ARD Dokumentarfilm: Tschernobyl 86 – Der Super-GAU
Als die Welt den Atem anhielt

  • von Hans Czerny
Die Dekontaminierung der Gebäude des Kernkraftwerks Tschernobylwurde von Hubschraubern, vor allem aber von tausenden Hilfskräften vorgenommen, die im Minutentakt als "Bioroboter" arbeiten mussten.
Die Dekontaminierung der Gebäude des Kernkraftwerks Tschernobylwurde von Hubschraubern, vor allem aber von tausenden Hilfskräften vorgenommen, die im Minutentakt als "Bioroboter" arbeiten mussten.
© rbb / IMAGO / SNA
Nachdem das ZDF bereits am 07.04. (20.15 Uhr) über die Atomkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 berichtete, folgt nun das Erste mit der Dokumentation "Tschernobyl 86 – Der Super-GAU". Vor allem die Reaktion im noch geteilten Deutschland rückt ins Blickfeld.

Vor 40 Jahren, am 26. April 1986, ereignete sich im ukrainischen Tschernobyl die größte Atomkatastrophe der Geschichte. Bei einem Testlauf zur sichern Abschaltung des Reaktors im Block 4 des AKW kam es zu einer Kernschmelze mit anschließender Explosion. Weite Teile Europas wurden radioaktiv verseucht, weder Techniker vor Ort, noch sowjetische Behörden wussten die Dimensionen des Unfalls zunächst richtig einzuschätzen. Zahllose Menschen starben an Verbrennungen, oftmals aber auch Monate oder Jahre später an Krebs, Leukämie oder Kreislaufkrankheiten. Die historische Reportage "Tschernobyl 86 – Der Super-GAU" von Volker Heise versucht zu verdeutlichen, wie sehr die damalige Sowjetunion den schrecklichen Unfall zu vertuschen versuchte und wie er in beiden deutschen Teilen aufgenommen wurde.

Während selbst Techniker vor Ort und tausende Aufräumarbeiter, "Bioroboter" genannt, damit beschäftigt waren, radioaktive Trümmer zu entsorgen, ahnte zunächst niemand im Ausland etwas von der Schwere der Katastrophe, geschweige denn von den Ursachen, die dazu geführt hatten. Die Sowjetunion tat zunächst alles, um den Reaktor der eigenen Bauart (RBMK 1.000, "Hochleistungsreaktor mittels Kanälen") vor Kritikern zu schützen. Erst am 14. Mai klärte Michail Gorbatschow die Öffentlichkeit über die Dimensionen des Unglücks auf.

Doch wie wurde die Katastrophe in Deutschland aufgenommen? – Während im Westen vor allem die Angst vor einer Jahrtausende währenden Verseuchung grassierte und der Grünenpolitiker Joschka Fischer den sofortigen Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft forderte, beschwichtigten konservative Politiker im Bundestag die Deutschen, indem sie westliche AKW als sicher bewerteten. Im Osten verharmloste die "Aktuelle Kamera" den Super-GAU und vermeldete in knappen Sätzen die Version der SED. In der Bundesrepublik liefen die Nachrichten vom Unglück rund um die Uhr auf allen Kanälen.

"Tschernobyl 86", erzählt die Katastrophe ausschließlich unter Verwendung von Material aus den Archiven und verzichtet auf nachträglichen Kommentar. Zu sehen sind überforderte Menschen, die ihre Angst zeigen, zum Teil aber auch an den Aufräumarbeiten beteiligte "Helden", die heute längst vergessen sind. Die Beurteilung, wie gefährlich die Lage in Anbetracht des Krieges in der Ukraine ist, wird dabei dem Urteil des Zuschauers überlassen.

ARD Dokumentarfilm: Tschernobyl 86 – Der Super-GAU – Mo. 13.04. – ARD: 23.05 Uhr

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