Geschichte um Colin (Luke Newton) und seine gute Freundin Penelope Featherington (Nicola Coughlan) aus dem vierten Buch vor. Die übersprungene Geschichte von Benedict wird nun in der vierten Staffel nachgeholt. Was die Streamer in den nächsten Tagen noch zu bieten haben, erfahren Sie in der Übersicht.
"Bridgerton", Staffel vier – Netflix
"Ein Gentleman von zweifelhaftem Ruf", so verkündet die gewohnt tragende Stimme von Lady Whistledown (im Original gesprochen von Julie Andrews) im Trailer zur vierten Staffel "Brigerton", "muss sich vor der mächtigsten aller Mächte verneigen: Frau Mama!" Denn die verwitwete Lady Violet Bridgerton (Ruth Gemmell) möchte nach Daphne, Anthony, Colin und der seit dem Ende von Staffel drei ebenfalls verheirateten Francesca (Hannah Dodd) auch ihren bindungsunwilligen Zweitgeborenen endlich unter die Haube bringen: "Du bist der richtigen Dame nur noch nicht begegnet", ist die Mutter überzeugt. Ein von den Bridgertons ausgerichteter Maskenball soll das ändern. Die ersten vier Folgen der neuen Staffel sind ab Donnerstag, 29. Januar, bei Netflix zu sehen. Vier weitere Folgen erscheinen am Donnerstag, 26. Februar.
Auf dem Maskenball springt Benedict eine unbekannte junge "Dame in Silber" ins Auge: Sophie Baek (Yerin Ha) ist eigentlich eine Zofe der Bridgertons, die sich heimlich unter die Gäste auf dem Maskenball mischt und – Aschenputtel lässt grüßen – um Mitternacht einen Handschuh verliert. Benedict ist entschlossen: "Wir müssen die Besitzerin dieses Handschuhs finden."
Wie gewohnt erweitert die vierte Staffel "Bridgerton" auch diesmal das altbekannte Ensemble um einige neue Figuren. Eine davon heißt Lady Araminta Gun. Sie wird gespielt von Katie Leung, die in der "Harry Potter"-Reihe bereits die Rolle Cho Chang verkörperte. Ein Wiedersehen gibt es unter anderem mit der Hauptfigur aus der dritten Staffel: Penelope hatte sich zuletzt als bestens informierte Lady Whistledown zu erkennen gegeben. Dem Serien-Publikum war diese zweite Identität bereits seit dem Ende der ersten Staffel bekannt – dies war die erste große Abweichung von den ursprünglichen Romanen. In der vierten Staffel wird sie der Klatsch-Berichterstattung auf Wunsch von Queen Charlotte (Golda Rosheuvel) weiter nachgehen ...
Die Zukunft von "Bridgerton" ist ebenfalls gesichert: Wie Netflix bereits im Mai 2025 verkündete, wird es auf jeden Fall noch eine fünfte und sechste Staffel geben.
"Elon Musk Uncovered: Das Tesla-Experiment" – WOW
2025 kam es auf dem E-Auto-Markt zu einer Wachablösung: Erstmals seit Jahren verkaufte nicht Tesla die meisten E-Autos weltweit, der Hersteller verlor die Marktherrschaft an den chinesischen Konkurrenten BYD. Für Tesla-Boss Elon Musk dürfte das jedoch nur noch mehr Ansporn sein, sein Produkt zu verbessern. "Er hat diese dämonischen Momente, da ist er völlig außer sich und stürzt sich wie besessen auf ein Problem, bis es gelöst ist", verrät seine einstige Mitarbeiterin Rachel Konrad in der Sky-Doku "Elon Musk Uncovered: Das Tesla-Experiment" (ab Freitag, 30. Januar, bei WOW).
Der eineinhalbstündige Dokumentarfilm von Andreas Pichler gibt einen bisher beispiellosen Einblick hinter die Kulissen des Autobauers, deckt besorgniserregende Praktiken bei Tesla auf – und legt nahe, dass Musk seine Autofirma womöglich nur als Mittel zum Zweck für eine viel größere Mission sieht.
"Es ist ziemlich intensiv und stressig, mit ihm zusammen zu sein", empfand Esben Pedersen, einst in der Sales- und Marketing-Abteilung von Tesla tätig, die Zusammenarbeit mit Elon Musk. Arbeitete der Firmenboss zu Beginn noch beinahe manisch am Erfolg des Autobauers, ließ seine Präsenz im Laufe der Jahre merklich nach. Elon Musk selbst kommt im Film nicht zu Wort. Eine entsprechende Anfrage der Filmemacher ließ er unbeantwortet.
"Wonder Man" – Disney+
Statt Weltrettung gibt es Selbstzweifel, Eitelkeiten und eine Liebeserklärung an das Kino: Marvel startet mit einer ungewöhnlichen Superheldenserie ins neue Jahr. "Wonder Man" erzählt ab Mittwoch, 28. Januar, bei Disney+ davon, wie zwei Schauspieler in Hollywood eine Rolle in dem fiktiven Kinofilm "Wonder Man" ergattern wollen.
Im Mittelpunkt der acht halbstündigen Episoden steht Simon Williams (Yahya Abdul-Mateen II). Der hochbegabte Schauspieler ist ein perfektionistischer Kinonerd, der Hollywood eigentlich zu sehr liebt, um dort problemlos zu funktionieren. Er ist besserwisserisch, detailverliebt – und besitzt Superkräfte, die er vor der Öffentlichkeit geheim halten muss. Das allerdings fällt ihm zunehmend schwer. Zumal schon bald ein alter, exzentrischer Bekannter aus dem Marvel Cinemativ Universe (MCU) auftaucht: Trevor Slattery, erneut verkörpert von Ben Kingsley, trat erstmals im Kinofilm "Iron Man 3" (2013) in Erscheinung – ein gescheiterter Schauspieler, der als falscher "Mandarin" Terrorbotschaften in die Kamera sprach.
Williams und Slattery freunden sich an, während sie sich für das geplante Remake des fiktiven Films "Wonder Man" bewerben: Beide sind insbesondere angetan von der Idee, mit dem berühmten Regisseur Von Kovak (Zlatko Burić) arbeiten zu können. Die herrliche Karikatur eines Autorenfilmers ist selbstverliebt, visionär, permanent genervt vom Superhelden-Genre – und fest entschlossen, es trotzdem neu zu erfinden. Entwickelt wurde "Wonder Man" von Destin Daniel Cretton und Andrew Guest.
"Die nackte Kanone" – Paramount+
"Die nackte Kanone" im Jahr 2025 neu auflegen – tausend Gründe sprächen dagegen. Das sah wohl sogar David Zucker so, der als Produzent, Autor und Regisseur entscheidend an den ersten drei Filmen (1988, 1991, 1994) sowie an der vorangegangenen TV-Serie ("Die nackte Pistole", ab 1982) beteiligt war. Zucker winkte schon 2015 für eine mögliche Neuauflage ab, aus der Überzeugung heraus, der sehr eigenwillige und derbe "Nackte Kanone"-Humor sei inzwischen nicht mehr zeitgemäß. Und Leslie Nielsen, das Gesicht der Reihe, der alte Lieutenant Frank Drebin, verstarb bereits 2010.
Und doch haben sich irgendwie genug Wahnsinnige gefunden, um eine neue "Nackte Kanone" zu drehen – ohne Zucker, ohne Nielsen. Das Ergebnis ist ein halbes Jahr nach dem Kinostart ab Donnerstag, 29. Januar, bei Paramount+ zu sehen. Akiva Schaffer, ein Humor-Anarcho, der sich unter anderem durch die Boyband-Mockumentary "Popstars: Never Stop Never Stopping" und die Mitarbeit bei "Saturday Night Live" einen Namen gemacht hat, führte Regie und war auch an der Entwicklung des Drehbuchs für die neue "Nackte Kanone" beteiligt. Hauptdarsteller ist jetzt Liam Neeson, also jemand, der bislang eher nicht für sein komisches Talent bekannt war. In einer weiteren tragenden Rolle – noch so ein schräger Besetzungs-Coup – mischt Pamela Anderson mit.
Liam Neeson als Lieutenant Frank Drebin Jr. in Schulmädchenuniform auf Verbrecherjagd, alleine an dieses Bild wird man sich lange erinnern. Und vielleicht ja, allem halsbrecherischen Irrsinn bei diesem Projekt zum Trotz, an noch mehr?