Was bleibt nach einem Jahrhundert Leben? Die ZDF-Reportagereihe "37°" widmet sich in der neuen Folge "37°: 100 Jahre Leben: Was wirklich zählt" zwei Menschen, die ein ganzes Jahrhundert erlebt haben, mit all seinen Brüchen, Krisen und Neuanfängen. Im Beitrag von Yves Schurzmann stehen zwei außergewöhnliche Lebensgeschichten im Mittelpunkt: Helmut Luft (100) und Friedel Zimmermann (105) haben Krieg, Verlust und gesellschaftliche Umbrüche erlebt – und dennoch ihre Neugier und Lebensfreude bewahrt. Die Dokumentation fragt danach, was Menschen über ein so langes Leben trägt und welche Erfahrungen wirklich zählen. Was haben sie nachfolgenden Generationen zu sagen über das Leben an sich?
"Leute, werdet alt. Die zweite Hälfte des Lebens ist die weit bessere!"
Friedel Zimmermann ist heute 105 Jahre alt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verliert sie ihren Mann und zieht ihre beiden Söhne alleine groß. Flucht, Hunger und Unsicherheit prägen ihre frühen Jahre. Später erfüllt sie sich jedoch einen großen Traum: Sie arbeitet auf einem Segelschiff und reist um die Welt: bis nach Alaska.
Neugier und Freiheitsdrang seien für sie immer entscheidend gewesen. Seit zwei Jahren lebt sie in einem Seniorenheim, wo ihr der geregelte Alltag und die zunehmende Abhängigkeit von Hilfe nicht immer leichtfallen. Dennoch versucht sie, ihre Haltung zu bewahren: "Man kann sich ja auch angewöhnen, im Leben immer unglücklich zu sein. Oder die lächelnde Seite zu wählen. Ich hab' die lächelnde Seite gewählt. Ich glaube, die ist besser."
Auch Helmut Luft blickt auf ein bewegtes Jahrhundert zurück. Der 100-Jährige arbeitet als Psychoanalytiker und Autor und steht noch immer regelmäßig auf dem Golfplatz. Für ein erfülltes Leben setzt er auf seine "vier L": Laufen, Lachen, Lernen und Lieben. Seine Haltung zum Älterwerden überrascht viele: "Leute, werdet alt. Die zweite Hälfte des Lebens ist die weit bessere!" Als junger Mann erlebte Luft den Krieg und verlor Freunde. Daraus habe er eine wichtige Erkenntnis gezogen: selbst zu denken, Mensch zu bleiben und eine eigene Haltung zu entwickeln.
Die Dokumentation zeigt das hohe Alter nicht als Ausnahmezustand, sondern als eigene Lebensphase mit neuen Perspektiven. Helmut Luft und Friedel Zimmermann sprechen offen über Einsamkeit, Grenzen und Abschiede, aber auch über Humor, Freundschaften und Lebensfreude. Ihre persönlichen Erinnerungen verbinden sich dabei mit Zeitgeschichte – und werfen eine Frage auf, die viele Menschen bewegt: Was macht ein langes Leben wirklich aus?
37°: 100 Jahren Leben: Was wirklich zählt – Di. 14.04. – ZDF: 22.15 Uhr