Klar, wenn man so einen familiären Hintergrund hat wie die am 30. Juni 1966 in München geborene Marie Theres Relin, Tochter des Filmstars Maria Schell mit österreichisch-schweizerischen Schauspiel-Wurzeln und Nichte des Oscar-Preisträgers Maximilian Schell ("Urteil von Nürnberg"), wird man vom Ruhm der Vorfahren erst mal erdrückt. Wenn man dann auch noch den Erfolgsautor (und Schauspieler) Franz Xaver Kroetz heiratet (1992), wird alles nicht leichter. Doch längst ist Marie Theres Relin, Tochter des Regisseurs und Schell-Ehemanns Veit Relin, längst über diese Lebenshürden hinweg und ihren eigenen Weg gegangen, wie das "Lebenslinien"-Porträt von Elisabeth Mayer erindrücklich zeigt.
"Man ist die Tochter von, die Ex von... Aber letztlich hat man nichts davon", die ihr Sohn Ferdinand wunderbar flapsig "eine coole Socke" nennt. Recht eigentlich fing das schon mit 16 an, als sie die Schule auf Geheiß der Mutter verließ und nach Paris ging, um Schauspielerin zu werden. Die Mutter, so glaubt sie, gönnte ihr die folgenden frühen Erfolge damals nicht, auch nicht die Goldene Kamera, die Marie Theres Relin anlässlich des TV-Films "Das unverhoffte Glück" 1987 bekam. Nach der Heirat mit Kroetz verzichtete sie auf die Schauspielerei, bekam sie drei Kinder, führte den Haushalt und lernte so das, wie sie fand, harte Leben von Müttern und Hausfrauen kennen. Die gescheiterte Ehe hielt sie im Nachhinein 2023 unter dem Titel "Szenen keiner Ehe" in dialogisierter Tagebuchform fest. Es wurde ein Bestseller daraus. Sie sei ein "Stehaufmandl" und "Selfmade-Woman", sagt ihr Halbbruder Oliver, einer von vielen auskunftsfreudigen Lebensbegleitern und -begleiterinnen im Film. Schon ihr erstes aus ihrer frühen Internetplattform "Hausfrauenrevolution.com" entstandenes Sachbuch war ein Aufruf zur Emanzipation. Frauen, so weiß sie, sind überlastet, werden immer noch schlechter bezahlt und sind mehr als Männer von Altersarmut bedroht. Die Depressionen der Mutter, die 2005 auf der Familienalm in Kärnten starb, eine Vergewaltigung durch Onkel Maximilian, ein Schockmoment mit Sohn Ferdinand, der von einer Klippe stürzte – und nicht zuletzt die in die Brüche gegangene Hausfrauenehe mit dem Erfolgsdramatiker Franz Xaver Kroetz: Immer wieder gab es Tiefpunkte im Leben der Marie Theres Relin, an der andere zerbrochen wären. Sie aber habe "immer wieder neue Ideen" gehabt und verwirklicht, sagt Kroetz. Manches habe sich am Rande des "Größenwahns" abgespielt. Aber nach dem Scheitern sei sie eben "immer wieder aufgestanden".
Inzwischen spielt Relin wieder Rollen und sie schreibt auch an ihrem ersten Roman. Dass sie überhaupt nicht auf den Mund gefallen ist, dessen wird man in diesem sehenswerten BR-Porträt gewahr. Da hat sich vieles angestaut in all den Jahren und wird inzwischen längst ins produktiv Positive gewendet. (Seit 08. Januar auch in der ARD-Mediathek zu sehen.)
Lebenslinien: Marie Theres Relin – mehr als eine echte "von" – Mo. 12.01. – BR: 22.00 Uhr