Im Interview zur "Das Millionenschnitzel" und zur Lage der Welt
Armin Rohde: "Bis auf die Knochen ein politischer Mensch"

  • von Elisa Eberle
Armin Rohde ist einer der markantesten Schauspieler Deutschlands und in Interviews selten um klare Aussagen verlegen.
Armin Rohde ist einer der markantesten Schauspieler Deutschlands und in Interviews selten um klare Aussagen verlegen.
© 2025 Getty Images/Andreas Rentz
Armin Rohde ("Das Millionenschnitzel") nimmt auch mit fast 71 Jahren kein Blatt vor den Mund: Ein Gespräch über die fragile weltpolitische Lage, falsche Vorbehalte beim Umgang mit KI und seine zweite große Leidenschaft neben der Schauspielerei.

Manche Interviews sind Selbstläufer. Gespräche mit Armin Rohde zählen da auf jeden Fall dazu. Der bald 71-jährige Schauspieler beantwortet mit Feuereifer alle Fragen und nimmt, wenn es um seinen Eindruck zur momentanen Lage in der Welt geht, kein Blatt vor den Mund. Anlass für das Interview ist die TV-Ausstrahlung von "Das Millionenschnitzel" (Freitag, 27. Februar, 20.15 Uhr, das Erste), dem nunmehr sechsten Film der Reihe mit Armin Rohde und Ludger Pistor als einfallsreiche Pechvögel. Diesmal wollen Günther Kuballa (Rohde) und Wolfgang Krettek (Pistor) ihre Schnitzelpanade in einer Gründershow groß rausbringen. Doch der Weg dorthin ist lang: Um die strengen Wettbewerbsvorgaben einzuhalten, befragen Kuballa und Krettek gezwungenermaßen auch die Künstliche Intelligenz. Auch Armin Rohde hat keine Berührungsängste mit KI: Er nutzt sie nicht zuletzt bei seiner zweiten großen Leidenschaft neben der Schauspielerei: der Fotografie. Im Interview spricht er über seine nächste Ausstellung und darüber, wie es sich anfühlt, mit 70 Jahren als "Shootingstar in der Fotobranche" zu gelten. Außerdem findet er klare Worte zur USA unter Trump und übt scharfe Medienkritik.

teleschau: Auf der Suche nach der perfekten Panade machen Günther und Wolfgang in "Das Millionenschnitzel" ihre ersten Erfahrungen mit KI. Wann haben Sie zuletzt Chat GPT befragt?

Armin Rohde: Mit ChatGPT arbeite ich nicht, aber mit Gemini. Da bin ich jetzt ständig zugange und bringe mir selber das Arbeiten mit Kunstlicht bei. Denn besonders in der Materie, in der man sich selber auskennt, ist der Umgang mit KI genial, weil man gegenfragen kann. Das ist mir schnell aufgefallen, dass es wichtig ist, Gegenfragen zu stellen. Man darf nicht einfach alles akzeptieren, sondern muss immer nachfragen: Warum ist das so? Gibt es dafür nicht eine bessere Lösung? Sobald man damit anfängt, wird es spannend. Und das Ergebnis eignet sich dann tatsächlich für ein Selbststudium. Die Welt erklären lassen würde ich mir von dem Ding aber noch nicht.

"Das Internet wurde vor 30 Jahren auch nicht ernst genommen"

teleschau: Manche stehen dem Thema KI aber auch skeptisch gegenüber ...

Rohde: Ja, aber ich glaube, das ist mit jeder technischen Neuerung so. Das Internet wurde vor 30 Jahren auch nicht ernst genommen. Sogar 2013 wurde da noch von "Neuland" gesprochen (lacht). Ich kann es verstehen, dass manche Menschen Angst davor haben, glaube aber, dass das kein guter Weg ist. Ich habe mir Anfang der 1990er-Jahre meinen ersten Computer gekauft, weil ich das Gefühl hatte, dass diese Dinger im Alltag mal wichtig sein werden. Und ich habe gesagt: "Ich will nicht eines Tages vor einer Welt stehen, die für mich nicht mehr begreifbar ist."

teleschau: Und wie begegnen Sie dem Ausbau von KI als Schauspieler? Viele Synchronsprecherinnen und -sprecher liegen wegen des KI-Trainings derzeit mit Netflix im Streit ...

Rohde: Für die Kolleginnen und Kollegen wird es natürlich härter. Der Journalist Jörg Schieb hat sich mit der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz bereits umfangreich beschäftigt. Er zeigte mir kürzlich, wie schnell man ein Video von einer Person generieren kann, in der diese dann auf Chinesisch oder irgendeiner anderen x-beliebigen Sprache Sachverhalte erklärt. Für Synchronsprecherinnen und -sprecher bedeutet das, dass man in Zukunft nur noch die Stimmen wirklich aufnehmen wird, die bekannt und beliebt beim Publikum sind. Natürlich müssen bei dem Thema auch noch einige rechtliche Fragen geklärt werden.

"Es liegt wirklich nicht in meiner Natur, mich einschüchtern zu lassen"

teleschau: Die Schnitzel-Reihe schneidet wie immer viele Alltagssorgen und gesellschaftliche Probleme an. Ist das das Geheimrezept oder was macht den Erfolg der Filmreihe aus?

Rohde: Noch entscheidender ist wahrscheinlich die Tatsache, dass wir diese Themen nie auf belehrende Art und Weise verhandeln. Für mich war von vornherein klar: Ich mache diese Reihe nur, wenn wir uns in der Umsetzung ganz klar darüber sind: Es ist nicht lustig, arbeitslos zu sein. Wir zeigen zwei Steh-auf-Männchen des Schicksals, die versuchen, mit ihrer Situation irgendwie umzugehen ohne in Verzweiflung zu verfallen.

teleschau: Wo sehen Sie derzeit die größten gesellschaftlichen Probleme?

Rohde: Ich sag mal so: Es besorgt mich durchaus, dass mit Leuten wie Trump möglicherweise schwerstkriminelle Menschen das Sagen haben. Es gibt so viele Indizien dafür, dass diese Verdachtsmomente nicht unbegründet sind, sodass einem davon am Ende wirklich übel werden kann. Es liegt wirklich nicht in meiner Natur, mich einschüchtern oder verängstigen zu lassen, aber Sorgen mache ich mir, dass diese Menschen das politische, das kulturelle und das soziale Klima bestimmen.

teleschau: Wie reagieren Sie auf die anhaltenden schlechten Nachrichten, die auf uns einprasseln? Nehmen Sie sich manchmal eine bewusste Pause?

Rohde: Das gelingt mir nicht, weil ich bis auf die Knochen ein politischer Mensch bin und mein Interesse nur ganz schwer ausschalten kann. Ich versuche, mich möglichst breit zu informieren und nicht schon auf den ersten Alarmruf zu reagieren. Ich warte erstmal ab, um dann vielleicht festzustellen: Okay, es ist gar nicht so gravierend, wie anfangs behauptet wurde. Ich glaube, dass man sich da selbst zur Disziplin zwingen muss, die Ruhe zu bewahren. Denn im Moment ist alles immer gleich unglaublich alarmistisch.

teleschau: Wie meinen Sie das?

Rohde: Die Welt hat schon immer Unglücke, Katastrophen und Kriege erlebt. Allerdings gab es auch noch nie eine Epoche, in der man fast in Echtzeit erfahren konnte, wer wen warum am anderen Ende der Welt erschlagen hat. Lange haben wir das entweder nie oder mit Verspätung erfahren. Unsere Aufgabe ist, glaube ich zumindest, mit heilem Verstand durch die momentanen Krisen zu kommen. Jede und jeder sollte sich die Frage stellen: Was gibt mir Kraft und Zuversicht? Ich sage immer: Nur nicht verrückt machen lassen!

"Diese Leute immer nur als dumm zu bezeichnen, bringt uns nicht weiter"

teleschau: Das fällt einem zunehmend schwer ...

Rohde: Es kostet Kraft, aber es gibt auch Kraft! Mein politisches Erwachen war in den 1970-ern. Damals herrschte eine musikalisch, künstlerisch und politisch große Aufbruchstimmung. Daran erinnere ich mich noch sehr gut. Damals ging ich noch davon aus, dass die Menschheit insgesamt daran arbeitet, dass es allen irgendwann besser geht. Den Eindruck hat man im Moment überhaupt nicht. Das Verrückte ist ja: Diejenigen Politikerinnen und Politiker, die immer wieder betonen, wie stolz sie darauf sind, Deutsche zu sein, sind auch diejenigen, die den Amerikanern derzeit am weitesten in den A ... kriechen. Wobei ich diese Aussage sowieso albern finde.

teleschau: Was finden Sie albern?

Rohde: Ich kann stolz darauf sein, wenn ich zehn Liegestütze schaffe oder mit dem Rauchen aufgehört habe, aber nicht darauf, Deutscher zu sein. Ich kann höchstens froh darüber sein, in einer Gegend geboren worden zu sein, in der ich halbwegs sicher meiner Wege gehen kann. Denn was bitte habe ich geleistet, um in Deutschland geboren zu werden? Das Denken mancher Leute scheint oft an dem Punkt stehen zu bleiben, an dem es interessant wäre, weiterzudenken. Doch diese Leute immer nur als dumm und blöd zu bezeichnen, bringt uns auch nicht weiter.

teleschau: Ist es wichtig, das immer wieder zu thematisieren und in die Diskussion zu gehen?

Rohde: Mit Faschisten kann man sich nicht vernünftig auseinandersetzen. Und was daraus entstehen kann, sehen wir derzeit Tag für Tag live in Berichten aus den USA. Es wäre an der Zeit, dass die Gerichte entscheiden: Die NPD ist damals nicht verboten worden, weil sie zu klein und zu unbedeutend war. Jetzt haben wir eine Partei, die groß und gefährlich genug ist. Die ist uns jetzt aber zu groß und zu gefährlich.

"Viele Leute lesen heutzutage nur noch die Überschriften"

teleschau: Das Thema scheint Sie sehr zu beschäftigen ...

Rohde: Ich suche aber auch immer wieder nach Techniken, mit denen ich und die Menschen, die mir wichtig sind, möglichst gut durch die aktuelle Zeit kommen. Man kann es mit Humor schaffen, mit Klugheit oder damit, dass die Juristinnen und Juristen sagen: "Passt auf, wir haben alle Beweise in der Hand. Jetzt verbieten wir diese Partei!" Im Moment bin ich aber auch enttäuscht, dass das Problem von der Presse nicht sorgfältiger, klüger und notfalls meinetwegen auch humorvoller begleitet wird.

teleschau: Inwiefern?

Rohde: Oft lese ich Artikel, in denen irgendjemand Blödsinn behauptet. Und in der Überschrift steht nur die Behauptung. Viele Leute lesen heutzutage aber nur noch die Überschriften, für die ist das dann gleich eine Tatsache! Ich weiß nicht, ob diese Strategie der Medien beabsichtigt oder nur nachlässig ist. Trotzdem juckt es mich in den Fingern, zu sagen: "Leute, ist euch nicht klar, was ihr damit auslöst, wenn ihr solche Behauptungen einfach in den Titel schreibt?" Die eigentliche Motivation eines Journalisten oder einer Journalistin sollte es sein, die Welt der Leserschaft verständlich zu machen. Doch das passiert viel zu selten. Das finde ich enttäuschend.

"Finde es viel spannender zu erfahren, was anderen zu mir einfällt"

teleschau: Um den Bogen wieder zurück zum Film zu spannen: Braucht es dann noch mehr von gesellschaftskritischen Produktionen, auch Komödien, um die Leute in diesen Zeiten zu erreichen?

Rohde: Ja, wobei es darauf ankommt, welche Art von Komödie es ist: Komödien bekommen für mich etwas Abstoßendes, wenn sie sich über Menschen lustig machen, die sich nicht wehren können. Ich zum Beispiel habe Übergewicht. Wenn mich jemand fragt: "Wie fändest du einen Witz über Dicke?", antworte ich: "Kommt darauf an, wer ihn wann und wie erzählt." (lacht) Eine gute Komödie ist für mich so, wie wenn ich mein kleines Geschwisterkind liebevoll triezen, es jedoch gleichzeitig beschützen würde. Was sich aber nicht gehört, ist, sich über andere Menschen lustig zu machen.

teleschau: Welche Rolle würden Sie gerne noch spielen, die Sie noch nicht gespielt haben?

Rohde: Die Frage kann ich Ihnen nicht beantworten, weil ich dauernd Rollen gespielt habe, die ich mir so nie gewünscht habe, die am Ende aber ganz klasse waren. Den Bierchen zum Beispiel hätte ich mir nie gewünscht oder den guten Bullen von Lars Becker, den ich seit Jahren spiele. Ich finde es auch viel spannender zu erfahren, was anderen Leuten zu mir einfällt, als was mir selber zu mir einfällt.

Armin Rohde: Mit 71 der "Shootingstar in der Fotobranche"

teleschau: Und wie sieht es mit Ihrer zweiten großen Leidenschaft der Fotografie aus? Was wollen Sie da noch erreichen?

Rohde: Oh, mit der Frage machen Sie mir eine Freude! Ich habe jetzt gerade ein großes Fotoprojekt für die Brost-Stiftung zum Thema Migration gemacht. Die wird ab April im Ruhr Museum in Essen zu sehen sein. Ich werde im April schon 71 und bin jetzt immer wieder auf Titelbildern von Fotozeitungen zu sehen. Wenn ich jetzt 19 wäre und Trump wäre nicht Präsident, dann würde ich sagen: "Wisst ihr was Kinders? Ich geh jetzt erst mal für ein Jahr nach New York." (lacht) So ist momentan meine Stimmung, weil ich mit meinen 71 als Shootingstar in der Fotobranche gelte. Das genieße ich sehr, und das beschäftigt mich auch rund um die Uhr.

teleschau: Vor einem Jahr sagten Sie, Sie könnten es noch gar nicht glauben, 70 zu werden. Haben Sie sich inzwischen an die Sieben vorne gewöhnt?

Rohde: Nee! Wenn ich jemandem erzähle, dass ich 70 bin, erwarte ich immer noch die Reaktion: "Nicht im Ernst!" Das kommt aber leider nicht so oft. (lacht) Also ich fühl mich schon irgendwie erwachsen, aber ich kann es immer noch nicht glauben. Es kommt mir immer noch so vor, als hätte irgendjemand mein Zeitkonto geplündert. Bis ich anfange nachzudenken: Nee, die Zeit hab ich selbst verbraucht.

teleschau: An den Ruhestand denken Sie also weiterhin noch nicht?

Rohde: Ich weiß, wie Ruhestand geschrieben wird, da hört es dann aber auch schon auf.

teleschau: Letzte Frage: Wird die Schnitzel-Reihe fortgesetzt?

Rohde: Was ich so gehört habe, ist derzeit schon wieder ein Drehbuch in Arbeit. Wir haben eine so große Fangemeinde, dass ich die Aussichten für sehr gut halte.

teleschau: Und wie geht es mit "Nachtschicht" weiter?

Rohde: Dafür fahre ich demnächst nach Hamburg, um die 20. Folge zu drehen. Das wird für mich ein Doppeljubiläum, denn es ist auch mein 30. Film unter Regie von Lars Becker.

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